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Neurobiologie und Gehirn

Das menschliche Gehirn ist die Schaltzentrale für alle körperlichen und psychischen Prozesse. Für das Verständnis psychischer Erkrankungen wie der Borderline-Störung ist ein grundlegendes Wissen über die Gehirnstrukturen und biochemischen Vorgänge hilfreich.

Das Grosshirn ist der Sitz der Logik, des Verstandes, der motorischen Assoziationsfelder und der Projektionsfelder. Es ist das Zentrum aller Sinnesempfindungen.

Teil des limbischen Systems, welches sich aus Hypothalamus, Thalamus, Hippocampus und Amygdala zusammensetzt - dem Sitz der Gefühle und Emotionen. Der Hypothalamus ist Teil des Zwischenhirns und das höchste Zentrum des autonomen (vegetativen) Nervensystems.

Hier vollzieht sich die Koordination und Integration aller vegetativen Körperfunktionen sowie des Hormonhaushaltes:

  • Kohlehydratstoffwechsel
  • Wasser- und Salzhaushalt
  • Wärmegleichgewicht
  • Sexualfunktionen
  • Motivationale Bekräftigung (Hunger, Sexualität)

Indirekt werden über die Kerne der Medula auch Herzschlag und Atmung beeinflusst.

Die Hypophyse ist etwa bohnengross und eine endogene Drüse. Sie ist direkt mit dem Hypothalamus verbunden und stellt eine funktionelle Einheit dar - die zentrale Nahtstelle zwischen den neuronalen und hormonellen Regelprozessen.

Wichtige Hormone der Hypophyse:

VorderlappenHinterlappen
Wachstumshormon (STH)Oxytocin
Follikelstimulierendes Hormon (FSH)Vasopressin
Luteinisierendes Hormon (LH)
Prolaktin (HPr)
Thyrotropin (TSH)
Adrenokorticotropin (ACTH)

Teil des limbischen Systems. Der Thalamus kommt aus dem Griechischen und bedeutet “Gemach, Höhle”. Er ist das dorsale Kerngebiet des Zwischenhirns. In ihm sammeln sich alle sensorischen Bahnen, wo sie emotional eingefärbt werden, ehe sie dann im Grosshirn zum Erlebnis (Ärger, Wärme etc.) werden.

Die elektrische Aktivität des Grosshirns und damit die Aufmerksamkeits- und Wachheitsfunktionen werden vom Thalamus gesteuert.

Der präfrontale Kortex beinhaltet den Frontallappen, der sich in den linken und rechten unterteilt. Verantwortlich für:

  • Kognitive Aktivitäten wie Planung
  • Entscheidungsfindung
  • Zielsetzung
  • Verbindung von Gegenwart und Zukunft durch planvolles Handeln
Exekutive Funktionen Exekutive Funktionen Arbeitsgedächtnis Regulation von Affekten und des Arousals Internalisierung von Sprache, (verbales Arbeitsgedächtnis) Abwägung und Planung Wiederherstellung nach Analyse und Synthese Verhaltens- Output Wahrnehmung Verhaltens-Hemmung
Die exekutiven Funktionen des präfrontalen Kortex

Er steht über die Dopaminbahnen in enger Kommunikation mit dem limbischen System. Schädigungen am präfrontalen Kortex können verheerende psychische Auswirkungen haben.

Teile des Hippocampus zählen mit zum limbischen System. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Gedächtniskonsolidierung - speziell für:

  • Umcodierung und Übertragung von Informationen aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis
  • Behalten räumlicher Orientierungen

Die Amygdala ist der entscheidende Wächter bei der Kontrolle der Emotionen und hat entscheidenden Einfluss auf das emotionale Gedächtnis.


Das limbische System ist die zentrale Struktur für unsere Emotionen. Es besteht aus:

  • Hypothalamus
  • Thalamus
  • Hippocampus
  • Amygdala
  • Nucleus accumbens

1954 entdeckten die amerikanischen Neurowissenschaftler James Olds und Peter Milner das Belohnungssystem im Gehirn. In Experimenten mit Ratten zeigten sie, dass die Tiere einen Hebel drückten, um sich elektrische Stimulation im Belohnungssystem zu verabreichen - und dies sogar unter Inkaufnahme schmerzhafter Stromstösse.

Das Belohnungssystem besteht im Wesentlichen aus drei Elementen:

  1. Nucleus accumbens - Teil des limbischen Systems
  2. Ventrales tegmentales Areal im Mittelhirn
  3. Präfrontale Regionen der Grosshirnrinde

Das Dopaminsystem erhält Schützenhilfe von anderen Botenstoffen:

  • Körpereigene Opioide (Endorphine)
  • Cannabinoide (Anandamide)

Sowohl Opiatdrogen als auch körpereigene Opioide binden im Nucleus accumbens an Opiatrezeptoren. Untersuchungen an Bungee-Springern ergaben einen 200-fachen Anstieg von Beta-Endorphinen während und unmittelbar nach dem Sprung.

