ÜBER-ICH
Gewissen, Normen, Imagos - geprägt von Eltern und Umwelt. Teils bewusst, teils unbewusst.
Das psychodynamische Modell bildet die Grundlage für das Verständnis psychischer Störungen. Es erklärt, wie die verschiedenen Instanzen der Psyche zusammenwirken - und was passiert, wenn dieses Zusammenspiel gestört ist.
ÜBER-ICH
Gewissen, Normen, Imagos - geprägt von Eltern und Umwelt. Teils bewusst, teils unbewusst.
ICH
Die Persönlichkeit selbst. Teils bewusst, teils unbewusst.
ES
Die Triebe und Antriebe des Menschen. Vollständig unbewusst.
Der Mensch kennt drei Grundtriebe:
| Trieb | Funktion |
|---|---|
| Hunger | Nahrungsaufnahme |
| Durst | Flüssigkeitsaufnahme |
| Schlaf | Regeneration |
Antriebe sind jene Kräfte, die uns dazu treiben, etwas ganz Bestimmtes zu tun:
Selbsterhaltungstrieb
Der grundlegende Antrieb zum Überleben
Geschlechtstrieb
Fortpflanzung und Sexualität
Bruttrieb
Fürsorge für Nachkommen
Machttrieb
Streben nach Einfluss und Kontrolle
Herrschsucht
Dominanzstreben
Habgier
Besitzstreben
Das ICH hat drei Hauptaufgaben:
Was passiert, wenn diese Chance fehlt?
Bekommt das ICH nicht die Chance, sich zu entwickeln, können nur Fragmente (Bruchstücke) entstehen, die nicht zusammenhängen und keine komplexe Einheit bilden.

Stellen Sie sich (bei einem gesunden Menschen) eine komplette, ganze Wasserwaage vor, die auch in der Waage ist:
Das Selbst beinhaltet:
Dieser Komplex wird abgeglichen mit einer Säule des ÜBER-ICH: dem Ideal-ICH und Ideal-Selbst. Die Differenz nennt man ICH-Diskrepanz.
Der Mensch entwickelt im Laufe der Zeit Abwehrmechanismen, die das ICH schützen. Sie sitzen zwischen ES und ÜBER-ICH als Pufferzone. Gäbe es sie nicht, würde das ICH regelrecht zerfetzt.
1. Spaltung Frühstadium der Abwehrmechanismen (Baby bis 4 Jahre). Kann nur in gut und böse aufspalten. Wird angewendet, solange kein vollständiges ICH zur Verfügung steht.
2. Projektion Übertragung der Missbilligung eigener Unzulänglichkeiten oder unmoralischer Wünsche auf andere Personen.
3. Regression Rückzug auf eine frühere Entwicklungsstufe mit primitiven Reaktionen und niedrigem Anspruchsniveau.
4. Kompensation Verhüllen einer Schwäche durch Überbetonung eines Charakterzuges. Frustration auf einem Gebiet wird durch übermässige Befriedigung auf einem anderen ausgeglichen.
5. Verleumdung Schutz der unangenehmen Wirklichkeit durch Weigerung, sie anzunehmen.
6. Verschiebung Entladung aufgestauter, feindseliger Gefühle auf Objekte, die weniger gefährlich sind als die ursprünglichen Auslöser.
7. Emotionale Isolierung Vermeidung traumatischer Erlebnisse durch Rückzug in die Passivität.
8. Phantasie Befriedigung frustrierter Wünsche durch imaginäre Erfüllung (z.B. Tagträume).
9. Identifikation Erhöhung des Selbstwertgefühls durch Identifikation mit einer anderen Person oder Institution.
10. Introjektion Einverleibung äusserer Werte in die ICH-Struktur, sodass die Person sie nicht mehr als Bedrohung von aussen erleben muss.
11. Isolierung Abtrennung emotionaler Regungen von angstbeladenen Situationen.
12. Rationalisierung Versuch, sich einzureden, dass das eigene Verhalten verstandesmässig begründet ist.
13. Reaktionsbildung Vermeidung angstbeladener Situationen durch Überbetonung gegenteiliger Verhaltensweisen.
14. Verdrängung Verhindern des Eindringens unerwünschter Impulse in das Bewusstsein.
15. Sublimierung Befriedigung nicht erfüllter Wünsche durch gesellschaftlich akzeptierte Ersatzhandlungen.
16. Ungeschehen machen Sühneverlangen für unmoralische Wünsche und Handlungen.

Das ICH in Verbindung mit seinen Abwehrmechanismen beinhaltet die ICH-Stärke - der Grad, mit welchem das ICH die Triebe (ES) unter Kontrolle hat.
Die ICH-Stärke bezeichnet:
Das Selbstbild beinhaltet die Kognitionen und Gefühle, die man sich selbst gegenüber hat. Es entsteht durch:
Definition
Die ICH-Diskrepanz ist die Differenz zwischen Selbstbild und Ideal-Selbst. Je grösser die ICH-Diskrepanz, desto geringer das Selbstwertgefühl.
Das Streben zur Verringerung der ICH-Diskrepanz bedeutet Selbstverwirklichung.
Je geringer die ICH-Diskrepanz, aber je pathologischer (überwertige, unrealistischer) das ICH-Ideal ist:
Das Selbstwertgefühl ist eine Gestimmtheit des Selbst, mit dem der Mensch sich als Träger eines Wertes erlebt. Seine Verneinung ist das Minderwertigkeitsgefühl.
Das ES liegt im Unbewussten und beinhaltet die Triebe und Antriebe. Dies sind gewaltige Energien, die uns das tun lassen, was wir tun (wollen) oder sollten.
Lustprinzip
Das ES strebt nach der unmittelbaren und vollständigen Abfuhr seiner Triebenergien - sehr gut zu sehen bei der Borderline-Störung in ihrer sofortigen Triebbefriedigung.

Das ÜBER-ICH besteht aus drei Säulen:
Das ÜBER-ICH hat die Funktion eines Richters und Wächters übernommen:
Die internalisierten Objekte (verinnerlichte Elternbilder) sind massgeblich an der Entwicklung des ÜBER-ICH beteiligt:
ES: Lustprinzip
Strebt nach unmittelbarer und vollständiger Abfuhr der Triebenergien und grösstmöglichem Lustgewinn.
ICH: Realitätsprinzip
Wandelt die aus dem ES stammenden Triebimpulse in ethische und soziale Forderungen ab.
ÜBER-ICH: Moralitätsprinzip
Handelt nach Moral und sittlichen Gesetzesnormen (Gebote und Verbote).

Bei der Borderline-Störung: