Opiate
- Substanzgruppe der Opiate
- Historisch-medizinische Perspektive
- Wie entsteht Schmerz?
- Pharmakodynamik und -kinetik
- Applikationsformen
- Toleranz
- Entzug
- Problematisierung
Substanzgruppe der Opiate
Abschnitt betitelt „Substanzgruppe der Opiate“Die Opiate bilden eine breite Substanzgruppe:
Natürliche Opiate:
- Opium (aus dem Schlafmohn)
- Morphin
- Kodein
Halbsynthetische Opiate:
- Heroin (Diacetylmorphin)
Vollsynthetische Opiate:
- Methadon
- Fentanyl
- Polamidon
- Buprenorphin
Historisch-medizinische Perspektive
Abschnitt betitelt „Historisch-medizinische Perspektive“Die Bestrebungen europäischer Mediziner im 19. Jahrhundert, die unerwünschten Nebenwirkungen des Opiums zu modifizieren und nur die positiven Wirkungen nutzbar zu machen, führten zu einem fortlaufenden Reinigungsprozess.
Zeitleiste
Abschnitt betitelt „Zeitleiste“| Jahr | Entwicklung |
|---|---|
| 1803 | Apotheker isoliert erstmals Morphin aus dem Schlafmohn |
| ~1840 | Arzt Levin weist auf mögliche Toleranz/Abhängigkeit hin (stiess auf grossen Widerstand) |
| 1898 | Firma Bayer gewinnt Heroin als halbsynthetisches Opiat |
| Später | Entwicklung vollsynthetischer Opiate (Methadon, Fentanyl etc.) |
Morphin gilt bis heute als das wirksamste Analgetikum (schmerzstillendes Medikament).
Wie entsteht Schmerz?
Abschnitt betitelt „Wie entsteht Schmerz?“Der Körper registriert einen Schmerzimpuls, der über das Rückenmark zum Gehirn weitergeleitet wird:
- Schmerzimpuls aktiviert Nervenzellen
- Freisetzung der Transmitter Glutamat und Substanz P
- Weiterleitung durch das Rückenmark ins limbische System (Gefühlsverarbeitung)
- Als Schutzreaktion: Ausschüttung körpereigener Morphine (endogene Analgetika)
Dieser Vorgang wird als “neuronale Feedbackschleife” bezeichnet:
Schmerzempfindung → Rückenmark → Limbisches System → Rückenmark → SchmerzortPharmakodynamik und -kinetik
Abschnitt betitelt „Pharmakodynamik und -kinetik“Wirkungsmechanismus
Abschnitt betitelt „Wirkungsmechanismus“Im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln, die lokal wirken, beeinflussen Opiate das Nervensystem. Der Effekt von Morphin liegt nicht darin, Schmerz vollständig zu eliminieren, sondern eine affektive Dynamik zu erzeugen:
Schmerzen erscheinen den Betroffenen aushaltbarer, erträglicher oder ihnen gleichgültig.
Wirkungsweisen
Abschnitt betitelt „Wirkungsweisen“Agonistische Opiate (z.B. Heroin, Morphin):
- Ahmen die analgetische Dynamik der Endorphin-Botenstoffe nach
Opiat-Antagonisten (Naltrexon, Naloxon):
- Besetzen Endorphinrezeptoren und heben so die Wirkung exogener Opiate auf
Wirkungen
Abschnitt betitelt „Wirkungen“Opiatsubstanzen entfalten ihre Wirkung als:
- Analgetikum (schmerzstillend)
- Sedativum (beruhigend)
- Anxiolytikum (angstlösend/-hemmend)
- Euphorikum (euphorisierend)
Nebenwirkungen
Abschnitt betitelt „Nebenwirkungen“Gleichzeitig provozierte Körperreaktionen:
- Pupillenverengung
- Atemdepression (Verengung der Bronchien)
- Depression der Darmperistaltik
Opiate beeinflussen nicht nur körperliche Schmerzen positiv, sondern erzeugen auch bei psychischen Schmerzen einen angenehm empfundenen Entspannungs- oder Euphoriezustand.
