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Vorwort

Diese Inhalte wurden ursprünglich auf borderlinezone.org veröffentlicht – einer Website, die seit 2002 Informationen zu Borderline und verwandten psychischen Störungen bereitstellt. Die Seiten wurden modernisiert und auf borderliner.ch neu aufbereitet, um sie auch in Zukunft zugänglich zu halten.

Die Seiten erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und werden soweit es die Zeit und Umstände erlauben, immer wieder überarbeitet und erweitert.

Da die Störungen in ihren Zusammenhängen vielschichtig sind, sind die Seiten genauso aufgebaut. Zum anderen müssen Sie dadurch zwangsläufig einiges lesen, welches zum Verständnis in der Gesamtheit beiträgt.

Es ist versucht worden, das Fachchinesisch weitestgehend aussen vor zu lassen und es in eine Sprache (Darstellung) zu übersetzen, die jeder verstehen kann. Ist nicht immer gelungen.

Details und detaillierte tiefenpsychologische Erklärungen sowie die genaue Erklärung biochemischer Vorgänge sind nur angerissen, um einen Einblick zu verschaffen.

Diese Seiten sollen Ihnen einen Überblick verschaffen. Sie sind nur eine Taschenlampe, die in eine sich weit verzweigende Dunkelheit leuchtet. Was auch immer Sie durch die Taschenlampe sehen – urteilen Sie nicht zu schnell, lassen Sie sich selbst die Gelassenheit und Ruhe, um über gewisse Dinge nachzudenken.

Für Kritik sind wir jederzeit empfänglich und freuen uns auf Anregungen. Nicht jedem können wir es recht machen, doch vielen.

Viele von Ihnen sind auf diese Seiten gekommen, um Erklärungen und Hilfe zu suchen.

Wenn wir nur einem von Ihnen in irgendeiner Form helfen konnten, so haben sich diese Seiten gelohnt. Es gibt viele Theorien, nichts ist beweisbar – sagen wir besser, wir können nicht sagen “es ist so”. Der Leser wird bemerken, dass der Verfasser Anhänger der Freudschen Theorien ist. Aber auch Jung, Adler, die Frankfurter Schule und viele andere fliessen mit ein.

Bis heute gibt es keinen Beweis, dass S. Freud, A. Freud, Adler, Jung etc. Recht hatten oder haben, da es keinen Gegenbeweis gibt. Wir wissen nur: Es funktioniert. Die Psychologie, Psychiatrie, die Therapien basieren alle auf diesen “Tatsachen” und vielen Menschen konnte geholfen werden. Dennoch gilt: Wo kein Gegenbeweis = kein Beweis für die Richtigkeit.

Auf nicht alle Fragen werden Sie in diesen Seiten eine Antwort finden. Für viele mag es den Anschein haben, dass wir uns auf die entgegengesetzte Seite stellen und den Borderliner verurteilen. Dem ist nicht so. Nun, dass wir aus der Sicht der Borderlinepersönlichkeit auf der schwarzen Seite stehen, ist ausser Zweifel.

Wir haben versucht, in einer objektiven, wenn auch manchmal harten Einstellung, beide Seiten zu beleuchten.

Auch möchten wir dem Leser das Wort bzw. die Einstellung zu “krank” ein wenig näher bringen, besser gesagt es in ein anderes Licht rücken. Weg von der Einstellung “im Kopf stimmt etwas nicht”, “du bist doch krank” als negative Bewertung, sogar Beschimpfung.

Wenn jemand vor Sie tritt und hat einen gebrochenen Arm, der im Verband und Gips liegt, akzeptieren Sie es als vollkommen normal – Sie sehen, dass er krank ist. Sie besetzen diesen Zustand nicht mit einem negativen Vorzeichen, Sie stigmatisieren nicht. Im Gegenteil: Sie bieten Ihre Hilfe und Unterstützung an.

Nicht so, wenn jemand einen “gebrochenen Arm im Kopf” hat. Den sehen Sie nicht, und was Sie nicht sehen können, können Sie nicht erklären. Daraus folgt eine Art Angst und Hilflosigkeit. Das Schlimme daran: Er selbst betrachtet es als negativ und wird von der Aussenwelt auch so abgestempelt.

Diese Seiten sollen helfen, diese Einstellung zu ändern – zumindest auf die beschriebenen Störungen. Sie sollen helfen, diese Dinge als das zu sehen, was sie sind: “ein gebrochener Arm im Kopf”.

