Beziehung Narzisst und Dependent
Die narzisstisch-dependente Beziehung
Abschnitt betitelt „Die narzisstisch-dependente Beziehung“Erst durch sie wird sein Leben ein Leben, dennoch bleibt sie gefangen.
Unterschied zur Borderline-Beziehung
Abschnitt betitelt „Unterschied zur Borderline-Beziehung“Betrachten wir uns nun die Beziehung zwischen einer dependenten Persönlichkeit und einer narzisstischen Persönlichkeit. Fast wäre man geneigt zu sagen, im Grossen und Ganzen unterscheidet sich diese Beziehung nicht von der vorhergehenden (Borderline-Beziehung). Zumal ja die Borderline-Störung die narzisstische Störung beinhaltet.
Lassen Sie uns genau hinsehen.
Wir haben hier nicht:
- Das chaotische Spiel zwischen Nähe und Distanz, Symbiose und Abstossung, Idealisierung und Abwertung
- Die Kurzfristigkeit der Beziehung
- Die sofortige Bedürfnisbefriedigung
Die sofortigen Triebefriedigungen der narzisstischen Persönlichkeit sind nicht so aggressionsbesetzt.
Die Kontrolle des Narzissten
Abschnitt betitelt „Die Kontrolle des Narzissten“Auch okkupiert die narzisstische Persönlichkeit nicht das “Regelsystem”, sondern greift gezielt, zu ihrem Vorteil und nur zu diesem, ein.
So bleibt der dependenten Persönlichkeit mehr Regelspielraum. Das heisst aber nicht, dass sie regeln darf, wie sie es für richtig hält. Alles nur schön unter Aufsicht und im Interesse der narzisstischen Persönlichkeit.
Weiterhin hat die narzisstische Persönlichkeit auch kein Interesse, es zu zerstören, da es ihm dienlich ist. Es wird höchstens von ihr, wenn notwendig, destabilisiert und danach wieder stabilisiert. Daraus folgt natürlich eine erhöhte Abhängigkeit der dependenten Persönlichkeit, was wiederum im Interesse der narzisstischen Persönlichkeit liegt.
Im Gegensatz zur Borderlinepersönlichkeit verhindert die narzisstische Persönlichkeit - und muss es auch, da sie sonst ihren Spiegel verliert - kontinuierlich eine Ablösung.
Der fundamentale Unterschied
Abschnitt betitelt „Der fundamentale Unterschied“Es geht somit nicht, wie bei der Borderlinepersönlichkeit, um die Vernichtung des Anderen. Sie erinnern sich, dass die Borderline-Störung die Projektion der eigenen schlechten Anteile im anderen bekämpft, und Bekämpfung heisst Vernichtung bei ihr.
Bei der narzisstischen Persönlichkeit geht es um Kontrolle und Erhaltung des Spiegels.
Das Prinzip der Kollusion
Abschnitt betitelt „Das Prinzip der Kollusion“Die narzisstisch-dependente Beziehung funktioniert, zumindest am Anfang, auf Basis der Kollusion. Kollusion funktioniert auf dem uneingestandenen, unbewussten Zusammenspiel (neurotischer) gleichartiger Beziehungskonflikte.
Das heisst nichts anderes als: Wenn jemand wie der Narzisst Angst hat, nicht geliebt zu werden, da er nicht “gross” genug ist, spricht er auf jemand Besonderes an, der ihm genau dieses Gefühl “gross” zu sein vermittelt.
Da sich der Narzisst nach dem Urzustand (die ersten 1,5 Jahre) mit ständiger Umsorgung und Bewunderung sehnt, ist ergo die dependente Persönlichkeit besonders geeignet.
Umgekehrt hebt die narzisstische Persönlichkeit, natürlich nur so weit wie nötig und wie sie es für sich braucht, das Selbstbild der dependenten Persönlichkeit an.
