Zum Inhalt springen

Selbstfragen zur dependenten Störung

Nun wird doch der eine oder andere durch das vorhergehende Kapitel vielleicht nachdenklich geworden sein und sich fragen, ob er oder der Partner vielleicht der dependenten Störung unterliegt. Vieles mögen Sie erkannt haben und Sie sind möglicherweise verunsichert.

Eine Diagnose kann hier schwerlich geliefert werden. Es können Ihnen aber Anhaltspunkte geliefert und der Weg gezeigt werden.

Die meisten Antworten, die Sie suchen, können Sie sich selbst geben, vorausgesetzt, Sie stellen die richtigen Fragen.

Beachten Sie Folgendes: Wenn Sie aus einer Borderline-Beziehung kommen oder in einer solchen sind, befanden bzw. befinden Sie sich sowieso in einem Abhängigkeitsverhältnis. Das heisst, Sie haben dependente Strukturen entwickelt oder bestehende werden drastisch verstärkt.

  • Lassen Sie sich Zeit und vervollständigen Sie Ihre Antworten immer wieder
  • Benutzen Sie am besten Stift und Papier, Sie haben sonst nur Kopfsalat
  • Sie werden am Ende ein Bild haben, da die Fragen nur im Zusammenhang gesehen werden können
  • Konzentrieren Sie sich bei der Beantwortung auf sich selbst und Ihre Gefühle, nicht auf den Verstand und Logik
  • Sie können auch einen Menschen, der Sie sehr gut kennt und dem Sie vertrauen, hinzuziehen

  1. Warum wollen Sie diese Fragen beantworten?

  2. Trinken Sie gerade Alkohol, während Sie diese Seite lesen? Wenn ja, warum? (Trennung?)

  3. Wie oft haben Sie in letzter Zeit zu “Mitteln” gegriffen, um sich zu beruhigen, zu vergessen?

  4. Wie würden Sie Ihr jetziges Verhältnis zur Arbeit und/oder Sport beschreiben?

  5. Neigen Sie dazu, in diesen Dingen die Grenzen zu verlieren?

  1. Wie sah Ihre letzte/letzten Beziehung(en) aus? (Beschreiben Sie diese)

  2. Wie viel haben Sie in diese investiert?

  3. Stand das, was Sie innerhalb der Beziehung(en) taten, immer im Einklang mit Ihrem Gewissen?

  4. Wie viel Verantwortung übernehmen Sie innerhalb der Beziehung(en)?

  5. Wie hoch ist Ihr Selbstwertgefühl innerhalb der Beziehung(en)?

  6. War/Ist Ihr Partner Mittelpunkt Ihres Lebens?

  1. Haben Sie Angst vor Trennungen?

  2. Empfinden Sie starke Schuldgefühle in oder nach Trennungen? (D.h., kreisen Ihre Gedanken ständig um: “Hätte ich doch nur mehr…”?)

  3. Wie wird oder wurde in Ihren Beziehungen geteilt? (Damit ist nicht nur Materielles gemeint)

  1. Beschreiben Sie die Persönlichkeitsstruktur Ihres/Ihrer Partner!

  2. Würden Sie ihn als “Problemfall” ansehen?

  3. Haben Sie die Hoffnung, durch Ihre Liebe kann er seine Probleme bewältigen?

  4. Haben Sie am Anfang der Beziehung(en) versucht, Ihren Partner “gefügig” zu machen?

  5. Waren Sie schnell oder langsam zu erobern?

  1. Wie eifersüchtig sind Sie?

  2. Wann werden Sie es?

  3. Welche Gefühle tauchen dann auf?

  4. Würden Sie sich eine übermässige Angst eingestehen, verlassen zu werden?

  5. Werden Sie ängstlich nervös, wenn Ihr Partner sich nicht wie vereinbart meldet oder sich ein/zwei Tage nicht meldet? (Beschreiben Sie die Gedanken, die dann in Ihnen vorgehen.)

  6. Versuchen Sie Ihren Partner in Bezug auf Treue zu kontrollieren?

  1. Hassen Sie “Abschiede”? (Nicht im Sinne “wer mag schon Abschiede”, sondern bereiten Ihnen Abschiede echte emotionale Probleme?)

  2. Wie oft haben/hatten Sie Trennungsgedanken und haben es dann nicht getan, weil…?

  3. Sind Sie des öfteren zu Ihrem Partner zurückgekehrt oder haben Sie verzweifelt versucht, dass dieser zurückkehrt?

  4. Würden Sie Ihre Liebe zum Partner als altruistisch bezeichnen?

  5. Glauben Sie, über mehr Leistung/Liebe den Partner und somit die Beziehung bessern, eine Trennung verhindern, zu können?

  6. Würden Sie sich als Workaholic bezeichnen?

  7. Erlagen Sie einmal einer Sucht und leben jetzt abstinent?


  1. Sind Sie ein Einzelkind?

  2. Wenn ja, haben Sie die Trennung der Eltern bewusst miterlebt?

  3. Wie würden Sie Ihre Kindheit/Jugend und Ihre Familie beschreiben?

  4. Wie waren die Erziehungsmethoden der Eltern?

  5. Wie würden Sie das Verhältnis Ihrer Eltern untereinander beschreiben?

  6. Wer hatte die “Hosen” an?

  7. War Alkohol oder der Missbrauch anderer Substanzen ein Thema?

  8. Gab es Gewalt?

  9. War ein Elternteil ständig ängstlich, nervös, depressiv?

  10. Wie würden Sie das Verhältnis zu Ihren Eltern beschreiben?

  11. Wessen Liebe oder Anerkennung haben Sie gesucht?

  12. Welche Bezugspersonen gab es ausser den Eltern?

  13. Wie war Ihr Verhältnis zu diesen?

  14. Sind Sie früher als üblich “erwachsen” geworden?

  15. Mussten Sie früher als üblich Verantwortung übernehmen?

  16. Wie würden Sie Ihre Selbstständigkeit in der Kindheit/Jugend beschreiben?

  17. Welche Träume hatten Sie als Kind?

  18. Wie verlief Ihre Pubertät?

  19. Gab es Abschiede in Ihrer Kindheit, die Sie besonders beschäftigt haben?

  20. Gab es Ereignisse in Ihrer Kindheit, die Sie als “traumatisch” bezeichnen würden?


  1. Haben sich Ihre Beziehungen immer wieder nach dem gleichen Muster entwickelt?

  2. Sehen Sie Parallelen zwischen Ihren Beziehungen und Ihrer Kindheit/Jugend?

  3. Was würden Sie ändern, wenn Sie könnten?


Wenn Sie bei vielen dieser Fragen Muster erkennen, die auf:

  • Starke Verlustängste
  • Übermässige Anpassung an den Partner
  • Schwierigkeiten, “Nein” zu sagen
  • Den Glauben “mehr Liebe = bessere Beziehung”
  • Wiederholte Beziehungen mit “Problemfällen”

hindeuten, könnte es sinnvoll sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.