Symptome der Depression
Allgemeine Symptome
Abschnitt betitelt „Allgemeine Symptome“Die Depression erfasst nicht nur die Gedanken und die Gefühle, sondern die gesamte Motorik. Der Antrieb ist weg, der Mensch hat kein Gefühl mehr. Im wahrsten Sinne: Betroffene können nicht mehr leben.
Hauptsymptome
Abschnitt betitelt „Hauptsymptome“- Gedrückte Stimmung - ändert sich von Tag zu Tag wenig
- Interessenverlust - Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten
- Antriebsminderung - führt zu erhöhter Ermüdbarkeit und Aktivitätseinschränkung
Zusatzsymptome
Abschnitt betitelt „Zusatzsymptome“- Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
- Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
- Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
- Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
- Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen
- Schlafstörungen
- Verminderter Appetit
Beschreibung des Zustands
Abschnitt betitelt „Beschreibung des Zustands“Beschwerden sind wie oben beschrieben. Bezeichnend ist die gähnende innere Leere, Mutlosigkeit, fehlender Antrieb. Bei schwerer Ausprägung liegt der Betroffene nur noch im Bett, unfähig, etwas aus eigenem Antrieb zu tun. Dies kann sich auch auf das Sprechen ausdehnen.
Typisch sind:
- Gefühle der Sinnlosigkeit
- Ein Gefühl, nicht fühlen zu können
- Unfähigkeit zu weinen
- Massive Selbstvorwürfe, gekoppelt an starke Schuldgefühle
- “Ich habe alles (im Leben) falsch gemacht”
Schweregrade nach ICD-10
Abschnitt betitelt „Schweregrade nach ICD-10“Leichte depressive Episode
Abschnitt betitelt „Leichte depressive Episode“Für die Diagnose einer leichten depressiven Episode sind erforderlich:
- Mindestens 2 der 3 Hauptsymptome
- Mindestens 2 der Zusatzsymptome
- Dauer: mindestens 2 Wochen
Der Patient ist im Allgemeinen noch in der Lage, die meisten Aktivitäten des täglichen Lebens fortzusetzen.
Mittelgradige depressive Episode
Abschnitt betitelt „Mittelgradige depressive Episode“Für die Diagnose erforderlich:
- Mindestens 2 der 3 Hauptsymptome
- Mindestens 3-4 der Zusatzsymptome
- Dauer: mindestens 2 Wochen
Der Patient hat meist erhebliche Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.
Schwere depressive Episode
Abschnitt betitelt „Schwere depressive Episode“Für die Diagnose erforderlich:
- Alle 3 Hauptsymptome
- Mindestens 4 der Zusatzsymptome (davon einige besonders ausgeprägt)
- Dauer: mindestens 2 Wochen (oder kürzer bei besonders schweren Symptomen)
Atypische Erscheinungsbilder
Abschnitt betitelt „Atypische Erscheinungsbilder“In einigen Fällen können andere Symptome im Vordergrund stehen:
- Zeitweilig Angst und Gequältsein
- Motorische Unruhe
- Reizbarkeit
- Exzessiver Alkoholgenuss
- Histrionisches Verhalten
- Verstärkung früher vorhandener phobischer oder zwanghafter Symptome
- Hypochondrische Grübeleien
Das somatische Syndrom
Abschnitt betitelt „Das somatische Syndrom“Das somatische Syndrom (auch “melancholische” oder “endogene” Merkmale genannt) umfasst:
| Symptom | Beschreibung |
|---|---|
| Anhedonie | Interessenverlust oder Verlust der Freude |
| Emotionale Unreaktivität | Mangelnde Fähigkeit, auf positive Ereignisse zu reagieren |
| Frühmorgendliches Erwachen | 2+ Stunden vor der gewohnten Zeit |
| Morgentief | Stimmungsverschlechterung am Morgen |
| Psychomotorische Veränderungen | Hemmung oder Agitiertheit |
| Appetitverlust | Deutlich verminderte Nahrungsaufnahme |
| Gewichtsverlust | Häufig mehr als 5% im vergangenen Monat |
| Libidoverlust | Deutlich vermindertes sexuelles Interesse |
Diagnostische Kriterien
Abschnitt betitelt „Diagnostische Kriterien“Für die Diagnose depressiver Episoden aller Schweregrade wird gewöhnlich eine Dauer von mindestens 2 Wochen verlangt. Kürzere Zeiträume können berücksichtigt werden, wenn die Symptome ungewöhnlich schwer oder schnell aufgetreten sind.
Wichtige diagnostische Überlegungen
Abschnitt betitelt „Wichtige diagnostische Überlegungen“Bei der Diagnose sind viele Dinge zu berücksichtigen:
- Liegt eine Persönlichkeitsstörung vor? (z.B. erkranken Histrioniker häufiger)
- Liegt ein psychotroper Substanzmissbrauch vor? (Alkohol, Cannabis, Amphetamine, Schmerzmittel etc.)
- Wie war die Kindheit und das Elternhaus?
- Gab es traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit?
- Bestehen soziale oder Beziehungsprobleme? (Trennung, Verlust)
- Gab es frühere depressive Episoden?
- Wie ist das Charakterbild/Psychogramm?
- Sind die hormonbildenden Drüsen in Ordnung? (Schilddrüsenerkrankungen können Depression verursachen)
- Werden Medikamente eingenommen? (z.B. können empfängnisverhütende Mittel Depression auslösen)
Ausschlussdiagnosen
Abschnitt betitelt „Ausschlussdiagnosen“Eine Demenz (F00-F03) oder eine Intelligenzminderung (F70-F79) schliessen die Diagnose einer behandelbaren depressiven Episode nicht aus. Aber wegen der Kommunikationsprobleme ist es dabei mehr als sonst erforderlich, die objektiv zu beobachtenden somatischen Symptome zur Diagnose heranzuziehen.
Häufigstes Ausschlusskriterium
Abschnitt betitelt „Häufigstes Ausschlusskriterium“Die Episode ist nicht auf einen Missbrauch psychotroper Substanzen (F10-F19) oder auf eine organische psychische Störung (F00-F09) zurückzuführen.
Dazugehörige Begriffe
Abschnitt betitelt „Dazugehörige Begriffe“Nach ICD-10 fallen unter depressive Episoden:
- Einzelne Episoden der depressiven Reaktion
- Major Depression (ohne psychotische Symptome)
- Psychogene Depression
- Reaktive Depression