Prägung von Denken, Fühlen und Handeln
Vergangenheit bestimmt immer Gegenwart und Zukunft
Abschnitt betitelt „Vergangenheit bestimmt immer Gegenwart und Zukunft“Sie wissen nun bereits: Der Mensch besitzt zwei Seelen - die rationale und die emotionale (Verstand und Gefühl oder “Kopf und Bauch”). Da die Rationalität (das Grosshirn / der Neokortex) sich viel später entwickelt hat - entwicklungsbiologisch wie auch beim heranwachsenden Menschen - ist die emotionale Seele wesentlich schneller und mächtiger. Hier geht Alter vor Schönheit.
Ihre emotionale Seele liegt im limbischen System. Eine wichtige Rolle, wenn nicht sogar die entscheidende, spielt hier der Mandelkern, auch Amygdala genannt. Er ist der emotionale Wächter Ihres Seins.
Der Mensch besitzt zwei Amygdalae - eine in der rechten Hirnhälfte und eine in der linken Hirnhälfte. Die Hirnhälften sind über den sogenannten Balken miteinander verbunden. Beide erfüllen in der Gesamtheit die gleiche Aufgabe und sind nicht unabhängig voneinander. Dennoch bestehen Unterschiede in der “Befehlsgewalt” für rechtshirngelagerte und linkshirngelagerte Menschen.
Warum bestimmt die Vergangenheit die Zukunft?
Abschnitt betitelt „Warum bestimmt die Vergangenheit die Zukunft?“Warum bestimmt die Vergangenheit die Zukunft des Borderliners, Narzissten, Schizoiden, des Anorektikers, des Bulimikers etc.?
Versuchen wir es einfach zu erklären. Wir wissen ja bereits, dass die Entwicklung - sprich Erziehung, Umgang, Einstellung - in den ersten Jahren, bzw. auch schon im Mutterleib, die entscheidende Rolle spielt.
Ein Beispiel: Essstörung
Abschnitt betitelt „Ein Beispiel: Essstörung“Sagen Sie einem Anorektiker oder Bulimiker, nachdem Sie ihn eine Zeit nicht sahen: “Oh, du hast aber ganz schön zugenommen.” Was glauben Sie, wird passieren? Richtig, der Anorektiker hungert und der Bulimiker erbricht sich die Seele aus dem Leib.
Sie haben ihm eine (1) Information gegeben, doch er empfängt alles andere als diese eine rationale Information. Er empfängt eine Flut an Infos, bei denen nur sein limbisches System reagiert und angesprochen wird - d.h. sein emotionales Gedächtnis. Die rationale Seele reagiert hier gar nicht mehr. Das limbische System hat den anderen jetzt voll im Griff. Ihre einfach dahingesagte Information löst eine Flutwelle an Gefühlen und Emotionen aus, die nicht mehr dem rationalen Willen unterliegen.
Eine Analogie: Der Hund und das Kind
Abschnitt betitelt „Eine Analogie: Der Hund und das Kind“Ich möchte diese erste Reaktion anhand eines anderen Beispiels erklären - dem besten Freund des Menschen: einem Hund.
Die Situation
Abschnitt betitelt „Die Situation“- Familie: Mann und Frau ca. 28 Jahre alt, Kind 3 Jahre alt, Hund 5 Jahre alt
- Grob gesehen durchläuft der Hund die gleichen psychologischen Entwicklungsstadien wie ein Mensch, nur in verkürzter Zeit
- Für einen Hund gilt: 1. Jahr = 7 Menschenjahre, jedes weitere Jahr = 5 Menschenjahre
Der Hund wächst beim Mann auf, besitzt andere neurale Schaltungen und hat nicht den ausgebildeten Neokortex wie der Mensch. Insofern entwickelt sich sein limbisches System wesentlich höher/ausgeprägter als beim Menschen. Er unterliegt also mehr gefühlsmässigen Handlungen.
Die gefühlsmässige Bindung an seinen Herrn ist naturgemäss sehr stark und wird sein ganzes Leben bestehen. Geht es “Herrchen” schlecht, erfühlt der Hund das sofort und versucht dann den Mann vor jeglicher Bedrohung (in seinem Sinne) zu schützen.
Der Lernprozess
Abschnitt betitelt „Der Lernprozess“Tag 1: Die Mutter ist überlastet, das Kind schreit, die Mutter schreit und sie schlägt das Kind. Der Hund nimmt drei Dinge wahr:
- Er riecht den Stresshormonausstoss (Pheromone) der Mutter
- Er sieht die gereizten Reaktionen der Mutter
- Er erfühlt, dass es dem Kind nicht gut geht
Da er es nicht in einen logischen Zusammenhang bringen kann, reagiert er nur verständnislos. Aber er speichert: Diese Reaktionen der Mutter, dieser Geruch, das Ausholen mit der Hand bedeutet Gefahr.
Tag 2: Die Mutter ist wieder überlastet. Nach mehrmaligem Ermahnen haut sie dem Hund mit der flachen Hand zweimal ins Gesicht. Der Hund kann wiederum keinen logischen Zusammenhang herstellen. Aber in seinem emotionalen Gedächtnis war der damalige Tag gespeichert. Eines erfasste er jetzt: den Zusammenhang des Geruchs (Stresshormone), der Reaktionen (Bewegungen der Mutter), die daraus resultierende Gefahr und den emotionalen Schmerz.
Tag 3: Das Kind macht irgendetwas, die Mutter holt aus - sie hat noch nicht ausgeholt, da riecht der Hund es schon. In Bruchteilen von Sekunden erfasst der Hund emotional, was los ist. Sein limbisches System, das emotionale Gedächtnis, ist schlagartig aktiviert. Die darin liegende Information aus der Vergangenheit ist mit einem Minus besetzt. Der Befehl, den sein limbisches System jetzt gibt, heisst: “Gefahr für den Nachwuchs und Schutz.”
In diesem Moment spielt die Rangordnung und seine Konditionierung eine absolut untergeordnete Rolle. Im Sinne der Rangordnung heisst es für den Hund jetzt, das Überleben des “Jüngsten, Schwächsten” zu schützen. Blitzschnell, ehe die Mutter dem Kind etwas antun kann, greift er nach dem Arm der Mutter oder stellt sich zumindest schützend zwischen das Kind und die Mutter.
Der synaptische Lernvorgang
Abschnitt betitelt „Der synaptische Lernvorgang“Beim Hund hat ein sogenannter synaptischer Lernvorgang (Anstoss gewisser neuronaler Netzwerke) stattgefunden.
Der Vater kommt nach Hause und die Mutter schildert den Vorfall - natürlich aus ihrer Sicht (der Hund als Bestie). Für den Hund war sein Handeln absolut legitim, und hätte der Mann es gesehen und die Vorfälle davor gekannt, dann würde er jetzt sicher ganz anders reagieren.
Auf jeden Fall kommt kein Mensch auf die Idee, den Hund jetzt zum Psychiater zu schleppen, um herauszufinden, warum das passierte. In vielen Fällen endet das für den Hund im Tierheim. Und dies nur aus einem Grund: “Er verteidigte, was er liebte, was ihm sogar Befehl war.”