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Schlafmittel

Schlafmittel werden zur Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien) eingesetzt. Ein- und Durchschlafstörungen gehören zu den häufigsten Störungsbildern überhaupt - bis zu 10% der Bevölkerung leiden an behandlungsbedürftigen chronischen Insomnien.


Die sogenannten Z-Substanzen wurden als Alternative zu Benzodiazepinen entwickelt:

  • Zopiclon (z.B. Ximovan, Imovane)
  • Zolpidem (z.B. Stilnox, Ambien)
  • Zaleplon (z.B. Sonata)

Sie wirken ähnlich wie Benzodiazepine über den GABA-Rezeptor, haben aber ein etwas günstigeres Nebenwirkungsprofil.

Ältere Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine:

  • Flurazepam
  • Nitrazepam
  • Temazepam
  • Sedierende Antidepressiva: Mirtazapin, Trazodon, Doxepin (niedrig dosiert)
  • Niedrig dosierte Antipsychotika: Quetiapin
  • Antihistaminika: Diphenhydramin, Doxylamin (rezeptfrei, aber mit Nebenwirkungen)
  • Melatonin: Körpereigenes Schlafhormon

Zopiclon ist ein Cyclopyrrolon-Derivat, das chemisch keine Ähnlichkeit zu den Benzodiazepinen aufweist. Wie Benzodiazepine verstärkt es jedoch die GABA-vermittelte neuronale Hemmung durch Bindung an zentralnervöse GABA-Rezeptoren.

  • Hypnotische (schlaffördernde) Wirkung vergleichbar mit Benzodiazepin-Schlafmitteln
  • Halbwertszeit von etwa 5 Stunden führt zu Wirksamkeit auch bei Durchschlafstörungen
  • Keine nennenswerten Überhangeffekte am nächsten Tag
  • Bei älteren Patienten keine nennenswerte Verlängerung der Halbwertszeit (im Gegensatz zu vielen Benzodiazepinen)

Studien zeigen, dass Zopiclon in therapeutischen Dosen:

  • Ein geringeres Abhängigkeitsrisiko aufweist
  • Weniger Absetzreaktionen (z.B. Rebound-Insomnie) verursacht
  • Weniger muskelentspannende und atemdepressive Wirkungen hat
  • Weniger unerwünschte Wirkungen auf kognitive Funktionen zeigt

In einer grossen Anwendungsbeobachtung mit 2416 Patienten in 811 Hausarztpraxen zeigte sich:

  • Zopiclon war bei allen Formen von Schlafstörungen gut wirksam
  • Die subjektive Gesamtschlafdauer verlängerte sich im Mittel um zwei Stunden
  • Am meisten profitierten Patienten ohne körperliche Belastungsfaktoren oder somatische Begleiterkrankungen
  • Befindlichkeit und Vigilanz am Tag waren nur in seltenen Fällen beeinträchtigt
  • Unerwünschte Arzneimittelwirkungen traten nur vereinzelt auf

Häufig (ca. 4% der Patienten):

  • Bitterer, “metallischer” Geschmack im Mund

Gelegentlich:

  • Mundtrockenheit
  • Benommenheit
  • Magen-Darm-Beschwerden

Selten:

  • Gedächtnisstörungen
  • Verwirrtheit
  • Paradoxe Reaktionen (Unruhe, Schlaflosigkeit)

Zopiclon sollte nicht eingenommen werden bei:

  • Schwerer Ateminsuffizienz
  • Schwerer Leberinsuffizienz
  • Myasthenia gravis
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • Bekannter Überempfindlichkeit
  • Alkohol verstärkt die Wirkung - kein Alkohol während der Einnahme
  • Andere zentralnervös dämpfende Substanzen (Beruhigungsmittel, Opioide) verstärken die Wirkung
  • Bestimmte Medikamente können den Abbau von Zopiclon hemmen oder beschleunigen

Menschen mit Borderline-Störung leiden häufig unter Schlafstörungen:

  • Einschlafprobleme durch Grübeln und Anspannung
  • Durchschlafstörungen
  • Alpträume (besonders bei traumatischen Erlebnissen)

Schlafstörungen sind ein häufiges Symptom der Depression. Hier werden oft sedierende Antidepressiva eingesetzt, die sowohl die Depression als auch die Schlafstörung behandeln.


Bevor Schlafmittel eingesetzt werden, sollten nicht-medikamentöse Massnahmen versucht werden:

  • Kühles, dunkles, ruhiges Schlafzimmer
  • Bequeme Matratze und Kissen
  • Keine elektronischen Geräte im Schlafzimmer
  • Regelmässige Schlaf- und Aufstehzeiten
  • Kein langer Mittagsschlaf
  • Bett nur zum Schlafen nutzen (nicht fernsehen, arbeiten)
  • Kein Koffein ab dem Nachmittag
  • Kein Alkohol als “Schlummertrunk”
  • Keine schweren Mahlzeiten am späten Abend
  • Entspannungsrituale (lesen, warmes Bad)
  • Kein Sport direkt vor dem Schlafengehen
  • Gedanken aufschreiben
  • Entspannungsübungen
  • Achtsamkeitsübungen

Quetiapin ist ein atypisches Antipsychotikum, das in niedriger Dosierung häufig als Schlafmittel eingesetzt wird.

  • Kein Abhängigkeitspotenzial
  • Auch bei Langzeitanwendung möglich
  • Zusätzlich stimmungsstabilisierende Wirkung
  • Mögliche Gewichtszunahme
  • Metabolische Nebenwirkungen bei höheren Dosen
  • Müdigkeit kann am nächsten Tag anhalten