Dependente Störung und Komorbidität
Die dependente Störung und ihre Komorbidität
Abschnitt betitelt „Die dependente Störung und ihre Komorbidität“Wie bereits in anderen Kapiteln gesagt, lehne ich den Begriff der Komorbidität innerhalb der Persönlichkeitsstörungen ab. Es bleibt uns allerdings nichts weiter übrig, als weiterhin dieses Wort zu verwenden.
Überschneidungen mit anderen Persönlichkeitsstörungen
Abschnitt betitelt „Überschneidungen mit anderen Persönlichkeitsstörungen“Die untere Darstellung soll eine häufig vorkommende Konstellation von eingreifenden Symptomen aus der ängstlich (vermeidenden) PS F60.6 und der zwanghaften PS F60.5 darstellen. Der Ausprägungsgrad der jeweils eingreifenden Symptome ist, wie bei der Borderline-Störung, natürlich unterschiedlich.
Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung (F60.5)
Abschnitt betitelt „Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung (F60.5)“Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch:
- Gefühle von Zweifel
- Perfektionismus
- Übertriebene Gewissenhaftigkeit
- Ständige Kontrollen
- Halsstarrigkeit
- Vorsicht und Rigidität
- Beharrliche und unerwünschte Impulse (die nicht die Schwere einer Zwangsstörung erreichen)
Symptome, die oft in der dependenten Störung wiederzufinden sind
Abschnitt betitelt „Symptome, die oft in der dependenten Störung wiederzufinden sind“- Ständiges Beschäftigen mit Details, Regeln, Listen, Ordnung, Organisation
- Perfektionismus, der die Fertigstellung von Aufgaben behindert
- Übermässige Gewissenhaftigkeit
- Unverhältnismässige Leistungsbezogenheit unter Vernachlässigung bis hin zum Verzicht eigener Bedürfnisse, Vergnügen und/oder zwischenmenschlicher Beziehungen
- Übertriebene Pedanterie und Befolgung sozialer Konventionen
Die ängstliche Persönlichkeitsstörung (F60.6)
Abschnitt betitelt „Die ängstliche Persönlichkeitsstörung (F60.6)“Bei der ängstlichen Persönlichkeitsstörung handelt es sich um eine Störung, die durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist:
- Gefühle von Anspannung und Besorgtheit
- Unsicherheit und Minderwertigkeit
- Andauernde Sehnsucht nach Zuneigung und akzeptiert werden
- Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisungen und Kritik
- Eingeschränkte Beziehungsfähigkeit
- Überbetonung potentieller Gefahren oder Risiken alltäglicher Situationen bis hin zur Vermeidung bestimmter Aktivitäten
Symptome, die oft in der dependenten Störung wiederzufinden sind
Abschnitt betitelt „Symptome, die oft in der dependenten Störung wiederzufinden sind“- Überzeugt, unattraktiv oder minderwertig im Vergleich mit anderen zu sein
- Übertriebene Sorge, in sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt zu werden
- Vermeidung sozialer Aktivitäten, die intensiven zwischenmenschlichen Kontakt bedingen, aus Furcht vor Kritik oder Ablehnung
Verschiebung der Symptome
Abschnitt betitelt „Verschiebung der Symptome“So kann in der dependenten Störung durchaus eine emotionale Instabilität vorhanden sein. Die dependente Störung geht in der Regel mit einer Störung des Selbstbildes einher, egal welche Symptome anderer PS mit vorhanden sind.
Die Steuerung des Selbstbildes ist allerdings eine ganz andere als beispielsweise bei der Borderline-Störung.
Das Problem der Mehrfachdiagnosen
Abschnitt betitelt „Das Problem der Mehrfachdiagnosen“Wie Sie sehen, können sich die einzelnen Symptome, hier der ängstlichen und der zwanghaften PS, innerhalb der dependenten Störung mehr oder weniger verschieben. Dennoch bleibt es eine dependente Persönlichkeit.
Zählt man nur die Items der einzelnen PS zusammen - wovor eindrücklich gewarnt wird, es doch immer wieder gemacht wird - ist es somit kein Wunder, dass ein Betroffener 3, 4, 5 oder sogar mehr Diagnosen bekommt.
Aber eigentlich gibt es dafür die kombinierte Persönlichkeitsstörung F61. Erstaunlich ist nur, dass kaum jemand mit F61 anzutreffen ist.
Empfohlene Diagnosestellung
Abschnitt betitelt „Empfohlene Diagnosestellung“Insofern sollte, wie in der obigen Darstellung, die Diagnose lauten:
Kerndiagnose:
- Dependente Störung F60.7
Nebendiagnose:
- a) Stark ausgeprägt Strukturen der zwanghaften PS, F60.5
- b) Weniger stark ausgeprägt Strukturen der ängstlichen PS, F60.6
Kritik am aktuellen System
Abschnitt betitelt „Kritik am aktuellen System“Auf keinem anderen Gebiet der Wissenschaft wird ein solches Ineinanderwürfeln von Items mit dann versuchter Abgrenzung und Trennung (komorbid mit…) gemacht, wie in dem Bereich der Persönlichkeitsstörungen.
Ein Vergleich
Abschnitt betitelt „Ein Vergleich“Dazu ein Beispiel: Wir gehen her und bezeichnen eine bestimmte Gruppe von Affen als “Menschenaffen”. Na super, und was ist das nun? Ein Affe? Ein Mensch? Beides? Mehr Affe als Mensch? Mehr Mensch als Affe?
Dann sollten wir auch hergehen und uns als “Affenmenschen” bezeichnen.
Zusammenfassung
Abschnitt betitelt „Zusammenfassung“Die dependente Störung zeigt häufig Überschneidungen mit:
- Der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung
- Der zwanghaften Persönlichkeitsstörung
- Depressiven Episoden
- Angststörungen
Diese Überschneidungen sollten nicht zu einer Inflation von Diagnosen führen, sondern als Spektrum innerhalb der dependenten Grundstörung verstanden werden.