Biochemie des Gehirns
Alle biochemischen Vorgänge unseres Gehirns haben Einfluss auf den gesamten Organismus. Jedes Hormon, jeder Transmitter (Botenstoff), jede Aminosäure hat seine Funktion - es sind gekoppelte, sich gegenseitig steuernde Systeme (negative Rückkopplungskreise).
Grundlagen der Gehirnbiochemie
Abschnitt betitelt „Grundlagen der Gehirnbiochemie“Die wichtigsten Glücksbotenstoffe
Abschnitt betitelt „Die wichtigsten Glücksbotenstoffe“Für Ihr Wohlbefinden sind hauptsächlich drei Stoffe zuständig:
| Botenstoff | Funktion | Bei Mangel |
|---|---|---|
| Serotonin | Stimmungsregulation, Schlaf, Appetit | Depression, Angst, Schlafstörungen |
| Dopamin | Motivation, Belohnung, Antrieb | Antriebslosigkeit, Suchtverhalten |
| Noradrenalin | Aufmerksamkeit, Energie, Stressreaktion | Konzentrationsprobleme, Müdigkeit |
Stresshormone
Abschnitt betitelt „Stresshormone“Bei Stress oder Unglück werden zwei Hauptstoffe ausgestossen:
- Adrenalin - Aktiviert den Körper für Kampf oder Flucht
- Cortisol - Hat eine regulierende Funktion auf das Adrenalin
Der Cortisolspiegel
Abschnitt betitelt „Der Cortisolspiegel“Normaler Tagesrhythmus
Abschnitt betitelt „Normaler Tagesrhythmus“Der Cortisolspiegel (gemessen in Mikrogramm pro Deziliter Blutplasma) folgt einem natürlichen Rhythmus:
- Morgens (6-8 Uhr): Höchster Stand (ca. 20-25 Mikrogramm/dl)
- Mittags: Abfall auf ca. 10-15 Mikrogramm/dl
- Abends: Niedrigster Stand (ca. 5-10 Mikrogramm/dl)
Bei chronischem Stress
Abschnitt betitelt „Bei chronischem Stress“Kommt dieser Ablauf durcheinander - zum Beispiel bei erhöhtem Dis-Stress in einer belastenden Beziehung - kommt der gesamte Stoffwechsel durcheinander:
- Cortisolspiegel ist permanent erhöht
- Werte liegen weitaus höher als 35 Mikrogramm/dl
- Bei anhaltendem erhöhtem Cortisolspiegel werden Sie krank
Auswirkungen auf den Zellstoffwechsel
Abschnitt betitelt „Auswirkungen auf den Zellstoffwechsel“Die Myelinschicht
Abschnitt betitelt „Die Myelinschicht“Unsere Gehirn- und Nervenzellen haben eine Schutzmembran - die sogenannte Myelinschicht. Sie besteht aus:
- Zur Hälfte aus Cholesterin
- Sphingomyelinen (phosphorhaltige Fettstoffe)
- Eiweiss
Diese Myelinschicht ist ölig-feucht in einem ganz bestimmten Flüssigkeitsgrad (Viskosität).
Schädigung durch Stress
Abschnitt betitelt „Schädigung durch Stress“Bei längerem starkem Stress kommt es zu:
- Schwächung des Immunsystems
- Erhebliche Schädigung der Membran durch freie Radikale
- Wenn Vitamine A, B, C, E und Beta-Carotin nicht verstärkt zugeführt werden:
- Freie Radikale oxydieren Fettsäuren und Cholesterin-Moleküle
- Nervenschicht wird ranzig
- Rezeptoren verkleben mit abgestorbenem Eiweiss
- Hirnstoffwechsel funktioniert nicht mehr richtig
Glukose - Der Brennstoff des Gehirns
Abschnitt betitelt „Glukose - Der Brennstoff des Gehirns“Einzigartige Energiequelle
Abschnitt betitelt „Einzigartige Energiequelle“Während andere Zellen auch mit Fett betrieben werden können, brauchen Gehirn- und Nervenzellen ausschliesslich Glukose.
Glukosereserven
Abschnitt betitelt „Glukosereserven“| Geschlecht | Glukosereserve |
|---|---|
| Männer | ca. 400g (in Leber, Muskeln, Blut) |
| Frauen | ca. 300g |
Bei erhöhtem Stress ist diese Reserve in wenigen Stunden verbraucht.
Auswirkungen von niedrigem Blutzucker
Abschnitt betitelt „Auswirkungen von niedrigem Blutzucker“Viele nervlich angespannte Menschen wachen morgens zwischen 4 und 5 Uhr mit quälenden depressiven Symptomen auf, die sich eine Stunde später wieder legen.
Ursache: Der abgesackte Blutzuckerspiegel und ansteigende Cortisolspiegel. Gehirn- und Nervenzellen haben die im Blut enthaltene Glukose verbraucht.
Warum es sich hebt: Die morgendlichen Stresshormone (Adrenalin, Cortisol, Glukagon) setzen die letzten Glukosereserven aus der Leber frei.