Suchtstoffe wie Kokain, Amphetamine oder Heroin setzen im Belohnungssystem vermehrt Dopamin frei.


Ein spezielles Gesicht entspricht im Gehirn einer ganz bestimmten Kombination vieler Nervenzellen - einer Netzwerkstruktur, die durch ein Signal (Trigger) gemeinsam feuert. Dies kann durch jemanden ausgelöst werden, der ähnlich geht, riecht oder aussieht, ohne dass es bewusst wahrgenommen werden muss.

Eine biologische Nervenzelle besteht aus:

BestandteilFunktion
SomaZellkörper
DendritenKurze Leitungen (ca. 0,4 mm), über die Reize in die Nervenzelle gelangen
AxonLeitung zur Weiterleitung der Zellaktivität an andere Zellen (mm bis mehrere Meter)
SynapsenKontaktstellen zwischen Axonen und Dendriten

Wird das Soma über einen gewissen Schwellwert hinaus angeregt, erzeugt die Zelle einen kurzzeitigen elektrischen Impuls (Spike), der vom Axon an andere Zellen übertragen wird.

Die Synapsen sind chemische Kontakte, die auf einen Spike mit der Ausschüttung gewisser Ionen (Neurotransmitter) reagieren:

  • Acetylcholin
  • Serotonin
  • Dopamin
  • Adrenalin
  • Noradrenalin

Diese werden von den synaptischen Bläschen in den synaptischen Spalt ausgeschüttet und vom nachfolgenden Neuron aufgenommen. Sie docken an entsprechende Rezeptoren an und lösen wiederum elektrische Aktivität aus.


Für Ihr Wohlbefinden sind hauptsächlich drei Stoffe zuständig:

  1. Serotonin
  2. Dopamin
  3. Noradrenalin

Bei Stress werden die zwei Hauptstoffe Adrenalin und Cortisol ausgestossen, wobei Cortisol eine regulierende Funktion auf das Adrenalin hat.

Bei Gefahr aktiviert der Thalamus die Amygdala (emotionaler Wächter). Diese aktiviert über den Hypothalamus das CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon):

HPA-Achse: Hypothalamus (CRH) → Hypophyse (ACTH) → Nebenniere (Glukokortikoide/Cortisol)

Schematische Darstellung der Stressreaktion im Körper - HPA-Achse und Auswirkungen auf Organe
Die Stressantwort des Körpers - Von der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse bis zu den Organen
Stressantwort des Körpers - Immunsystem mit Killerzellen, T-Lymphozyten, B-Lymphozyten und Fresszellen
Die Stressantwort des Körpers - Auswirkungen auf das Immunsystem

Bei lang andauerndem Dis-Stress werden aktiviert:

  • Adrenalin, Noradrenalin
  • Anstieg des Blutzuckerspiegels
  • Cortisol
  • Steigerung des Blutdrucks
  • Aktivierung des Sympathikus
  • Erhöhung der Schilddrüsenfunktion
  • Immunsystem mit Fresszellen
OrganAuswirkung
GehirnBestimmte Cytokine zerstören Nervenzellen. Erhöhtes Cortisol schädigt den Hippocampus
BauchspeicheldrüseCortisol verringert die Insulinwirkung, kann zu Diabetes führen
MagenNoradrenalin verengt Blutgefässe der Verdauungsorgane (Geschwüre, Entzündungen)
MuskelnVerbrauchen zunehmend Muskeleiweiss, Muskeln schrumpfen
BlutgefässeChronisch erhöhter Blutdruck schädigt die Gefässe (Arteriosklerose, Infarkte)
GeschlechtsorganeCortisol hemmt die Hormonsynthese (Impotenz, Zyklusstörungen)

Rohstoff für positive Empfindungen sind drei Aminosäuren:

  • Phenylalanin - Vorstufe von Tyrosin, Dopamin, Noradrenalin
  • Tyrosin - wird zu Dopamin umgewandelt
  • Methionin - an der Umwandlung zu Noradrenalin beteiligt

Zu vermeiden:

  • Teigwaren, polierter Reis, Pizza
  • Zucker und süsse Getränke
  • Alkohol
  • Kartoffeln

Zu bevorzugen:

  • Komplexe Kohlenhydrate tagsüber (Vollkornprodukte, Obst, Gemüse)
  • Eiweiss mit Vitamin C abends
  • B-Vitamine (besonders in Bierhefe)
  • Magnesium, Zink, Mangan, Calcium