Benzodiazepine
Benzodiazepine sind eine Gruppe von Medikamenten, die zur Behandlung von Angst-, Erregungs- und Spannungszuständen eingesetzt werden. Sie wirken beruhigend, angstlösend, muskelentspannend und krampflösend.
Diazepam (Valium)
Abschnitt betitelt „Diazepam (Valium)“Wie wirkt Diazepam?
Abschnitt betitelt „Wie wirkt Diazepam?“Diazepam gehört zur Gruppe der Schlaf- und Beruhigungsmittel und wird ausserdem zur Behandlung von Krampfanfällen eingesetzt. Diazepam verstärkt die Wirkung eines Überträgerstoffs (Gamma-Amino-Buttersäure, GABA) im Gehirn, der die Gehirnaktivität dämpft.
Dadurch wirkt das Medikament:
- Angstlösend
- Beruhigend
- Krampflösend
- Muskelentspannend
Es kann so auch bei starken Krämpfen wie epileptischen Anfällen oder Fieberkrämpfen angewendet werden.
Anwendungsgebiete
Abschnitt betitelt „Anwendungsgebiete“- Angst-, Erregungs- und Spannungszustände
- Zur Beruhigung und Angstlösung vor Operationen oder Untersuchungen
- Zustände mit erhöhter Muskelspannung (z.B. starke Krämpfe)
Warnhinweise
Abschnitt betitelt „Warnhinweise“Gegenanzeigen - Wann ist Diazepam nicht geeignet?
Abschnitt betitelt „Gegenanzeigen - Wann ist Diazepam nicht geeignet?“- Akute Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukomanfall)
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Benzodiazepine
- Erkrankung der Nerven mit Bewegungsstörungen (Ataxie)
- Krankhafte Muskelschwäche (Myasthenia gravis)
- Medikamenten-, Drogen- und Alkoholabhängigkeit
- Schwere Leberfunktionsstörungen
- Eingeschränkte Atemfunktion (Vorsicht geboten)
Schwangerschaft und Stillzeit
Abschnitt betitelt „Schwangerschaft und Stillzeit“- Während der Schwangerschaft sollte das Medikament möglichst nicht angewendet werden, es sei denn, der Arzt hält dies für unbedingt erforderlich
- Während der Stillzeit darf das Medikament nicht angewendet werden
Nebenwirkungen
Abschnitt betitelt „Nebenwirkungen“Aufgelistet sind die wichtigsten, bekannten Nebenwirkungen. Sie können auftreten, müssen aber nicht, da jeder Mensch unterschiedlich auf Medikamente anspricht.
- Kopfschmerzen
- Magen-Darm-Beschwerden
- Sehstörungen
- Verwirrtheitszustände
- Überempfindlichkeitsreaktion
- Schläfrigkeit
- Gefühlsstarre
- Unruhe, Schlafstörungen, Angst (vor allem bei Kindern und älteren Personen)
- Verminderte Atmung
- Benommenheit
Wechselwirkungen
Abschnitt betitelt „Wechselwirkungen“- Die Wirkung von anderen beruhigenden und Müdigkeit erzeugenden Medikamenten sowie von Alkohol wird verstärkt
- Diazepam verstärkt die Wirkung von Schmerzmitteln und muskelentspannenden Medikamenten
- Die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln, Betablockern und gerinnungshemmenden Medikamenten kann in nicht vorhersehbarer Weise beeinflusst werden
- Die Wirkung von Diazepam wird durch bestimmte magensäurehemmende Mittel (Cimetidin) verstärkt
Lorazepam (Tavor)
Abschnitt betitelt „Lorazepam (Tavor)“Wie wirkt Lorazepam?
Abschnitt betitelt „Wie wirkt Lorazepam?“Lorazepam wirkt, abhängig von der eingenommenen Wirkstoffmenge:
- Beruhigend
- Angstlösend
- Muskelentspannend
- Krampflösend
Dosierung (Richtwerte)
Abschnitt betitelt „Dosierung (Richtwerte)“Die genaue Dosierung wird vom betreuenden Arzt entsprechend dem individuellen Krankheitsbild festgelegt.
| Anwendung | Dosierung |
|---|---|
| Angstzustände und psychovegetative Störungen | 1-3 mg pro Tag in 2-3 Einzeldosen (Hauptdosis abends) |
| Schlafstörungen | 1 mg vor dem Schlafengehen |
| Epileptischer Anfall | 4 mg langsam intravenös (ärztliche Verabreichung) |
Anwendungshinweise
Abschnitt betitelt „Anwendungshinweise“Lorazepam darf nur ausschleichend abgesetzt werden, nicht plötzlich!
