Sublimierung
Befriedigung nicht erfuellter Wünsche durch gesellschaftlich akzeptierte Ersatzhandlungen - z.B. Arbeit
Betrachten wir das psychodynamische Modell der dependenten Persönlichkeit, dann sehen wir, dass das Mutter-Vater-Imago ein tragender Baustein im ICH-Ideal ist. Diese internalisierten Objekte gehen über in die Leitbilder und schlagen sich unter anderem im ödipalen UEBER-ICH (der tragende Baustein unter dem Gewissen) und in den Grössenphantasien (der tragende Baustein unter dem Ideal-ICH) nieder.
Zwischen Säulen I und II findet im Laufe der Entwicklung eine Kompensation statt, die sich dann in Gewissen und ICH-Ideal niedergeschlagen:
Im Falle der dependenten Persönlichkeit ist diese Verschränkung anders als bei Borderline oder Narzissmus - sie ist besonders stark ausgeprägt.
Die Folge davon ist, dass über die inversive Verbindung (D) das Selbstkorrelat nach unten rutscht, welches einem geringen Selbstwert-(Gefühl) / Selbstbewusstsein entspricht.
Das Selbstkorrelat enthält:
Zwei Dinge passieren nun:
Die ICH-Diskrepanz (IS) vergrössert sich - die Distanz zwischen Ideal-ICH/Ideal-Selbst und Selbst, welche das narzisstische Gleichgewicht ergibt
Über die Rueckkopplung entsteht der Wunsch nach Liebe (zwischenmenschliche, partnerschaftliche Beachtung/Wertigkeit), welches wiederum ES-Impulse hervorruft
Die dependente Persönlichkeit versucht nun, ihr Selbst anzuheben, indem sie:
Durch die Entstehung der ES-Impulse drückt das ES von unten (E2) gegen das ICH. Da es für die dependente Persönlichkeit zu viele nicht annehmbare ES-Impulse gibt (bedingt durch das überstarke Gewissen und die überstarken Leitbilder), drückt das ES auf dem Weg des geringsten Widerstandes gegen das ICH.
Bedingt durch die (nicht annehmbaren) ES-Impulse muss sich das ICH schützen und setzt somit mit seiner Energie (C) die Abwehrmechanismen (A) in Gang:
Sublimierung
Befriedigung nicht erfuellter Wünsche durch gesellschaftlich akzeptierte Ersatzhandlungen - z.B. Arbeit
Reaktionsbildung
Angstbeladene Situationen werden vermieden durch Überbetonung gegenteiliger Verhaltensweisen
Kompensation
Frustration auf einem Gebiet wird durch Befriedigung auf einem anderen ausgeglichen
Rationalisierung
Versuch, sich einzureden, dass das eigene Verhalten verstandesmaessig begruendet ist
Ein nicht annehmbarer Triebimpuls - der Wunsch nach koerperlicher Liebe - drückt als Energie (E1) des ES gegen das ICH. Da Inge nicht gelernt hat, Intimitaet zuzulassen und das Wissen darum, dass “ihr Selbst” aus der Waage geraet, entsteht Angst.
Die Angst auf der einen Seite und der Druck, den jetzt das ICH auf das Gewissen (Säule I) des UEBER-ICH ausuebt, veranlasst das ICH wiederum zur Abwehr mit Abwehrhandlungen (A+C).
In Inges Fall ist es die Sublimierung (die Arbeit), welches im reinen Gewissen zum UEBER-ICH steht und noch dazu das Selbst anhebt. Da der Mensch aber nicht immer ES-Impulse abwehren kann (und nach Freud auch gar nicht soll), werden nur die für Inge annehmbaren Teile des Triebimpulses durchgelassen.
Alternative Reaktionen:
Anhand der UEBER-ICH-Problematik der dependenten Persönlichkeit sehen Sie nun auch den Grund, warum die dependente Persönlichkeit dazu neigt, ihr Selbstwertgefühl zu verneinen:
Die UEBER-ICH-Problematik der dependenten Persönlichkeit ist auch der Grund ihrer Vulnerabilitaet (Anfälligkeit) für Depression:
Dependente Persönlichkeit
Narzisstische Persönlichkeit
Sie haben nun gesehen, wie der “Regelmechanismus” der Psyche in der dependenten Störung greift. Die Problematik kann nicht an einem “Teil” festgemacht werden - nicht am UEBER-ICH, ICH, ES oder Selbst, nicht einmal an den Abwehrmechanismen.
Es steht ausser Frage, ob Medikamente in diesem Fall heilen oder helfen können. Sie können allenfalls, z.B. im Fall der Depression, eine unterstuetzende Wirkung liefern.
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| VI | Vergleich Ideal-ICH / Ideal-Selbst versus ICH-Ideal / Ideal-Objekte |
| U | Urprägungen durch das Elternimago |
| B1 | Gesamtkraft aus Säule I und II auf das ICH - übermässig stark |
| B2 | Gesamtkraft aus Säule III auf das ICH - zu schwach |
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| A | Abwehrmechanismen des ICH |
| B1 | Kraefte aus Säule I und II - drücken überstark |
| B2 | Kraefte aus Säule III |
| C | Abwehrenergien (ICH-Triebe) |
| A+C | Abwehrhandlung (z.B. Sublimierung) |
| D | Starre Verbindung mit Inversivgelenk (G) zum Selbst |
| E1, E2 | ES-Impulse, Triebenergien |
| G | Inversivgelenk |
| SB | Selbstbeobachtung, Introspektion |
| S | Vergleich soziales Selbst mit Selbstbild |
| SE | Selbsterkenntnis |
| SF | Übergang Fremdbild in das soziale Selbst |
| SS | Anhebung des Selbstwertgefühls über das soziale Selbst |
| SR | Selbstregularien |
| IS | ICH-Diskrepanz, narzisstisches Gleichgewicht - vergrössert |
| VI | Vergleich - funktioniert nicht richtig |