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Imago – die innere Landkarte

Ein Imago ist ein inneres Bild, das wir unbewusst von wichtigen Menschen und Beziehungen in uns tragen. Dieses innere Bild prägt, wie wir Menschen wahrnehmen und wie wir auf sie reagieren.

Der Begriff kommt vom lateinischen Wort imago, was „Bild” oder „Urbild” bedeutet.

Stell dir dein Imago wie eine innere Landkarte vor:

  • Die echte Welt befindet sich „aussen”.
  • In dir liegt eine Landkarte aus früheren Erfahrungen.
  • Du schaust unbewusst durch diese Landkarte auf neue Situationen und Menschen.

Diese innere Karte gibt Orientierung, kann aber verzerrt sein, wenn alte, schwierige Erfahrungen noch sehr präsent sind.

Reale Situation → Wahrnehmung (Trigger) → Imago / innere Landkarte → Interpretation („Was bedeutet das für mich?”) → Gefühle (Angst, Scham, Wut) → Verhalten (Rückzug, Angriff, Klammern)

Ein Imago entsteht durch wiederholte Erfahrungen mit wichtigen Bezugspersonen, vor allem in der Kindheit:

  • Welche Erfahrungen waren häufig (Nähe, Distanz, Sicherheit, Ablehnung)?
  • Welche Gefühle wurden häufig erlebt (Vertrauen, Angst, Scham)?
  • Was wurde belohnt, was bestraft?

Daraus entwickelt sich ein inneres „Beziehungswissen”, das meist unbewusst bleibt, aber stark beeinflusst, wie wir auf andere reagieren.

Bei der Projektion übertragen wir eigene Gefühle oder innere Bilder (unser Imago) auf andere Personen. Das bedeutet, wir reagieren oft nicht nur auf den Menschen vor uns, sondern vor allem auf das, was wir unbewusst in ihn hineinprojizieren.

Jeder kennt vermutlich Situationen, in denen ein Satz, ein Blick oder eine kleine Verzögerung plötzlich starke Gefühle wie „früher” auslösen. Das liegt daran, dass deine innere Landkarte aktiviert wurde und nicht nur die reale Situation vor dir steht.

Warum spielt das Imago bei Borderline eine wichtige Rolle?

Abschnitt betitelt „Warum spielt das Imago bei Borderline eine wichtige Rolle?“

Menschen mit Borderline haben oft besonders starke Schwankungen in ihrer Wahrnehmung von sich und anderen.

Konkret bedeutet das:

  • Ihr inneres Bild ist unter Stress instabil und kippt leicht
  • Sie teilen Menschen und Situationen oft in extreme Kategorien ein („perfekt” oder „schrecklich”)
  • Kleine Situationen können starke Gefühle (Ängste, Wut, Scham) auslösen und zu extremen Reaktionen führen

Dieses Kippen des inneren Bildes erklärt viele typische Beziehungsschwierigkeiten bei Borderline – insbesondere den Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung.

Beispiel 1 – Späte Antwort: Eine Nachricht bleibt unbeantwortet. → Inneres Bild: „Ich werde ignoriert/verlassen.” → Angst steigt stark an. → Mögliche Reaktion: Kontrolle, Streit oder Rückzug.

Beispiel 2 – Kritik: Partner sagt: „Das hat mich verletzt.” → Inneres Bild: „Ich bin schlecht, ich werde abgelehnt.” → Intensive Gefühle (Angst, Scham). → Mögliche Reaktion: Wut, Abwertung oder emotionaler Rückzug.

  • Bewusst werden: Erkenne, dass dein inneres Bild gerade aktiv ist.
  • Realität prüfen: Was weiss ich sicher, was interpretiere ich nur?
  • Langsamer werden: Unter Druck wird dein inneres Bild extremer.
  • Therapie / Skills-Training: Ziel ist es, die inneren Bilder stabiler und realistischer werden zu lassen.


Quellenhinweis: Diese Inhalte basieren auf den Materialien der Borderlinezone (2002-2007) und wurden für dieses Informationsportal aufbereitet.