Bei plötzlichem Absetzen können Entzugserscheinungen auftreten:
- Schwäche und Schwindel
- Wahrnehmungsstörungen
- Angst und Schlaflosigkeit
- Unruhe, Zittern und Krämpfe
Aufgrund der beruhigenden Wirkung kann es auch am Tag nach der Einnahme zu länger anhaltender Müdigkeit und herabgesetzter Fahrtüchtigkeit kommen.
Gegenanzeigen
Abschnitt betitelt „Gegenanzeigen“Lorazepam darf nicht eingenommen werden bei:
- Medikamenten-, Drogen- und Alkoholabhängigkeit
- Bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Muskelschwäche (Myasthenia gravis)
Mit Vorsicht anwenden bei:
- Suchtkrankheiten
- Engwinkelglaukom (Grüner Star)
- Chronischer Bronchitis und Asthma
Nebenwirkungen
Abschnitt betitelt „Nebenwirkungen“- Verwirrtheitszustände
- Paradoxe Reaktionen mit Erregungszuständen
- Muskelschwäche und Gleichgewichtsstörungen
- Selten: Atemlähmung und Verlangsamung des Herzschlags
- Bei längerer Einnahme: Körperliche und seelische Abhängigkeit
Wechselwirkungen
Abschnitt betitelt „Wechselwirkungen“- Lorazepam verstärkt die Wirkung von anderen beruhigenden Medikamenten sowie von Alkohol
- Bei gleichzeitiger Einnahme von Mitteln, die ein bestimmtes Abbausystem in der Leber hemmen (z.B. Cimetidin, Östrogene, Isoniazid), kann die Wirkdauer von Lorazepam verlängert sein
Schwangerschaft und Stillzeit
Abschnitt betitelt „Schwangerschaft und Stillzeit“- Während der Schwangerschaft sollten Medikamente mit Lorazepam nicht eingenommen werden
- Bei Einnahme vor oder während der Geburt sind Nachwirkungen beim Säugling möglich (Schläfrigkeit, Trinkschwäche)
- Der Wirkstoff geht in die Muttermilch über - während der Stillzeit nicht einnehmen
Kinder und Jugendliche
Abschnitt betitelt „Kinder und Jugendliche“Medikamente mit Lorazepam sollten Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nur nach sehr strenger Nutzen-Risiko-Abwägung gegeben werden.
Medikamente mit Lorazepam
Abschnitt betitelt „Medikamente mit Lorazepam“Alle diese Medikamente sind rezeptpflichtig:
- Tavor 0,5 / 1,0 / 2,5 Tabletten
- Tavor Expidet (Plättchen zum Auflösen unter der Zunge)
- Lorazepam-ratiopharm 1mg / 2,5mg
- Lorazepam-neuraxpharm 1 / 2,5
- Weitere Generika verschiedener Hersteller
Benzodiazepine bei Borderline-Störung
Abschnitt betitelt „Benzodiazepine bei Borderline-Störung“Wenn überhaupt, werden Benzodiazepine bei Borderline nur:
- In akuten Krisensituationen
- Für sehr kurze Zeit
- Unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle
eingesetzt.
Alternativen zu Benzodiazepinen
Abschnitt betitelt „Alternativen zu Benzodiazepinen“Bei Angst und Spannungszuständen gibt es Alternativen mit geringerem Abhängigkeitspotenzial:
- Antidepressiva (SSRI): Wirken angstlösend ohne Abhängigkeitsrisiko
- Buspiron: Angstlöser ohne Abhängigkeitspotenzial
- Niedrig dosierte Antipsychotika: In bestimmten Situationen
- Nicht-medikamentöse Ansätze: Entspannungstechniken, Skills (DBT), Psychotherapie