UEBER-ICH
Gewissen, Normen, Imagos - geprägt von den Eltern und der Umwelt. Teils bewusst, teils unbewusst.
Die nachfolgenden Erlaeuterungen dienen als unabdingbare Verständnisgrundlage der einzelnen psychodynamischen Störungsmodelle. Lesen Sie diese Seite zuerst, bevor Sie sich mit den spezifischen Störungsmodellen befassen.
UEBER-ICH
Gewissen, Normen, Imagos - geprägt von den Eltern und der Umwelt. Teils bewusst, teils unbewusst.
ICH
Die Persönlichkeit selbst. Teils bewusst, teils unbewusst.
ES
Die Triebe und Antriebe des Menschen. Vollstaendig unbewusst.
| Trieb | Funktion |
|---|---|
| Hunger | Nahrungsaufnahme |
| Durst | Fluessigkeitsaufnahme |
| Schlaf | Regeneration |
Die Antriebe sind jene Kraefte, die uns dazu treiben, etwas ganz Bestimmtes zu tun:
Selbsterhaltungstrieb
Der grundlegende Antrieb zum Überleben
Geschlechtstrieb
Fortpflanzung und Sexualitaet
Bruttrieb
Fürsorge für Nachkommen
Machttrieb
Streben nach Einfluss und Kontrolle
Herrschsucht
Dominanzstreben
Habgier
Besitzstreben
Das ICH hat drei Hauptaufgaben:
Stellen Sie sich das ICH als komplexe, zusammenhaengende Einheit vor - die Persönlichkeit. Dieses ICH entwickelt sich im Laufe der Jahre langsam und dazu muss es natuerlich eine Chance haben. Gegeben wird dies durch Mutter, Vater, Bezugspersonen und soziales Umfeld.
Stellen Sie sich (bei einem gesunden Menschen) bildhaft eine komplette, ganze Wasserwaage vor, die auch in der Waage ist:
Das ICH entwickelt sich in Stufen - vom ersten Innewerden des ICH bzw. des Subjektseins im 2. Lebensjahr bis hin zum ca. 12. Lebensjahr (Beginn der Adoleszenz). Es ist stark verbunden mit dem moralischen Urteil (Gewissen).
Das ICH-Bewusstsein beinhaltet:
Der Mensch entwickelt im Laufe der Zeit Abwehrmechanismen, die das ICH schützen. Sie sitzen zwischen ES und UEBER-ICH als Pufferzone.
1. Spaltung Fruehstadium der Abwehrmechanismen (Baby bis 4 Jahre). Kann nur in gut und boese aufspalten. Wird angewendet, solange kein vollständiges ICH zur Verfuegung steht.
2. Projektion Übertragung der Missbilligung eigener Unzulänglichkeiten oder unmoralischer Wünsche auf andere Personen. (Borderline-Störung, aber auch Partner, Narzisst)
3. Regression Rueckzug auf eine fruehere Entwicklungsstufe mit primitiven Reaktionen und niedrigem Anspruchsniveau. (Borderline-Störung und Narzisst)
4. Kompensation Verhuellung einer Schwaeche durch Überbetonung eines Charakterzuges. Frustration auf einem Gebiet wird durch übermässige Befriedigung auf einem anderen ausgeglichen. (sehr beliebt bei Narzissten)
5. Verleumdung Schutz vor der unangenehmen Wirklichkeit durch Weigerung, sie anzunehmen. (dependente Persönlichkeit, nicht stark ausgeprägt bei Borderline)
6. Verschiebung Entladung aufgestauter, feindseliger Gefühle auf Objekte, die weniger gefaehrlich sind als die urspruenglichen Ausloeser. (Borderline, auch Histrioniker)
7. Emotionale Isolierung Vermeidung traumatischer Erlebnisse durch Rueckzug in die Passivitaet. (Missbrauch, Trauma)
8. Phantasie Befriedigung frustrierter Wünsche durch imaginaere Erfuellung (z.B. Tagtraeume). (Ex-Partner einer Borderline-Beziehung, aber auch Borderliner selbst)
9. Identifikation Erhoehung des Selbstwertgefühls durch Identifikation mit einer anderen Person oder Institution. (Borderliner in Idealisierungsphasen, Narzisst)
10. Introjektion Einverleibung äusserer Werte in die ICH-Struktur, sodass die Person sie nicht mehr als Bedrohung von aussen erleben muss. (Borderline, Narzisst, dependente Persönlichkeit)
11. Isolierung Abtrennung emotionaler Regungen von angstbeladenen Situationen. Trennung unvertraeglicher Strebungen durch straffe gedankliche Zergliederung. (Narzisst)
12. Rationalisierung Versuch, sich einzureden, dass das eigene Verhalten verstandesmaessig begruendet ist. (dependente Störung)
13. Reaktionsbildung Vermeidung angstbeladener Situationen durch Überbetonung gegenteiliger Verhaltensweisen. (dependente und aengstlich vermeidende Persönlichkeit)
