Zum Inhalt springen

Nach einer Borderline-Beziehung

Eine Beziehung mit einem Menschen, der an einer Borderline-Störung leidet, kann tiefgreifende Spuren in der psychischen Struktur des Partners hinterlassen - selbst wenn dieser vorher völlig gesund war.

Zu Beginn der Beziehung war das ICH des Partners:

  • Eine komplexe, zusammenhängende Einheit
  • In der Waage (wie eine Wasserwaage)
  • Mit funktionierenden Abwehrmechanismen
  • Mit einem stabilen Selbst

In der Idealisierungsphase des Borderliners wird der Partner auf ein Podest gestellt:

Auswirkung auf das Selbst

Das Selbstwertgefühl steigt - der Partner fühlt sich besonders, wertvoll, einzigartig.

Die Gefahr

Der Partner beginnt, sein Selbstwertgefühl von der Bewertung durch den Borderliner abhängig zu machen.

Wenn die Abwertung einsetzt:

  1. Verwirrung: Was habe ich falsch gemacht?
  2. Selbstzweifel: Bin ich wirklich so schlecht?
  3. Übernahme der Projektion: Vielleicht hat er/sie recht…
  4. Erosion des Selbst: Das Selbstbild wird negativ

Das ständige Wechseln zwischen Idealisierung und Abwertung:

Nach einer längeren Borderline-Beziehung kann das ICH des Partners:

Aus der Waage geraten

Die stabile Balance ist verloren gegangen.

Abwehr gestört

Die Abwehrmechanismen funktionieren nicht mehr richtig (A+C = funktionsunfähig).

Selbst abgerutscht

Über die inversive Verbindung (D) ist das Selbst “nach unten” gerutscht.

ICH-Diskrepanz vergrössert

Der Abstand zwischen Ideal-Selbst und realem Selbst ist gewachsen.

SymbolZustand nach Borderline-Beziehung
AAbwehrmechanismen - gestört/überfordert
A+CAbwehrhandlung - funktionsunfähig
SBSelbstbeobachtung - verzerrt (“Ist es wirklich so schlimm?”)
SESelbsterkenntnis - verunsichert (“Wer bin ich eigentlich?”)
SFÜbergang Fremdbild - übermächtig (Das Urteil des Borderliners prägt)
SRSelbstregularien - gestört
SSEinfluss soziales Selbst - negativ dominant
ISICH-Diskrepanz - vergrössert
  1. Selbstbild - Durch ständige Kritik und Abwertung negativ geprägt
  2. Selbstbewusstsein - Erschüttert (“Ich weiss nicht mehr, wer ich bin”)
  3. Selbstwertgefühl - Abhängig von äusserer Bestätigung geworden
  4. Soziales Selbst - Das Fremdbild (vom Borderliner geprägt) dominiert

Depression

Durch das abgerutschte Selbst und die vergrösserte ICH-Diskrepanz

Angststörungen

Durch die Verunsicherung und das Gefühl der Hilflosigkeit

PTBS-ähnliche Symptome

Flashbacks, Vermeidung, Überregung

Bindungsprobleme

Angst vor neuen Beziehungen, Misstrauen

Nach einer Borderline-Beziehung zeigen sich oft:

Phantasie

Tagträume von Versöhnung, vom “gesunden” Partner - eine Flucht aus der Realität

Verleugnung

“So schlimm war es nicht” - Schutz vor der schmerzhaften Wahrheit

Ungeschehen machen

Sühneverlangen, Schuldgefühle (“Hätte ich nur…”)

Emotionale Isolierung

Rückzug in Passivität als Schutz vor weiterer Verletzung

SymbolBedeutung
AAbwehrmechanismen des ICH
B1Kräfte aus Säule I und II des ÜBER-ICH
B2Kräfte aus Säule III des ÜBER-ICH
CAbwehrenergien - erschöpft
A+CAbwehrhandlung - funktionsunfähig
DStarre Verbindung zum Selbst
E1, E2ES-Impulse
GInversivgelenk
SBSelbstbeobachtung - verzerrt
SVergleich soziales Selbst mit Selbst
SESelbsterkenntnis
SFÜbergang Fremdbild - übermächtig
SRSelbstregularien
SSEinfluss soziales Selbst auf Selbstwertgefühl
ISICH-Diskrepanz - vergrössert
VIVergleich Ideal-ICH / Ideal-Selbst versus ICH-Ideal
  1. Erkennen: Was ist während der Beziehung passiert?
  2. Verstehen: Wie hat es mich verändert?
  3. Trauern: Um das, was verloren ging (auch Illusionen)
  4. Aufbauen: Die eigene Identität neu stärken
  5. Schützen: Lernen, Grenzen zu setzen

Auch wenn professionelle Hilfe empfohlen wird, gibt es erste Schritte:

Kontaktabbruch

Raum für Erholung schaffen - ohne ständige Destabilisierung

Selbstfürsorge

Grundbedürfnisse beachten (Schlaf, Ernährung, Bewegung)

Soziale Kontakte

Vertrauenspersonen einbeziehen, Isolation vermeiden

Information

Verstehen, was passiert ist - dieses Modell ist ein Anfang