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Psychodynamisches Modell

Psychodynamisches Modell einer narzisstischen Persönlichkeit

Abschnitt betitelt „Psychodynamisches Modell einer narzisstischen Persönlichkeit“

Das psychodynamische Modell zeigt die Strukturen und Energieflüsse innerhalb der narzisstischen Persönlichkeit.

SymbolBedeutung
AAbwehrmechanismen des ICH
B1Kräfte bzw. Energien die aus Säule I und II des ÜBER-ICH auf das ICH drücken
B2Kräfte bzw. Energien die aus Säule III des ÜBER-ICH auf das ICH drücken
CAbwehrenergien die das ICH für die Abwehrmechanismen heranzieht
A+CAbwehrhandlung
DStarre Verbindung mit Inversivgelenk (G) zum Selbst
E1, E2ES-Impulse, Triebenergien
GInversivgelenk (Inversiv = Umkehr)
SBSelbstbeobachtung, Introspektion
SVergleich soziales Selbst mit Selbst und umgekehrt
SESelbstregularien
SFÜbergang Fremdbild in das soziale Selbst
SRSelbstregulation
SSEinfluss des sozialen Selbst auf das Selbstwertgefühl
ISIch-Diskrepanz, Selbstverwirklichung, narzisstisches Gleichgewicht
VIVergleich Ideal-Ich / Ideal-Selbst versus Ich-Ideal / Ideal-Objekte
SymbolBedeutung
VIVergleich Ideal-Ich / Ideal-Selbst versus Ich-Ideal / Ideal-Objekte
UUrprägungen, Urbeeinflussungen durch das Elternimago
B1, B1Gesamtkraft, Gesamtenergie die aus Säule I und II des ÜBER-ICH auf das ICH drücken
B2Gesamtkraft, Gesamtenergie die aus Säule III des ÜBER-ICH auf das ICH drücken

Im Vergleich zur gesunden Persönlichkeit zeigt das narzisstische Modell charakteristische Unterschiede:

Bei der narzisstischen Persönlichkeit ist das Grössen-Selbst stark ausgeprägt. Es entsteht durch:

  • Verschmelzung von Ideal-Ich und Ich-Ideal
  • Pathologische Integration von grandiosen Selbstanteilen
  • Abspaltung von minderwertigen Selbstanteilen

Die Verbindung zum Selbst ist bei Narzissten starr (im Modell als “D” bezeichnet), nicht flexibel wie bei gesunden Persönlichkeiten. Das Inversivgelenk (G) ermöglicht nur eine Umkehr, keine echte Anpassung.

Die narzisstische Persönlichkeit nutzt primitive Abwehrmechanismen:

  • Spaltung: Trennung in “gut” und “böse”
  • Projektion: Eigene unerwünschte Anteile werden auf andere übertragen
  • Idealisierung und Entwertung: Extreme Bewertungen von Objekten
  • Verleugnung: Nicht-Wahrnehmen bedrohlicher Realität

Die ES-Impulse (E1, E2) üben beim Narzissten einen besonderen Druck aus:

  • Triebspannung sucht Entladung über grandiose Phantasien
  • Libido ist primär auf das Selbst gerichtet
  • Aggression wird auf entwertete Objekte projiziert

Das ÜBER-ICH ist bei narzisstischen Persönlichkeiten oft:

  • Wenig integriert
  • Geprägt durch archaische Eltern-Imagos (U)
  • Eher bestrafend als führend

Die Energie (B1, B2), die vom ÜBER-ICH auf das ICH drückt, führt zu:

  • Chronischen Scham- und Minderwertigkeitsgefühlen (hinter der grandiosen Fassade)
  • Ständiger Suche nach narzisstischer Zufuhr von aussen

Das narzisstische Gleichgewicht (IS) ist bei dieser Störung chronisch instabil:

Im Gegensatz zur Borderline-Persönlichkeit:

AspektNarzissmusBorderline
ICH-GrenzenErhaltenDiffus, verschwimmend
Grössen-SelbstIntegriert (pathologisch)Nicht vorhanden
ImpulskontrolleBesserStark beeinträchtigt
IdentitätStabil (grandiose Form)Identitätsdiffusion

Das Verständnis des psychodynamischen Modells hilft zu verstehen:

  1. Warum Narzissten so empfindlich auf Kritik reagieren
  2. Warum sie ständig Bewunderung brauchen
  3. Warum Beziehungen so schwierig sind
  4. Warum die Therapie so herausfordernd ist