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Psychodynamisches Modell - ADHS

Bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitaetsstörung) zeigt sich eine besondere Konstellation im psychodynamischen Modell. Die Störung hat sowohl neurologische als auch psychodynamische Komponenten, die sich gegenseitig beeinflussen.

Impulskontrolle

Die Faehigkeit des ICH, ES-Impulse zu kontrollieren, ist reduziert. Impulse werden schneller durchgelassen.

Abwehrmechanismen

Die Abwehrmechanismen (A) arbeiten weniger effektiv bei der Filterung von Impulsen.

Reizverarbeitung

Das ICH ist mit der Verarbeitung von Reizen oft überfordert.

Energiehaushalt

Die Abwehrenergien (C) sind ungleichmaessig verteilt.

Bei ADHS zeigt sich eine besondere Dynamik zwischen ES und ICH:

Das fuehrt zu den typischen ADHS-Symptomen:

  • Impulsivitaet - Handeln ohne vorherige Reflexion
  • Hyperaktivitaet - Übermaessiger Bewegungsdrang
  • Aufmerksamkeitsprobleme - Schwierigkeiten bei der Fokussierung

Das Gewissen ist grundsaetzlich normal entwickelt, aber:

  • Die Verbindung zum ICH ist verzoegert
  • Das Gewissen “greift” oft zu spaet
  • Schuldgefühle kommen nach impulsiven Handlungen
  1. Selbstbild - Oft negativ geprägt durch Misserfolge und Kritik
  2. Selbstbewusstsein - Kann geschwaechtigt sein durch wiederholte Ruegen
  3. Selbstwertgefühl - Haefig beeintraechtigt (“Ich bin faul/dumm/unfaehig”)
  4. Soziales Selbst - Kann durch negative Rueckmeldungen belastet sein

Menschen mit ADHS entwickeln oft spezifische Abwehrmuster:

Kompensation

Schwaechen in einem Bereich werden durch Staerken in anderen ausgeglichen (z.B. Kreativitaet, Spontaneitaet)

Vermeidung

Situationen, die Konzentration erfordern, werden gemieden

Rationalisierung

“So bin ich eben” - Rechtfertigung des Verhaltens

Regression

Rueckzug auf kindlichere Verhaltensweisen unter Stress

SymbolBedeutung
AAbwehrmechanismen des ICH - weniger effektiv
B1Kraefte aus Säule I und II auf das ICH
B2Kraefte aus Säule III auf das ICH
CAbwehrenergien - ungleichmaessig verteilt
A+CAbwehrhandlung - verzoegert oder insuffizient
DStarre Verbindung zum Selbst
E1, E2ES-Impulse - stark und schwer kontrollierbar
GInversivgelenk
SymbolBedeutung
SBSelbstbeobachtung - kann inkonsistent sein
SVergleich soziales Selbst mit Selbst
SESelbsterkenntnis
SFÜbergang Fremdbild in das soziale Selbst
SRSelbstregularien - beeintraechtigt
SSEinfluss soziales Selbst auf Selbstwertgefühl
ISICH-Diskrepanz - oft vergrössert
VIVergleich Ideal-ICH versus ICH-Ideal
SymbolBedeutung
VIVergleich Ideal-ICH / Ideal-Selbst versus ICH-Ideal
UUrprägungen durch das Elternimago
B1Gesamtkraft aus Säule I und II auf das ICH
B2Gesamtkraft aus Säule III auf das ICH

Menschen mit ADHS entwickeln häufig sekundaere psychische Probleme:

Depression

Durch wiederholte Misserfolge und negatives Feedback

Angststörungen

Durch die Erwartung, wieder zu versagen

Sucht

Als Versuch der Selbstmedikation

Persönlichkeitsstörungen

Als Entwicklungsfolge unbehandelter ADHS

Das Verständnis des psychodynamischen Modells hilft, die psychischen Folgen der ADHS zu verstehen und gezielt zu behandeln - auch wenn die Grundstörung biologischer Natur ist.