Der “ideale” Partner für den Narzissten
Abschnitt betitelt „Der “ideale” Partner für den Narzissten“Ideal wären für den Narzissten beide:
- Die dependente Persönlichkeit für die Umsorgung
- Die Borderlinepersönlichkeit zuständig für Bewunderung und Idealisierung
Die Kollusion vermittelt immer ein Gefühl von Unentbehrlichkeit voneinander und ermöglicht es gewissen Menschen, hier dem Narzissten, überhaupt erst, sich auf eine “Liebesbeziehung” einzulassen.
Der Anfang der Beziehung
Abschnitt betitelt „Der Anfang der Beziehung“Für einen Aussenstehenden scheint diese Beziehung auch nicht alterierend, d.h., dass sie sich zum Schlimmeren verändert. Im Gegenteil, für so manchen erscheint sie perfekt.
In der Regel lernen sich die Beiden durch die Macht der Illusion kennen. Entweder ist die dependente Persönlichkeit der Retter, die den Narzissten von seinen Problemen erlöst, oder sie glaubt sich am Ziel ihrer Wünsche und Träume.
Diese Phase dauert, im Gegensatz zur Borderline-Beziehung, länger und vergeht nicht abrupt. Auch ist sie nicht symbiotisch. Die Symbiose lehnt der Narzisst, wie wir wissen, ab.
Wie die dependente Persönlichkeit den Narzissten wahrnimmt
Abschnitt betitelt „Wie die dependente Persönlichkeit den Narzissten wahrnimmt“Der Unterschied ist auch, dass er nicht als Opfer aus der alten Beziehung kommt. Oft lernt die dependente Persönlichkeit den Narzissten kennen als:
- Den “selbstbewussten”, “selbstständigen”, “streifenden” Single
- Als selbstbewussten, traurigen Menschen, der nur aus Verantwortungsbewusstsein seinen Partner nicht verlässt
Im ersten Fall ist die dependente Persönlichkeit geradezu in den Himmel gehoben, dass der Narzisst sich ausgerechnet für sie interessiert. Im zweiten Fall macht ihn das nur um so sympathischer.
In beiden Fällen ist im Kopf der dependenten Persönlichkeit: “Er, der Narzisst, muss nur genügend geliebt werden, dann…”
Die Illusion der dependenten Persönlichkeit
Abschnitt betitelt „Die Illusion der dependenten Persönlichkeit“Dass die narzisstische Persönlichkeit in Wirklichkeit nicht intim und liebesfähig ist, weiss sie nicht. Und wenn sie es wissen würde, würde sie glauben, dass sie ihn mit ihrer Liebe schon fähig machen würde. Er müsste nur genug geliebt werden.
Auch weiss die dependente Persönlichkeit nicht, dass ein Narzisst keinerlei Verantwortungsbewusstsein hat. Aber auch wenn sie das alles wüsste, bliebe die Frage, ob sie einen Narzissten überhaupt als solchen erkennen würde.
Die Fassade des Narzissten
Abschnitt betitelt „Die Fassade des Narzissten“Höflich, galant, zuvorkommend, hilfsbereit, gepflegt, einfühlsam, verständnisvoll, liebenswürdig - endlich jemand, der einen versteht - die ganze Palette positiver Eigenschaften, so lernt die dependente Persönlichkeit den Narzissten kennen.
Überhaupt spricht die ganze Erscheinung, der Status und/oder der materielle Anschein, für einen erfolgreichen Menschen, der mit beiden Beinen im Leben steht.
“Dieser Mensch hat gar keine Angst, schon gar nicht vor Beziehungen, und kann mich somit mit meinen Ängsten auffangen”, denkt sich die dependente Persönlichkeit.
Der Habicht und das Mäuschen
Abschnitt betitelt „Der Habicht und das Mäuschen“Dass sie als Mäuschen dem Habicht gerade in die Fänge ging, begreift sie, wenn überhaupt, zu spät. Auch nicht, dass der Habicht Meister seines Faches ist.
Narzissten sind Jäger, keine Beute.
Blitzschnell hat er sein Opfer erspäht und als Klasse A identifiziert. Die Signale der dependenten Persönlichkeit sind eindeutig.
