Psychodynamisches Modell der Depression
Das psychodynamische Modell hilft zu verstehen, wie die verschiedenen psychischen Instanzen (ICH, Über-ICH, ES) bei einer Depression zusammenwirken und welche inneren Konflikte zur Erkrankung beitragen.
Das ICH-Modell bei Depression
Abschnitt betitelt „Das ICH-Modell bei Depression“Das folgende Diagramm zeigt das Zusammenspiel der psychischen Instanzen bei einer depressiven Erkrankung.

Legende zum ICH-Modell
Abschnitt betitelt „Legende zum ICH-Modell“| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| A | Abwehrmechanismen des ICH |
| B1 | Kräfte bzw. Energien, die aus Säule I und II des Über-Ich auf das ICH drücken |
| B2 | Kräfte bzw. Energien, die aus Säule III des Über-Ich auf das ICH drücken |
| C | Abwehrenergien, die das ICH für die Abwehrmechanismen heranzieht |
| A+C | Abwehrhandlung des ICH |
| D | Starre Verbindung mit Inversivgelenk (G) zum Selbst |
| E1, E2 | ES-Impulse, Triebenergien |
| G | Inversivgelenk (Inversiv = Umkehr) |
| SB | Selbstbeobachtung, Introspektion |
| S | Vergleich soziales Selbst mit Selbst und umgekehrt |
| SE | Selbsterkenntnis |
| SF | Übergang Fremdbild in das soziale Selbst |
| SR | Selbstregularien |
| SS | Einfluss des sozialen Selbst auf das Selbstwertgefühl |
| IS | Ichdiskrepanz, Selbstverwirklichung, narzisstisches Gleichgewicht |
| VI | Vergleich Ideal-Ich / Ideal-Selbst versus Ich-Ideal / Ideal-Objekte |
Das Über-ICH bei Depression
Abschnitt betitelt „Das Über-ICH bei Depression“Das Über-ICH spielt bei der Depression eine zentrale Rolle. Es enthält verinnerlichte Normen, Werte und Verbote, die oft übermässig streng sind.

Psychodynamische Erklärung der Depression
Abschnitt betitelt „Psychodynamische Erklärung der Depression“Der depressive Grundkonflikt
Abschnitt betitelt „Der depressive Grundkonflikt“Analytiker sprechen bei der Depression vom depressiven Grundkonflikt:
Der Selbstwertkonflikt
Abschnitt betitelt „Der Selbstwertkonflikt“Gleichzeitig ist bei Depressiven der Selbstwertkonflikt vorhanden:
“Überhöhte Ansprüche an sich selbst und gleichzeitig die vollkommene Selbstentwertung.”
Diese Konflikte treffen auch auf die Borderline-Störung zu und bilden unter anderem auch deren Grundkonflikt. Hier zeigt sich, wie eng die Depression zur Borderline-Störung gehört.
Entstehung in der Kindheit
Abschnitt betitelt „Entstehung in der Kindheit“Die Ablehnung und Abwertung, die das Kind von seinen Eltern - insbesondere der Mutter - erfährt, führt zwangsläufig zu der Frage:
“Was ist mit mir los, dass ich nicht geliebt werde?”
Diese Frage verinnerlicht sich so stark, dass sie die Selbstzweifel des später Erwachsenen begründet. Dies erklärt auch die häufig auftretenden depressiven Episoden bei der Borderline-Störung.
Die Rolle der psychischen Instanzen
Abschnitt betitelt „Die Rolle der psychischen Instanzen“Das ES enthält die Triebe und Impulse. Bei der Depression sind diese oft:
- Unterdrückt durch ein übermächtiges Über-ICH
- Gegen das Selbst gerichtet (Autoaggression)
- In Form von Wut nach innen gekehrt
Das ICH
Abschnitt betitelt „Das ICH“Das ICH ist bei der Depression:
- Geschwächt und überlastet
- Unfähig, zwischen ES und Über-ICH zu vermitteln
- Mit starren Abwehrmechanismen ausgestattet
Das Über-ICH
Abschnitt betitelt „Das Über-ICH“Das Über-ICH ist bei Depressiven oft:
- Übermässig streng und strafend
- Quelle ständiger Selbstkritik
- Unrealistisch in seinen Anforderungen
Therapeutische Implikationen
Abschnitt betitelt „Therapeutische Implikationen“Das Verständnis dieser psychodynamischen Zusammenhänge ist wichtig für die Therapie:
- Bewusstmachung der inneren Konflikte
- Lockerung des überstrengen Über-ICH
- Stärkung des ICH
- Integration abgespaltener Gefühle (besonders Wut)
- Aufarbeitung früher Beziehungserfahrungen