Zum Inhalt springen

Was ist Glück?

Gleichgültig ob uns Sinneswahrnehmungen, Verhaltensweisen, Erlebnisse oder Drogen Glücksgefühle vermitteln - ohne die neuronalen Belohnungssysteme in unserem Gehirn läuft nichts. Deren Existenz entdeckten bereits 1954 die amerikanischen Neurowissenschaftler James Olds und Peter Milner.

Sie setzten kleine Elektroden in das Gehirn von Ratten, welches sie darüber elektrisch reizten. Den Tieren war die Stimulation so angenehm, dass sie sich ständig an den Orten aufhielten, an denen die Wissenschaftler die Stimulation üblicherweise einschalteten. Sie lernten sehr schnell, einen Hebel zu drücken, um sich ihre Glücks-Stimulationen selbst zu verabreichen. Schon bald fanden die Ratten heraus, dass je öfter sie den Schalter drücken, sie mehr und mehr Portionen Glück bekommen.

Das Suchtgedächtnis war gefunden.

Die Wissenschaftler gingen allerdings noch zwei Schritte weiter:

  1. Sie legten ein stromgeladenes Gitter zwischen Ratte und ihrem Glücksknopf. Jede normale Ratte verweigerte den Weg über das Gitter, denn die Stromstösse waren äusserst schmerzhaft. Nicht so die Ratte mit der Elektrode im Belohnungssystem. Sie nahm ohne weiteres die Tortur der schmerzhaften Stromstösse in Kauf, um an ihren geliebten Schalter zu kommen.

  2. Im dritten Schritt pflanzten die Wissenschaftler eine solche Elektrode einer weiblichen Versuchsperson (mit deren Einverständnis) in das Belohnungszentrum ein. Diese Patientin war schwerst depressiv. Bei der ersten Reizung fing die Patientin an zu lachen. Doch ähnlich wie die Ratten verlangte nun auch die Patientin eine immer öftere und längere Reizung und wurde aggressiv, sobald sie diese nicht bekam.

Im Wesentlichen besteht das Belohnungssystem aus drei Elementen:

  • Der Nucleus accumbens - ein Teil des für Emotionen zuständigen limbischen Systems
  • Das ventrale tegmentale Areal im Mittelhirn
  • Die präfrontalen Regionen der Grosshirnrinde (hinter der Stirn liegend)

Der Nucleus accumbens spielt eine Schlüsselrolle. Man könnte ihn auch als zentrale Schaltstelle des Belohnungssystems bezeichnen. Er enthält Nervenzellen, die den Überträgerstoff Dopamin zur Signalübermittlung verwenden.

Diese Substanz ist vor allem dafür verantwortlich, dass man immer wieder Situationen anstrebt, die Glücksgefühle hervorrufen. Damit stellt Dopamin eine Art chemischen Hauptschalter des Begehrens und ein wichtiges Element bei der Entstehung von Sucht dar.

Das Dopaminsystem erhält Schützenhilfe von anderen Botenstoffen: den körpereigenen Opioiden und den Cannabinoiden.

Sowohl Opiatdrogen wie Opium oder Morphium als auch körpereigene Opioide wie etwa Endorphine binden im Nucleus accumbens an sogenannte Opiatrezeptoren. In der Grosshirnrinde vermitteln Opioide Genussgefühle bis hin zum Rausch.

Untersuchungen an Bungee-Springern ergaben, dass das Glücksgefühl während und unmittelbar nach dem Sprung mit einem 200-fachen Anstieg von Beta-Endorphinen einhergeht.

Das körpereigene Cannabinoidsystem wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt. Cannabinoide sind die wirksamen Substanzen (THC) in Haschisch und Marihuana. Sie docken an spezifische Rezeptormoleküle an und führen so zur vermehrten Freisetzung von Dopamin im Belohnungssystem.

Wie die Opiatrezeptoren binden auch die Cannabinoidrezeptoren körpereigene Substanzen. Es handelt sich dabei um sogenannte Anandamide - ungesättigte Fettsäuren, die aus den Zellmembranen der Neuronen freigesetzt werden. Forscher entdeckten, dass diese Stoffe beim Vergessen von traumatischen Erlebnissen eine entscheidende Rolle spielen.

Nach der Einnahme chemischer Drogen ist das Glück meist nur von kurzer Dauer. Kaum lässt die Wirkung der Substanz nach, sinkt die Stimmung rapide. Der Konsument fühlt sich dann niedergeschlagen, tieftraurig, erleidet seelische Schmerzen - was zum erneuten Griff zur Droge führt.