Da es kein “gesund” gibt, sollten wir akzeptieren, dass jeder Mensch Ecken und Kanten hat. Er hat Macken, der eine mehr, der andere weniger.

Die Frage ist: Wie geht er und seine Umwelt damit um? Schadet er sich und/oder schädigt er andere?

Die westliche Dialektik, wie auch die Medizin, trennt noch immer Körper von Geist (Seele). Erfolgreiche Ansätze, den Körper als Einheit und die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele zu betrachten, sind vorhanden. Leider sind diese Erkenntnisse noch lange nicht bis zu jedem Arzt vorgedrungen.

Die fernöstliche Dialektik dagegen betrachtet den Menschen als Einheit von Körper und Seele und diesen wiederum als Teil des Ganzen (Universum). Dargestellt im Symbol Yin und Yang beinhaltet es nicht nur das Männliche und Weibliche, das Gute und Böse, Feuer und Wasser, Plus und Minus. Nein, es beinhaltet den Grundsatz, dass das Eine nicht ohne das Andere existieren kann. Alles steht in einer Wechselbeziehung.

Es beinhaltet den Grundsatz der Wahrheit: Keine Wahrheit existiert ohne den Widerspruch.

Ein chinesisches Sprichwort sagt:

“Nur der, der in der Lage ist, die Widersprüche zu erkennen und sie in sich zu vereinen, wird die Wahrheit sehen.”

Wir Europäer versuchen alles rational zu erklären. Wie Sie sehen, besteht eine Wechselbeziehung zwischen Verstand und Gefühl. Sie alle kennen den Spruch “der Verstand sagt nein, das Gefühl sagt ja” oder “Verstand und Gefühl waren schon immer entgegengesetzt”.

Es ist Yin und Yang.

Auf Deutsch gesagt: Lassen Sie Kopf und Bauch zu einer Einheit werden und er-fühlen Sie. Nur dann werden Sie verstehen.


Die wesentlichen Charakteristika einer Störung in präziser Form aufzulisten bringt offensichtliche Vorteile, aber einige grundsätzliche Probleme beim Gebrauch solcher Kriterien sind noch nicht gelöst.

Was gegenwärtig diagnostische Kriterien genannt wird, ist eine Mischung von Items, von denen einige die Diagnose der gegenwärtigen Störung, einige den häufigsten Patiententyp, einige die Folgen der Störung und einige die relativen Prioritäten für Störungen in einer Hierarchie von diagnostischer Bedeutung beschreiben.

Die Bearbeiter von Kapitel V (wie auch bei DSM-III und DSM-IV) entschieden, den Terminus Störung als Beschreibung für das Klassifizierte zu verwenden. So vermeidet man eine Debatte über Bedeutung und Nutzen der Begriffe Krankheit, Erkrankung und ähnliches.

Im Kapitel V (F) ist “Störung” verwendet, um die Existenz eines klinisch erkennbaren Komplexes von Symptomen oder Verhaltensauffälligkeiten zu umschreiben, welcher in den meisten Fällen mit Leiden und mit Beeinträchtigung von Funktionen einhergeht.

Hohe Verlässlichkeit in der Beschreibung von Emotionen, Erleben und Verhalten bringt unvermeidlich viele Probleme mit sich, wenn die Grenzen zwischen verschiedenen Störungen definiert werden sollen und zwischen milden und schweren Graden derselben Störung unterschieden werden soll.

Die Klassifikation von affektiven Störungen in dieser und allen anderen gegenwärtigen psychiatrischen Klassifikationen leidet unter vielen Problemen dieser Art, so ganz besonders häufig unter der Schwierigkeit, zwischen verschiedenen Schweregraden depressiver Zustände zu unterscheiden.

Ein wichtiges Kennzeichen der neueren Klassifikation, das Kliniker in vielen Ländern überrascht, ist die Abwesenheit der traditionellen Trennung zwischen Neurosen und Psychosen.

Im ICD-10 ist diese Unterscheidung zu Gunsten allgemeiner deskriptiver Charakteristika oder Inhalte verlassen worden. Dennoch finden viele Kliniker die Begriffe Neurose und Psychose als allgemein beschreibende Begriffe nützlich.

Die folgende Bedeutung für “psychotisch” wird vorgegeben: Sein Gebrauch beinhaltet keine Annahme über psychodynamische Mechanismen, sondern gibt einfach das Vorkommen von Halluzinationen, wahnhaften Störungen oder bestimmten Formen schwer abnormen Verhaltens an, wie schwere Erregungszustände, Überaktivität, ausgeprägte psychomotorische Hemmungen und katatone Störungen.


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