Wie Habichte nun einmal sind, hat der Narzisst auch blitzschnell seine Jagdstrategie zur Hand. Rums, und wehrlos von Gefühlen überwältigt, will das Mäuschen gar nicht fliehen. Im Gegenteil: “Das ist ein lieber Habicht, der frisst keine Mäuschen, er beschützt sie.”
Die Manipulation
Abschnitt betitelt „Die Manipulation“Der Narzisst weiss sehr schnell, wie er die dependente Persönlichkeit für sich nutzbar macht. Er weiss sicher nicht, dass er ein Narzisst ist und dort eine dependente Persönlichkeit. Er weiss aber, dass er ein Jäger ist und dort ein Mäuschen.
Bei der Nutzbarmachung hilft ihm vor allem die Offenheit und der Altruismus der dependenten Persönlichkeit.
Die Schalthebel
Abschnitt betitelt „Die Schalthebel“Sehr schnell findet er die für ihn massgeblichen Schalthebel der dependenten Persönlichkeit:
- Trennungsangst
- Angst vor Ablehnung
- Der “Traum, wie es sein könnte”
Damit steuert er, ganz subtil und fein abgestimmt, die ganze Beziehung.
Durch diese feine Abstimmung kann das Jahre funktionieren.
Die Realität der Beziehung
Abschnitt betitelt „Die Realität der Beziehung“Der Narzisst hält sich bei der dependenten Persönlichkeit die Bewunderung, die er braucht. Dafür muss er nichts leisten, die bekommt er von ihr umsonst und uneingeschränkt. Ok, sind wir ehrlich, nicht ganz umsonst - ab und zu, doch das ist nicht die Regel, ist es notwendig, ein wenig Schaum zu schlagen.
Das Mäuschen, unsere dependente Persönlichkeit, wird zwar vom Habicht, dem Narzissten, nicht gefressen, sitzt aber in einem goldenen Käfig.
Der goldene Käfig
Abschnitt betitelt „Der goldene Käfig“Auf der einen Seite kompensiert das die Wirtschaftlichkeitsängste der dependenten Persönlichkeit, auf der anderen Seite dient es dem Narzissten dazu, nach aussen hin zu repräsentieren und sich auch von dort die Bewunderung zu holen.
Natürlich holt sich die narzisstische Persönlichkeit auch auf anderer Basis, unter anderem in Form von Seitensprüngen und Affären, die Bewunderung, auf die er so angewiesen ist. Oft wird hier noch sogar das Geld der dependenten Persönlichkeit verwendet.
Der Versuch der Ablösung
Abschnitt betitelt „Der Versuch der Ablösung“Sollte sich die dependente Persönlichkeit aus dieser Beziehung lösen wollen, gelingt dies oft aus wirtschaftlichen Gründen nicht, da der Narzisst in einem solchen Fall knallhart die materielle Seite einsetzt, um die dependente Persönlichkeit am Gehen zu hindern.
Aber auch der Hebel “Traum, wie es sein könnte” - die anderen beiden Hebel sind in dieser Situation nicht mehr zu gebrauchen - wird dann ganz scharf, in Verbindung mit Appellen an das Schuldbewusstsein der dependenten Persönlichkeit, angezogen.
Zwischendurch werden Schuldgefühle in die dependente Persönlichkeit induziert - meist in Verbindung mit der Mutation des Narzissten zum hilfebedürftigen Kleinkind.
Gefahr der Gewalt
Abschnitt betitelt „Gefahr der Gewalt“Da die narzisstische Persönlichkeit, wie auch die Borderlinepersönlichkeit, emotional auf einer infantilen Entwicklungsstufe stehen, kann es in solchen Situationen, leider viel zu oft, zur Gewalt kommen.
Man kann nicht einfach sagen, der Narzisst verliert die Gewalt über sich. Dies würde es nicht treffen. Er fällt in solchen Situationen, durch die überstarke Aktivierung des Todestriebes, zurück auf diese kindlichen Stufen.
Das heisst aber nicht, dass sein Verstand aussetzt. Im Gegenteil. Das Zurückfallen bezeichnet hier das Reaktions-/Handlungsmuster.