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Psychodynamisches Modell - Narzissmus

Bei der narzisstischen Persönlichkeit liegt das zentrale Problem in der Säule III des UEBER-ICH - dem Ideal-Selbst und den Grössenphantasien. Diese Säule ist pathologisch vergrössert und unrealistisch ausgeprägt.

Beim Narzissten oft unterentwickelt oder selektiv angewendet:

  • Das Gewissen greift nur dort, wo es dem Selbstbild dient
  • Moralische Standards gelten für andere, nicht für sich selbst

Innerhalb des UEBER-ICH findet zwischen Ideal-Selbst (Säule III) und ICH-Ideal / Ideal-Objekte (Säule II) ein ständiger Abgleich (VI) statt.

Kompensation

Verhuellung von Schwaechen durch Überbetonung von Staerken - die beliebteste Abwehr beim Narzissten

Isolierung

Abtrennung emotionaler Regungen - der Narzisst “fuehlt” nicht wirklich mit

Identifikation

Erhoehung des Selbstwerts durch Identifikation mit grossartigen Personen oder Institutionen

Introjektion

Einverleibung äusserer Werte, die das Grössenselbst stuetzen

Im Gegensatz zum Borderliner hat der Narzisst ein zusammenhaengendes ICH - aber es ist:

  • Auf die Aufrechterhaltung des Grössenselbst ausgerichtet
  • Staendig damit beschaeftigt, Bedrohungen des Selbstbildes abzuwehren
  • Abhängig von äusserer Bestaetigung (Spiegelung)
  1. Selbstbild - Massiv überwertig, grandiose Selbstwahrnehmung
  2. Selbstbewusstsein - Aeusserlich stark, innerlich fragil
  3. Selbstwertgefühl - Abhängig von äusserer Bewunderung
  4. Soziales Selbst - Praesentation einer perfekten Fassade

Die kleine ICH-Diskrepanz beim Narzissten ist keine gesunde Selbstakzeptanz, sondern ein Zeichen dafür, dass:

  • Das Ideal-Selbst unrealistisch gross ist
  • Die Selbstwahrnehmung verzerrt ist
  • Kritik und Feedback abgewehrt werden muessen

Eine häufige Frage: Ist der Narzisst nicht auch abhängig von anderen?

Narzisst

  • Braucht andere zur Spiegelung
  • Andere dienen der Selbstbestaetigung
  • Keine echte emotionale Bindung
  • Kann andere problemlos austauschen

Dependente Persönlichkeit

  • Braucht andere zur emotionalen Stabilitaet
  • Echte Bindung und Abhängigkeit
  • Tiefe Angst vor Verlassenwerden
  • Kann sich nicht lösen
SymbolBedeutung
AAbwehrmechanismen des ICH
B1Kraefte aus Säule I und II des UEBER-ICH auf das ICH
B2Kraefte aus Säule III des UEBER-ICH auf das ICH
CAbwehrenergien die das ICH für die Abwehrmechanismen heranzieht
A+CAbwehrhandlung
DStarre Verbindung mit Inversivgelenk (G) zum Selbst
E1, E2ES-Impulse, Triebenergien
GInversivgelenk (Inversiv = Umkehr)
SymbolBedeutung
SBSelbstbeobachtung, Introspektion - gestoert
SVergleich soziales Selbst mit Selbst
SESelbsterkenntnis - eingeschraenkt
SFÜbergang Fremdbild in das soziale Selbst
SSEinfluss soziales Selbst auf das Selbstwertgefühl - übermässig
ISICH-Diskrepanz - kuenstlich klein gehalten
VIVergleich - funktioniert nicht korrekt
SymbolBedeutung
VIVergleich Ideal-ICH / Ideal-Selbst versus ICH-Ideal / Ideal-Objekte
UUrprägungen, Urbeeinflussungen durch das Elternimago
B1Gesamtkraft aus Säule I und II auf das ICH - relativ schwach
B2Gesamtkraft aus Säule III auf das ICH - übermässig stark

Wenn das grandiose Selbstbild bedroht wird:

  1. Kritik oder Misserfolg treffen auf das fragile Selbst
  2. Narzisstische Wut entsteht als Abwehrreaktion
  3. Abwertung des Kritikers schützt das Selbstbild
  4. Oder: Depression wenn die Abwehr versagt