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Symptome der Depression

Die Depression erfasst nicht nur die Gedanken und die Gefühle, sondern die gesamte Motorik. Der Antrieb ist weg, der Mensch hat kein Gefühl mehr. Im wahrsten Sinne: Betroffene können nicht mehr leben.

  • Gedrückte Stimmung - ändert sich von Tag zu Tag wenig
  • Interessenverlust - Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten
  • Antriebsminderung - führt zu erhöhter Ermüdbarkeit und Aktivitätseinschränkung
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit

Beschwerden sind wie oben beschrieben. Bezeichnend ist die gähnende innere Leere, Mutlosigkeit, fehlender Antrieb. Bei schwerer Ausprägung liegt der Betroffene nur noch im Bett, unfähig, etwas aus eigenem Antrieb zu tun. Dies kann sich auch auf das Sprechen ausdehnen.

Typisch sind:

  • Gefühle der Sinnlosigkeit
  • Ein Gefühl, nicht fühlen zu können
  • Unfähigkeit zu weinen
  • Massive Selbstvorwürfe, gekoppelt an starke Schuldgefühle
  • “Ich habe alles (im Leben) falsch gemacht”

Für die Diagnose einer leichten depressiven Episode sind erforderlich:

  • Mindestens 2 der 3 Hauptsymptome
  • Mindestens 2 der Zusatzsymptome
  • Dauer: mindestens 2 Wochen

Der Patient ist im Allgemeinen noch in der Lage, die meisten Aktivitäten des täglichen Lebens fortzusetzen.

Für die Diagnose erforderlich:

  • Mindestens 2 der 3 Hauptsymptome
  • Mindestens 3-4 der Zusatzsymptome
  • Dauer: mindestens 2 Wochen

Der Patient hat meist erhebliche Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.

Für die Diagnose erforderlich:

  • Alle 3 Hauptsymptome
  • Mindestens 4 der Zusatzsymptome (davon einige besonders ausgeprägt)
  • Dauer: mindestens 2 Wochen (oder kürzer bei besonders schweren Symptomen)

In einigen Fällen können andere Symptome im Vordergrund stehen:

  • Zeitweilig Angst und Gequältsein
  • Motorische Unruhe
  • Reizbarkeit
  • Exzessiver Alkoholgenuss
  • Histrionisches Verhalten
  • Verstärkung früher vorhandener phobischer oder zwanghafter Symptome
  • Hypochondrische Grübeleien

Das somatische Syndrom (auch “melancholische” oder “endogene” Merkmale genannt) umfasst:

SymptomBeschreibung
AnhedonieInteressenverlust oder Verlust der Freude
Emotionale UnreaktivitätMangelnde Fähigkeit, auf positive Ereignisse zu reagieren
Frühmorgendliches Erwachen2+ Stunden vor der gewohnten Zeit
MorgentiefStimmungsverschlechterung am Morgen
Psychomotorische VeränderungenHemmung oder Agitiertheit
AppetitverlustDeutlich verminderte Nahrungsaufnahme
GewichtsverlustHäufig mehr als 5% im vergangenen Monat
LibidoverlustDeutlich vermindertes sexuelles Interesse

Für die Diagnose depressiver Episoden aller Schweregrade wird gewöhnlich eine Dauer von mindestens 2 Wochen verlangt. Kürzere Zeiträume können berücksichtigt werden, wenn die Symptome ungewöhnlich schwer oder schnell aufgetreten sind.

Bei der Diagnose sind viele Dinge zu berücksichtigen:

  • Liegt eine Persönlichkeitsstörung vor? (z.B. erkranken Histrioniker häufiger)
  • Liegt ein psychotroper Substanzmissbrauch vor? (Alkohol, Cannabis, Amphetamine, Schmerzmittel etc.)
  • Wie war die Kindheit und das Elternhaus?
  • Gab es traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit?
  • Bestehen soziale oder Beziehungsprobleme? (Trennung, Verlust)
  • Gab es frühere depressive Episoden?
  • Wie ist das Charakterbild/Psychogramm?
  • Sind die hormonbildenden Drüsen in Ordnung? (Schilddrüsenerkrankungen können Depression verursachen)
  • Werden Medikamente eingenommen? (z.B. können empfängnisverhütende Mittel Depression auslösen)

Eine Demenz (F00-F03) oder eine Intelligenzminderung (F70-F79) schliessen die Diagnose einer behandelbaren depressiven Episode nicht aus. Aber wegen der Kommunikationsprobleme ist es dabei mehr als sonst erforderlich, die objektiv zu beobachtenden somatischen Symptome zur Diagnose heranzuziehen.

Die Episode ist nicht auf einen Missbrauch psychotroper Substanzen (F10-F19) oder auf eine organische psychische Störung (F00-F09) zurückzuführen.

Nach ICD-10 fallen unter depressive Episoden:

  • Einzelne Episoden der depressiven Reaktion
  • Major Depression (ohne psychotische Symptome)
  • Psychogene Depression
  • Reaktive Depression