Psychodynamisches Modell
Das psychodynamische Modell hilft zu verstehen, wie die Persönlichkeitsstruktur bei der Borderline-Störung aufgebaut ist und warum bestimmte Symptome entstehen.
Die ICH-Struktur bei Borderline
Abschnitt betitelt „Die ICH-Struktur bei Borderline“Stellen Sie sich das ICH als komplexe, zusammenhängende Einheit vor - die Persönlichkeit. Dieses ICH entwickelt sich im Laufe der Jahre langsam, und dafür braucht es die richtige Chance durch Mutter, Vater, Bezugspersonen und das soziale Umfeld.
Bei einer gesunden Entwicklung:
- Bildet sich eine komplexe Einheit des ICH
- Vergleichbar mit einer Wasserwaage, die im Gleichgewicht ist
- Das ICH ist stabil und integriert
Bei der Borderline-Störung:
- Bekommt das ICH nicht die Chance sich vollständig zu entwickeln
- Es entstehen nur Fragmente (Bruchstücke)
- Diese Fragmente hängen nicht zusammen (keine komplexe Einheit)
- Die “Wasserwaage” ist aus dem Gleichgewicht
Das Selbst und seine Komponenten
Abschnitt betitelt „Das Selbst und seine Komponenten“Über das ICH definiert sich das Selbst. Wenn das ICH aus dem Gleichgewicht ist, kippt auch das Selbst.
Das Selbst beinhaltet:
Abschnitt betitelt „Das Selbst beinhaltet:“- Das Selbstbild - Wie sehe ich mich?
- Das Selbstbewusstsein - Wer bin ich?
- Das Selbstwertgefühl - Was bin ich mir und anderen wert?
- Das soziale Selbst - Wird abgeglichen mit dem Fremdbild (wie sehen mich andere?) und wiederum mit Selbstbild und Selbstwertgefühl
Dieser Komplex des Selbst wird abgeglichen mit dem Ideal-Ich und Ideal-Selbst (Säule des ÜBER-ICH). Die Differenz nennt man Ich-Diskrepanz.
Das ES beinhaltet die Triebe und Antriebe des Menschen - gewaltige Energien, die uns zum Handeln bewegen.
Das ÜBER-ICH
Abschnitt betitelt „Das ÜBER-ICH“Das ÜBER-ICH lässt sich in einem Drei-Säulen-Prinzip darstellen:
Säule 1: Das Gewissen
Abschnitt betitelt „Säule 1: Das Gewissen“- Reifes Gewissen
- Ödipales Gewissen (geprägt durch das Elternimago und Leitbilder)
- Archaisches Gewissen
Säule 2: Ich-Ideal und Ideal-Objekte
Abschnitt betitelt „Säule 2: Ich-Ideal und Ideal-Objekte“- Wie möchte ich sein?
- Vorbilder und Leitbilder (spätere Bezugspersonen)
- Elternimago (Urbild der Eltern)
Säule 3: Ideal-Selbst
Abschnitt betitelt „Säule 3: Ideal-Selbst“- Grössenphantasien (geprägt durch Elternimago und Leitbilder)
- Archaisches Grössenselbst
Innerhalb des ÜBER-ICH findet zwischen Ideal-Selbst (3. Säule) und Ich-Ideal/Ideal-Objekte (2. Säule) ein ständiger Abgleich statt.
Der innere Konflikt
Abschnitt betitelt „Der innere Konflikt“Impulse vom ES drängen nach oben gegen das ICH (z.B. “Ich will…”). Das ICH wäre dem schutzlos ausgeliefert, gäbe es nicht das ÜBER-ICH, das ebenfalls Forderungen an das ICH stellt.
Bildlich gesprochen:
Abschnitt betitelt „Bildlich gesprochen:“Stellen Sie sich vor, Sie stehen zwischen zwei Eisenbahnwaggons. Beide kommen ungebremst von jeder Seite auf Sie zu. Was können Sie tun?
Abwehrmechanismen
Abschnitt betitelt „Abwehrmechanismen“Die Psyche hat Schutzmechanismen (Abwehrmechanismen des ICH) entwickelt. Diese sitzen zwischen dem ES (von unten) und dem ÜBER-ICH (von oben) als Pufferzone.
Bei einem gesunden Menschen:
- Entwickeln sich im Laufe der Zeit funktionale Abwehrmechanismen
- Diese schützen das ICH vor den auftreffenden Energien
Bei Borderline
Abschnitt betitelt „Bei Borderline“Der Borderliner hat diese Schutzmechanismen nicht ausreichend entwickelt. Es bleiben nur zwei Möglichkeiten:
- Zusammenbruch: Die “Waggons krachen aufeinander” - die ICH-Fragmente fliegen auseinander
- Dissoziation: Verlassen des Selbst (“Mir passiert das nicht, das ist wer anders, das bin nicht ich”)
Dies erklärt, warum Betroffene:
- Zu dissoziativen Zuständen neigen
- Unter Stress regelrecht “zerfallen”
- Primitive Abwehrmechanismen wie Spaltung verwenden
Therapeutische Implikationen
Abschnitt betitelt „Therapeutische Implikationen“Das Verständnis dieses Modells hat wichtige Konsequenzen für die Therapie:
- Strukturaufbau: Therapie muss helfen, ICH-Strukturen aufzubauen und zu integrieren
- Affektregulation: Lernen, mit den Energien des ES umzugehen
- Realistisches Selbstbild: Die Ich-Diskrepanz verringern
- Neue Abwehrmechanismen: Reifere Abwehrmechanismen entwickeln