Die psychoaktiven Aminosäuren
Abschnitt betitelt „Die psychoaktiven Aminosäuren“Die drei wichtigsten
Abschnitt betitelt „Die drei wichtigsten“Rohstoff für alle positiven Empfindungen sind drei Aminosäuren:
| Aminosäure | Funktion | Umwandlung zu |
|---|---|---|
| Phenylalanin | Essenzieller Eiweissbaustein | Tyrosin, dann Dopamin |
| Tyrosin | Vorstufe der Katecholamine | Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin |
| Methionin | An Umwandlungsprozessen beteiligt | Unterstützt Noradrenalin-Synthese |
Phenylalanin - Die Sonderrolle
Abschnitt betitelt „Phenylalanin - Die Sonderrolle“Phenylalanin hat besondere Eigenschaften:
- Vorstufe von Tyrosin, Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin
- Stimuliert Cholezystokinin-Freisetzung
- Hat antidepressive Wirkung
- Verlängert die Wirkung und erhöht die Aktivität von Endorphinen
Tryptophan und Schlaf
Abschnitt betitelt „Tryptophan und Schlaf“Der Schlaf-Botenstoff
Abschnitt betitelt „Der Schlaf-Botenstoff“In den sogenannten Raphekernen im Gehirn gibt es bestimmte Zonen, die schon am Nachmittag auf Tryptophan warten, um daraus Serotonin zu synthetisieren.
Die Umwandlungskette:
Tryptophan → Serotonin → Melatonin (Schlafhormon)Melatonin-Produktion
Abschnitt betitelt „Melatonin-Produktion“Wenn die Dämmerung einsetzt:
- Hirnanhangdrüse bremst die Produktion von Wachhormonen
- Zirbeldrüse beginnt Melatonin ins Blut zu pumpen
- Schlaf wird eingeleitet
Tryptophanreiche Lebensmittel
Abschnitt betitelt „Tryptophanreiche Lebensmittel“| Lebensmittel | Tryptophan-Gehalt |
|---|---|
| Lactalbumin (Molkenprotein) | 6,9 g/100g |
| Molkenprotein | 2,1 g/100g |
| Ei | 1,8 g/100g |
| Nüsse | 1,0-1,8 g/100g |
| Milch | 1,5 g/100g |
| Käse | 1,4 g/100g |
Wichtige Vitamine und Mineralstoffe
Abschnitt betitelt „Wichtige Vitamine und Mineralstoffe“Vitamin C
Abschnitt betitelt „Vitamin C“Vitamin C ist an allen sechs Stoffwechselstufen von Phenylalanin zu Noradrenalin massgeblich beteiligt. Ohne ausreichend Vitamin C:
- Kann ACTH nicht produziert werden
- Kann Gluko-Neogenese (Umwandlung von Aminosäuren zu Glukose) nicht ablaufen
- Funktioniert die Melatonin-Synthese nicht optimal
B-Vitamine
Abschnitt betitelt „B-Vitamine“| Vitamin | Funktion | Gute Quellen |
|---|---|---|
| B6 | Überträgt Stickstoff bei Aminosäure-Umwandlung | Bierhefe |
| B12 | Aktiviert Methionin | Bierhefe, Fleisch |
| Folsäure | Aktiviert Methionin | Bierhefe, grünes Gemüse |
| Cholin | Hält Cholesterin flüssig, Bestandteil von Lecithin | Ei, Leber |
| Inositol | Balance von Zink/Kupfer im Gehirn | Fleisch, Milch, Nüsse |
Mineralien
Abschnitt betitelt „Mineralien“| Mineral | Funktion |
|---|---|
| Calcium | Übertragung von Nervensignalen |
| Magnesium | Nerven- und Muskelfunktion |
| Zink | Enzymatische Prozesse |
| Mangan | Stoffwechselprozesse |
Ernährungsempfehlungen bei Stress
Abschnitt betitelt „Ernährungsempfehlungen bei Stress“Zu vermeiden
Abschnitt betitelt „Zu vermeiden“Diese Lebensmittel lassen den Blutzucker schnell ansteigen und wieder fallen:
- Teigwaren (Nudeln, polierter Reis, Pizza)
- Zucker und alles Süsse
- Süsse Getränke
- Weissbrot (am besten ist Vollkornknäcke)
- Pommes
- Kartoffeln
- Alkohol und andere Drogen
Grund: Die enthaltenen einfachen Kohlenhydrate schiessen zu schnell ins Blut. Der Körper reagiert mit erhöhter Insulinzufuhr, der Blutzucker fällt rapide ab - man fühlt sich wieder nervös und gereizt.
Empfohlene Ernährung
Abschnitt betitelt „Empfohlene Ernährung“Tagsüber: Komplexe Kohlenhydrate
- Vollkornprodukte
- Obst
- Salat
- Gemüse
- Vollkornreis
Abends: Eiweiss mit Vitamin C
- 70% des Abendessens aus Eiweiss
- 16 der 22 Aminosäuren werden nachts zu Glukose umgewandelt (Gluko-Neogenese)
- Vitamin C ist für diesen Prozess essentiell
Inositol - Ein wichtiger Helfer
Abschnitt betitelt „Inositol - Ein wichtiger Helfer“Inositol ist neben Cholin ein Bestandteil des Lecithins und hat wichtige Funktionen:
Funktionen
Abschnitt betitelt „Funktionen“- Unterstützt Wachstum und Erhaltung innerer Organe und des Gehirns
- Reguliert die Balance von Zink und Kupfer in den Gehirnzellen
- Senkt stressbedingten erhöhten Blutdruck
Vorkommen
Abschnitt betitelt „Vorkommen“- Fleisch, Milch, Früchte, Nüsse, Gemüse, Getreide
- Im Pflanzenreich hauptsächlich als Phytinsäure (in Vollkornprodukten)
Kupfer-Zink-Balance
Abschnitt betitelt „Kupfer-Zink-Balance“Eine zu hohe Kupferkonzentration in den Gehirnzellen führt zu Dauernervosität und Gereiztheit. Inositol hilft, diese Balance zu regulieren.