14. Verdraengung Verhindern des Eindringens unerwuenschter Impulse in das Bewusstsein.
15. Sublimierung Befriedigung nicht erfuellter Wünsche durch gesellschaftlich akzeptierte Ersatzhandlungen. (dependente Persönlichkeit)
16. Ungeschehen machen Sühneverlangen für unmoralische Wünsche und Handlungen. (Borderline in der Abwertung, Partner in der Trennung)
Eine Sonderform der ICH-Abwehr zur Entlastung von unertraeglichen Schuldgefühlen, die bestimmte schizophrene Symptome zur Folge haben kann:
Das ICH in Verbindung mit seinen Abwehrmechanismen beinhaltet die ICH-Staerke - der Grad, mit welchem das ICH die Triebe (ES) unter Kontrolle hat.
Die ICH-Staerke bezeichnet:
Dieser Komplex Selbst (Korrelat) wird abgeglichen mit der Säule III des UEBER-ICH: dem Ideal-ICH und Ideal-Selbst.
Die ICH-Diskrepanz ist die Differenz zwischen Selbst und Ideal-ICH/Ideal-Selbst:
Das Selbstbild (Selbstkonzept) beinhaltet die Kognitionen und Gefühle, die man sich selbst gegenüber hat. Es entsteht durch:
Das vermutete Fremdbild (“so sieht mich der andere”) ist ein konstituierender Teil des Fremdbildes. Im eigenen Fremdbild kommt ein sehr gefaehrlicher Teil hinzu: das vermutete fremde Selbstbild - wir glauben zu wissen, was der andere denkt und fuehlt.
Das Selbstwertgefühl ist eine Gestimmtheit des Selbst, mit dem der Mensch sich als Traeger eines Wertes erlebt. Seine Verneinung ist das Minderwertigkeitsgefühl.
Die Selbstsicherheit ist die Faehigkeit, in definierten mikrosozialen Konflikten ohne Angst mit adaequatem Verhalten zu reagieren. Sie wird auch als soziale Kompetenz bezeichnet.
Das Selbstvertrauen ist ein kraeftiges Eigenmachtgefühl (nicht Omnipotenz = Allmachtsgefühl), mit moeglichen Schwierigkeiten fertig zu werden. Bei naivem, übersteigerten Eigenmachtgefühl (Narzissmus) beruht das Selbstvertrauen auf einem Übersehen realer Hindernisse.
Die Selbstbeobachtung (Introspektion) bezeichnet die bewusst auf seelische Zustaende und Vorgaenge gerichtete Aufmerksamkeit. Sie ist mit der Selbsterkenntnis Grundlage einer Verhaltensaenderung.
Gefahren der Selbstbeobachtung:
Die Selbsterkenntnis bezeichnet die Hinwendung des Erkennens auf das eigene ICH - die Untersuchung des Selbst auf seine Eigenarten (eigenes Sein, Verhalten, Anlagen, Faehigkeiten, Einstellungen und Motivationen).
Das ES liegt im Unbewussten und beinhaltet die Triebe und Antriebe. Dies sind gewaltige Energien, die uns das tun lassen, was wir tun (wollen) oder sollten.
Lustprinzip
Das ES strebt nach der unmittelbaren und vollständigen Abfuhr seiner Triebenergien - sehr gut zu sehen bei der Borderline-Störung in ihrer sofortigen Triebbefriedigung.
Das UEBER-ICH besteht aus drei Säulen:
Das UEBER-ICH ist die hoechste der drei psychischen Instanzen, da es vom ICH unbedingte Erfuellung verlangt. Es besteht aus den verinnerlichten Normen und Werten und hat die Funktion eines Richters und Waechters übernommen:
Die internalisierten Objekte (verinnerlichte Elternbilder) sind massgeblich an der Entwicklung des UEBER-ICH beteiligt:
Diese Bloecke sind nicht mehr veraenderbar und werden als internalisiertes Objekt bezeichnet. Hier liegt die “Ursoftware” des Menschen.
Das UEBER-ICH entwickelt sich bereits keimhaft waehrend der:
ES: Lustprinzip
Strebt nach unmittelbarer und vollständiger Abfuhr der Triebenergien und grösstmöglichem Lustgewinn.
ICH: Realitaetsprinzip
Wandelt die aus dem ES stammenden Triebimpulse in ethische und soziale Forderungen ab. Bewahrt das Individuum vor Konflikten mit der Realitaet.
UEBER-ICH: Moralitaetsprinzip
Handelt nach Moral und sittlichen Gesetzesnormen (Gebote und Verbote). Verlangt unbedingte Erfuellung vom ICH.