Applikationsformen
Abschnitt betitelt „Applikationsformen“| Applikationsform | Resorption |
|---|---|
| Oral / Rektal (Zäpfchen) | Langsam |
| Intravenös (z.B. Heroin, Morphin) | Innerhalb von Sekunden/Minuten |
| Inhalieren / Rauchen | In wenigen Minuten |
Weitere medizinische Anwendung:
- Periduralanästhesie (PDA) - Rückenmarksbetäubung bei Geburten und Operationen
Nachweisbarkeit
Abschnitt betitelt „Nachweisbarkeit“- Opiate werden schnell zu Morphin und Kodein metabolisiert (Heroin in 3-5 Stunden)
- Ca. 3-4 Tage sind Opiatmetaboliten nachweisbar
- Testverfahren lassen keinen Rückschluss auf konkrete Substanzen zu
Toleranz
Abschnitt betitelt „Toleranz“Opiatabhängigkeit äussert sich im Verlangen nach höheren Dosen und weist folgende Mechanismen auf:
Körperliche Mechanismen
Abschnitt betitelt „Körperliche Mechanismen“- Der Organismus erhöht die Zahl opiatabbauender Enzyme
- Die Empfindlichkeit der Opiatrezeptoren nimmt ab
- Kreuztoleranz mit anderen Opiaten entwickelt sich (bis zur letalen Dosis)
Psychische Mechanismen (Verhaltenskonditionierung)
Abschnitt betitelt „Psychische Mechanismen (Verhaltenskonditionierung)“Erfahrungen und damit verbundene Gefühle werden mit Hilfe der Opiatwirkung getriggert (ausgelöst). Gegenwärtige Gruppenerlebnisse während der Opiateinnahme prägen Wahrnehmung und Verhalten.
Die Speicherung vollzieht sich durch eine spezifische Transmitterkonzentration - es entstehen neue neuronale Verknüpfungen, die emotionale Erinnerung möglich und abrufbar machen.
Die durch Opiate ausgelöste Ekstase verbunden mit den Setting-bezogenen Erfahrungen löst die Motivation aus, den Rausch zu wiederholen.
Die Konsequenzen des Entzugs werden von Betroffenen als die gegenteilige Wirkung der Opiate erlebt:
Symptome
Abschnitt betitelt „Symptome“Psychisch:
- Intensive psychische Schmerzen
- Ängste
- Depressionen
- Appetitlosigkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
- “Craving” (Drogengier)
Körperlich:
- Intensive körperliche Schmerzen
- Übelkeit, Erbrechen
- Durchfall
- Atemprobleme
- Akute Entzugssymptome: Einige Tage bis Wochen
- Protahierte Abstinenzsymptome (Depressionen, Craving): Noch ca. ein halbes Jahr lang
Soziale Konsequenzen
Abschnitt betitelt „Soziale Konsequenzen“- Verlust der Bezugsgruppe
- Soziale Isolation
Problematisierung
Abschnitt betitelt „Problematisierung“Set-bedingte Dispositionen
Abschnitt betitelt „Set-bedingte Dispositionen“Persönlichkeitsstrukturelle Faktoren können psychische Abhängigkeiten erleichtern:
- Geringe Frustrationstoleranz (geringere psychische Belastbarkeit bei Konflikten)
- Vermeidung der Auseinandersetzung mit psychischen Konflikten
- Die Aussicht, “auf Knopfdruck” entspannt und glücklich zu sein
Setting-bedingte Faktoren
Abschnitt betitelt „Setting-bedingte Faktoren“Das Beispiel des massiven Konsums von “Prozac” (in Deutschland: Fluctin) in den USA zeigt, dass nicht nur das Set eine Auswirkung hat, sondern auch die Gesellschaft.
Psychische Probleme gelten nicht als normale Reaktion auf belastende Lebenssituationen, sondern als unerwünschte Schwäche. Es findet eine soziale Stigmatisierung und Pathologisierung statt, die nach einer schnellen und billigen “Lösung” verlangt:
- Probleme werden unsichtbar gemacht
- Menschen verhalten sich “normal” und angepasst
- Pharmakonzerne verdienen viel Geld
- Der Staat spart an psychosozialer Unterstützung