Essstörungen
Unter dem Oberbegriff Essstörungen werden zwei wichtige Syndrome beschrieben: Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia nervosa. Beide treten häufig als Komorbidität bei der Borderline-Störung auf.
Übersicht nach ICD-10
Abschnitt betitelt „Übersicht nach ICD-10“| Code | Störung | Untergruppe |
|---|---|---|
| F50.0 | Anorexia nervosa | Aktive/passive Form |
| F50.00 | Anorexie ohne aktive Massnahmen | Asketische, passive, restriktive Form |
| F50.01 | Anorexie mit aktiven Massnahmen | Aktive, bulimische Form |
| F50.2 | Bulimia nervosa | Hyperorexia nervosa |
| F50.3 | Atypische Bulimia nervosa | Bulimie mit Normalgewicht |
Entstehung von Essstörungen
Abschnitt betitelt „Entstehung von Essstörungen“Die Essstörungen reichen von der Appetitstörung, bei der Kinder nach dem Urteil der Eltern schlecht essen, über das Erbrechen nach einer meist erzwungenen Nahrungsaufnahme bis zur Magersucht, bei der vor allem Mädchen so stark abmagern, dass Gefahr für ihr Leben besteht.
Ursachen bei Kindern
Abschnitt betitelt „Ursachen bei Kindern“- Fehlende Zärtlichkeit und Liebe
- Mangelndes Akzeptieren des Kindes im Elternhaus
- Übermässiger Wert auf das Essen
- Überängstliche und überbesorgte Mütter
- Oppositionshaltung gegen die Eltern
Anorexia nervosa (Magersucht)
Abschnitt betitelt „Anorexia nervosa (Magersucht)“Die Magersucht ist eine lebensbedrohende Störung, deren Häufigkeit in den letzten Jahren massiv zugenommen hat. Betroffen sind vor allem junge Frauen und Mädchen in der Pubertät.
Der Ausbruch liegt oft um das 12. Lebensjahr – zusammenfallend mit dem ersten Eintritt der Periode.
Merkmale der Anorexie
Abschnitt betitelt „Merkmale der Anorexie“- Sehr grosse Angst vor dem Zunehmen
- Gewicht liegt mindestens 15% unter dem Normalwert
- Streben nach weiterer Gewichtsreduktion durch:
- Appetitzügler
- Erbrechen aufgenommener Nahrung
- Vermeiden kalorienhaltiger Lebensmittel
- Übertriebene körperliche Aktivitäten
- Gestörte Körperwahrnehmung – immer das Gefühl, zu dick zu sein
Der Unterschied zur Bulimie
Abschnitt betitelt „Der Unterschied zur Bulimie“Bei der Anorexie gibt es keine Essattacken. Es herrscht ein kontinuierliches Abnehmen vor.
- Anorexia nervosa (aktiv): Abnehmen wird durch Erbrechen unterstützt
- Anorexia nervosa (passiv): Abnehmen nur durch Nahrungsverweigerung
Der Anorektiker sagt: “Ich bin zu dick.” Der Bulimiker sagt: “Ich werde zu dick.”
Typische Verhaltensweisen
Abschnitt betitelt „Typische Verhaltensweisen“- Ständige Beschäftigung mit dem Thema Essen
- Sammeln von Rezepten, Kochen für andere – ohne selbst zu essen
- Sagt man einem Betroffenen, er habe zugenommen, bewirkt dies einen massiven Krankheitsschub
- Den meisten fehlt die Krankheitseinsicht
Mögliche Ursachen
Abschnitt betitelt „Mögliche Ursachen“- Psychoanalytisch: Furcht vor zu starken sexuellen Impulsen; Konflikt beim Versuch, sich von der Mutter abzulösen
- Lerntheoretisch: Einseitige Orientierung am Idealbild einer zu schlanken Frau
- Neurologisch: Beeinträchtigung des Hypothalamus (Nahrungsaufnahme, sexuelle Aktivität, Menstruation)
- Gestörte und krankmachende Beziehungen in der Familie
- Auslösende Ereignisse (Trennungs- und Verlusterlebnisse, Beginn der Pubertät)
Bulimia nervosa
Abschnitt betitelt „Bulimia nervosa“Von der Bulimie sind vor allem junge Frauen betroffen. Sie nehmen periodisch sehr grosse Mengen an Nahrung zu sich (Heisshungeranfälle), führen dann aber jedes Mal ein Erbrechen herbei.
Unterschied zur Magersucht
Abschnitt betitelt „Unterschied zur Magersucht“- Bulimiker sind kaum untergewichtig
- Aber wie Magersüchtige: sehr grosse, unangemessene Angst, zu dick zu werden
- Essen erfolgt oft in aller Heimlichkeit
- Der Wechsel von Essen und Erbrechen kann sich bis zur völligen Erschöpfung wiederholen
Reaktionen nach dem Erbrechen
Abschnitt betitelt „Reaktionen nach dem Erbrechen“- Oft deprimiert
- Scham über das Verhalten
- Im Unterschied zur Magersucht: Krankheitseinsicht vorhanden
Körperliche Folgen
Abschnitt betitelt „Körperliche Folgen“- Wunde Kehle
- Geschwollene Speicheldrüsen
- Zerstörter Zahnschmelz
- Darmschädigungen
Auslöser
Abschnitt betitelt „Auslöser“- Konflikthafte Situationen in der Kindheit
- Starke Einschränkungen in der Kindheit
- Akute Belastungssituationen:
- Trennungen
- Tod eines Angehörigen
- Partnerschaftsprobleme
Zusammenhang mit anderen Störungen
Abschnitt betitelt „Zusammenhang mit anderen Störungen“Oft gehen beide Essstörungen einher mit anderen Persönlichkeitsstörungen (Komorbidität):