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Psychodynamisches Modell - Borderline

Stellen Sie sich bitte das “ICH” als komplexe zusammenhaengende Einheit vor - die Persönlichkeit. Dieses ICH entwickelt sich im Laufe der Jahre langsam und dazu muss es natuerlich eine Chance haben. Gegeben wird dies durch Mutter, Vater, Bezugspersonen und soziales Umfeld.

Bekommt das ICH nicht die Chance, sich zu entwickeln, können nur Fragmente (Bruchstuecke) entstehen, die wiederum nicht zusammenhaengen und keine komplexe Einheit bilden.

Stellen Sie sich (bei einem gesunden Menschen) bildhaft eine komplette, ganze Wasserwaage vor, die auch in der Waage ist:

  • Das ICH wäre genau in der Waagerechten
  • Über das ICH definiert sich das Selbst
  • Ist das ICH in der Waage, ist auch das Selbst in der Waage
  • Kippt das ICH, kippt auch das Selbst

Das Selbst beinhaltet:

  1. Selbstbild - Wie sehe ich mich?
  2. Selbstbewusstsein - Wer bin ich?
  3. Selbstwertgefühl - Was bin ich mir und anderen wert?
  4. Soziales Selbst - Abgleich mit dem Fremdbild

Dieser Komplex Selbst wird abgeglichen mit einer Säule des UEBER-ICH: dem Ideal-ICH und Ideal-Selbst. Die Differenz nennt man ICH-Diskrepanz.

Das ES beinhaltet die Triebe und Antriebe des Menschen. Dies sind gewaltige Energien, die uns eigentlich das tun lassen, was wir tun (wollen) oder auch sollten.

Das UEBER-ICH besteht aus drei Säulen:

  • Reifes Gewissen
  • Oedipales Gewissen (geprägt durch Elternimago und Leitbilder)
  • Archaisches Gewissen

Innerhalb des UEBER-ICH findet zwischen Ideal-Selbst (Säule III) und ICH-Ideal / Ideal-Objekte (Säule II) ein ständiger Abgleich statt.

Nun ist es so, dass Impulse von unten gegen das ICH krachen (z.B. “ich will…”). Das ICH wäre dem schutzlos ausgeliefert, gaebe es da nicht das UEBER-ICH, welches eine unbedingte Erfuellung vom ICH fordert.

Die Natur, die Psyche, hat hier Schutzmechanismen (Abwehrmechanismen des ICH) eingebaut. Wenn Sie diese nicht haetten, würde es Sie zerfetzen, denn beide Waggons krachen ungebremst auf Sie.

Bei der Borderline-Störung:

  • Ist das ICH nicht als komplexe Einheit ausgebildet, sondern besteht aus Fragmenten
  • Diese Fragmente haengen nicht zusammen
  • Die Abwehrmechanismen sind primitiv (hauptsaechlich Spaltung statt Verdraengung)
  • Die Energien aus ES und UEBER-ICH prallen ungebremst aufeinander

Der Mensch entwickelt im Laufe der Zeit Abwehrmechanismen. Diese schützen das ICH. Sie sitzen zwischen ES von unten und UEBER-ICH von oben als Pufferzone. Gäbe es diese nicht, würde das ICH regelrecht zerfetzt durch die auftreffenden Energien.

Spaltung

Das primaere Abwehrmittel - die Welt wird in nur gut oder nur boese eingeteilt, ohne Graustufen.

Projektion

Eigene unannehmbare Anteile werden auf andere projiziert - der andere ist dann “boese”.

Dissoziation

Wenn die Energien zu stark werden: Abspaltung vom Erleben (“Das bin nicht ich”).

Regression

Rueckfall auf fruehere Entwicklungsstufen mit primitiven Reaktionen.

SymbolBedeutung
A1-3Abwehrmechanismen des ICH
B1Kraft/Energie aus Säule I und II des UEBER-ICH auf ICH
B2Kraft/Energie aus Säule II des UEBER-ICH auf ICH
B3Kraft/Energie aus Säule III des UEBER-ICH auf ICH
CAbwehrenergien die das ICH für die Abwehrmechanismen heranzieht (ICH-Triebe)
A+CAbwehrhandlung
DStarre Verbindung mit Inversivgelenk (G) zum Selbst
E1-4ES-Impulse, Triebenergien
GInversivgelenk (Inversiv = Umkehr)
SymbolBedeutung
SBSelbstbeobachtung, Introspektion
SVergleich soziales Selbst mit Selbst und umgekehrt
SESelbsterkenntnis
SFÜbergang Fremdbild in das soziale Selbst
SSEinfluss soziales Selbst auf das Selbstwertgefühl
ISICH-Diskrepanz, Selbstverwirklichung, narzisstisches Gleichgewicht
VIVergleich Ideal-ICH / Ideal-Selbst versus ICH-Ideal / Ideal-Objekte
SymbolBedeutung
VIVergleich Ideal-ICH / Ideal-Selbst versus ICH-Ideal / Ideal-Objekte
UUrprägungen, Urbeeinflussungen durch das Elternimago
B1Gesamtkraft aus Säule I und II auf ICH-Fragmente
B2Gesamtkraft aus Säule II auf ICH-Fragmente
B3Gesamtkraft aus Säule III auf ICH-Fragmente

In der Idealisierung

Aufgeblähtes Selbstbild - mit dem anderen verschmolzen, das Selbst scheint “hoch”

In der Abwertung

Vernichtendes Selbstbild - das Selbst ist “im Keller”, wertlos, zerstoert

Die ICH-Diskrepanz schwankt massiv zwischen diesen Extremen - es gibt keine stabilen Graustufen, keine nuancierte Selbstwahrnehmung.