Die Spaltung ist einer der zentralen Abwehrmechanismen bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Sie erklärt, warum Betroffene ihre Umwelt oft in extremen Kategorien wahrnehmen - entweder als vollkommen gut oder vollkommen böse.
Projektion bedeutet, eigene Anteile an sich nicht zu sehen, sondern sie auf den anderen zu übertragen und dort zu bekämpfen. Beim Borderliner bedeutet “bekämpfen” oft Vernichtung.
Projektion heisst aber auch, dass das eigene Imago (inneres Bild) auf den anderen projiziert wird.
Der Spaltungsmechanismus ist eine frühe und primitive Form, um mit seelischen Belastungen fertig zu werden. Dieser Abwehrmechanismus wird normalerweise von der nächsten höheren Form - der Verdrängung - abgelöst.
Diese wird gegen eine innere “Triebgefahr” (ES) eingesetzt
Aber nur dann, wenn sie wie ein äusseres Gefahrensignal behandelt wird
Deshalb ist der Borderliner ständig bereit, mit Panikattacken zu reagieren, sobald seine Schutzmechanismen angegriffen werden - oder er dies so wahrnimmt.
Da die Spaltung weniger “Gegenbesetzungsenergie” benötigt als die Verdrängung, ist es dem Borderliner einfacher, zu diesem Mechanismus zu greifen - zumal er den nächst höheren Mechanismus nicht entwickelt hat.
Verdrängung und Spaltung sind beides Schutzmechanismen des ICH. Der Nachteil der Spaltung besteht darin, dass - im Gegensatz zur Verdrängung - die abgespaltenen Einflüsse (Energien) permanent vorhanden bleiben und nicht aufgelöst werden.
Die Idealisierung ist ein notwendiger Bestandteil der menschlichen Entwicklung - besonders das Bild der Eltern. Dieser Vorgang ist wichtig zur Bildung des Ideal-ICH.
Der Ex-Partner einer Borderline-Beziehung tut dasselbe wie der kleine Borderliner als Kind: Er idealisiert den Partner, obwohl dieser ihm so furchtbar weh tut. Ein Schutzmechanismus der Seele.
Als Kind kommt es oft vor, dass die Eltern idealisiert werden und das Kind sich für “nicht geliebt sein” selbst tadelt. Hier kommen alle drei Störungen zum Tragen:
Borderliner
Narzisst
Essstörung
Der zentrale Mechanismus
Das Kind projiziert seine Aggression auf das geliebte Objekt, muss es aber gleichzeitig idealisieren, um es vor der Zerstörung durch die Aggression zu bewahren.
Das ICH wirkt als Pufferzone, um Energien zu neutralisieren.
Links: Bei einer integrierten Psyche vermittelt das ICH zwischen ES und ÜBER-ICH. Rechts: Bei der Borderline-Spaltung ist das ICH fragmentiert - die Triebkräfte des ES schiessen ungebremst durch.
Der Borderliner sieht sein Gegenüber als Angreifer, wenn er ihn abwertet. Er nimmt ihn nur in Teilaspekten wahr, nicht als ganzheitlichen Menschen. Er weiss in dem Moment nicht, dass dieser Mensch auch gut sein kann.
Um sich zu schützen, wendet er die projektive Identifizierung an:
Er introjiziert (verinnerlicht) das gehasste und gefürchtete Objekt
Der Borderliner projiziert “seine” Schuld auf den anderen
Um dies tun zu können, muss er sich mit dem anderen identifizieren (projektive Identifizierung)
Er wird somit der andere
Erst jetzt kann er “seine” schlechten Anteile beim anderen bekämpfen
Bekämpfen heisst bei ihm: vernichten
Er vernichtet somit “seine” schlechten Anteile in sich
Doch er vernichtet damit den anderen, weil er nicht mehr “er” ist, sondern der andere
Einfach ausgedrückt: Er vernichtet Anteile, die er dem anderen zuschreibt, aber die nur bei ihm vorhanden sind. Da dies nicht funktioniert (der andere hat die Anteile ja nicht, sie sind nur imaginär), wird der andere vernichtet.