Bei langjährigem Drogenmissbrauch stumpfen jedoch die neuronalen Schaltkreise des Belohnungssystems mehr und mehr ab, so dass immer höhere Dosen genommen werden müssen, um die gewünschte euphorische Wirkung zu erzielen. Irgendwann dient die Drogeneinnahme nur noch dazu, die oft schweren physischen wie auch psychischen Entzugssymptome zu vermeiden.

Belohnung bzw. das Merken der Belohnung vom Belohnungssystem (Ausbildung neuronaler Netzwerke) besitzt einen entscheidenden Moment der ursprünglichen Motivation. Ist die Assoziation zwischen bedingtem Reiz und Reaktion einmal hergestellt, so entsteht bei Wiederholung der Belohnung eine Wiederverstärkung der bedingten Reaktion (Konditionierung). Deren Ausbleiben allerdings über einen bestimmten Zeitraum hinweg führt zur Auslöschung.

Die amerikanisch-österreichische Psychoanalytikerin und Freud-Schülerin Helene Deutsch meinte, dass das Streben nach Glück immer einer mangelnden Befriedigung entspringt.

Es gibt zwei Arten von Glück:

  1. Schicksalhaftes Glück - das vom Zufall geschenkt wird (englisch: luck, französisch: fortune)
  2. Inneres Glück - das wir unabhängig von äusseren Umständen empfinden (englisch: happiness, französisch: bonheur)

Schicksalhaftes Glück, wie einen Lottogewinn, können wir nicht erzwingen und ist selten von Dauer. Das andere, das innere Glück, lässt sich tatsächlich beeinflussen und sogar erlernen.

Der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi, Psychologieprofessor an der Uni Chicago, hat eine der wichtigsten aktuellen Theorien über das Erlangen von Glück entwickelt: die Flow-Theorie.

Seinen jahrzehntelangen Beobachtungen zufolge erleben alle Menschen am zuverlässigsten Glück, wenn sie in einer Tätigkeit “aufgehen”. Er nannte diesen Zustand selbstvergessener Aktivität: Flow.

Wenn wir im Flow (im Fluss) sind, kommen Fühlen, Wollen und Denken in Harmonie. Typisch für den Zustand ist:

  • Wir vergessen die Zeit
  • Wir hinterfragen nicht, was wir tun
  • Wir fühlen uns nicht unter Zwang oder Druck
  • Wir grübeln nicht, sondern vergessen alles um uns herum
  • Die Tätigkeit erfordert Konzentration, ist aber mit einem Gefühl von Mühelosigkeit verbunden

Menschen erleben den Flow auch im Beruf, wenn sie ihre Arbeit lieben. Besonders leicht aber kommen sie in diesen Glückszustand, wenn sie spielen, Sport treiben, im Garten arbeiten oder einem Hobby nachgehen.

Was heisst das übersetzt? Fangen Sie wieder an zu spielen, Ihren Hobbys nachzugehen. Seien Sie wieder Kind.

Alle Menschen entwickeln Denkmuster, mit denen sie ihr Leben bewerten. Dort liegen die Wurzeln für Glück und Unglück.

  1. Unglückliche Menschen betrachten schwierige Lebensphasen grundsätzlich als endgültig (“Ich bin am Ende, ich kann nicht mehr”). Bei angenehmen Ereignissen sehen Pessimisten diese bestenfalls als glückliche Zufälle. Glückliche fühlen sich in ihrer optimistischen Haltung bestätigt.

  2. Unglückliche Menschen generalisieren Fehlschläge in ihrem Leben (“Ich habe kein Glück in der Liebe”). Glückliche dagegen sagen “Ich hatte kein Glück bei dieser Frau/diesem Mann.”

  3. Pessimisten geben grundsätzlich sich selbst die Schuld, wenn etwas schief läuft. Optimisten suchen die Gründe für Fehlschläge erst einmal in den Umständen, die zum Misserfolg geführt haben, um sie dann korrigieren zu können.


Ergo: Durch die innere Einstellung, durch meine Gedanken (die Macht der Gedanken) bestimme ich zu einem sehr grossen Teil meinen biochemischen “Glücks”-Stoffwechsel. Ich bestimme die Einstellung zu einer Sache und ob ich mir von aussen beeinflussbares (schicksalhaftes) Glück “suche” oder das beständige Glück in mir finde.