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Dynamiken in der Partnerschaft

Die Abwertungs- und Trennungsphasen treten beim Borderliner schlagartig auf. Sie telefonieren zärtlich und plötzlich ändert sich alles - innerhalb von Stunden. Der Borderliner geht dann mit äusserster Härte und Kälte vor.

Diese Härte ist bedingt durch:

  • Den Spaltungsmechanismus
  • Das Manipulationsverhalten
  • Das Wissen um Ihre Druck- und Schwachpunkte

In diesen Situationen behandelt er Sie wie Dreck - den Menschen, den er noch vor Stunden so liebte.


Normale Beziehungen zerbrechen zu 80% an fehlender Kommunikation - man lebt sich auseinander. Nicht so die Borderline-Beziehung: Sie zerbricht nicht, sondern wird schlagartig beendet - besser ausgedrückt zertrümmert.

Der Borderliner hat ein anderes Zeitempfinden als Sie:

  • Was für Sie Stunden sind, sind für ihn Tage
  • Was für Sie Wochen sind, sind für ihn Monate

So werden Sie oft feststellen: Sie sagen “Mensch, das haben wir doch letzte Woche erst besprochen!” und er sagt “Ach, das ist doch schon ewig her.”


Der Borderliner trägt drei Hauptängste in sich:

  1. Angst vor dem Verschlungenwerden - obwohl er die Symbiose sucht
  2. Angst vor dem Verlassenwerden - obwohl er immer wieder absolute Distanz herstellt
  3. Angst vor der chronischen inneren Leere

M. ist weiblich und leidet unter der Borderline-Störung. K. ist männlich.

Der Ausgangspunkt der folgenden Situation kann alles sein: ein Wutausbruch, ein Streit, eine kurze Trennung oder die Androhung dessen. Der Ursprung ist, dass M. Angst hat. Ihre Spannung erhöht sich explosionsartig.

M. kann ihre Angst nicht artikulieren. Sie sagt nicht “Ich habe Angst, von dir verschlungen oder verlassen zu werden.” In der Regel hören Sie:

  • “Ich fühle mich von dir unter Druck gesetzt”
  • “Ich fühle mich kontrolliert”
  • “Das geht mir alles zu schnell”
  • “Ich habe Angst vor dir”
  1. K.: “Was ist los mit dir, warum reagierst du so?”
  2. M.: (Angriff) “Ich fühle mich von dir unter Druck gesetzt, kontrolliert!”
  3. K.: “Aber du wolltest doch, dass ich das mache…”
  4. M.: “Ja, aber das geht mir jetzt alles zu schnell.”
  5. K.: “Schatz, komm mal her. Es sind wieder deine Ängste, die hochkommen, stimmt’s?”
  6. M.: “Ja.” (kommt wie ein Kind, schmiegt den Kopf an seine Schulter, weint)
  7. K.: “Was sind das für Ängste?” (hier versagt der Borderliner, da er es nicht erklären kann)
  8. M.: “Ach, ich weiss auch nicht, mich kotzt das alles an.”
  9. K.: “Willst du darüber reden?”
  10. M.: “Lass mich einfach in Ruhe.” (Der Kopf zieht sich zurück, der Blick wird kalt)
  11. K.: “Du brauchst keine Angst zu haben, ich beschütze dich. Aber du musst mit mir sprechen, wenn deine Ängste hochkommen.”
  12. M.: “Ja, mache ich. Ich liebe dich doch und will dich nicht verlieren.”

Das Ergebnis: Diese Kommunikation endet in Leidenschaft und Liebe. Man sollte meinen, alles sei gut. Nach dem Akt, der für M. wieder die Symbiose herstellt, hat M. keine Ängste mehr - und hat sie auch vergessen.

Bis zur nächsten Angst. Dann öffnet M. wieder das Ventil und reagiert wie immer.


Meist sehen solche Interaktionen anders aus:

  • Es wird sich geprügelt
  • Geschirr fliegt durch die Luft
  • Hysterische Anfälle
  • Messer werden gezogen
  • Hass, Negierung, Abwertung
  • Realitätsverdrehen
  • Schuldzuweisungen
  • Beziehungsabbruch

J. (Borderline-Störung, weiblich) und K.

J. ist in der Tagesklinik und zeitlich verhindert. Ohne J. zu informieren, nimmt K. ein dringendes Telefonat in die Hand und macht für sie den Termin - in der Hoffnung, J. Stress abzunehmen.

Das Ergebnis: J. dreht auf 180, fühlt sich hintergangen (weil sie “erwischt” wurde, wieder alles vor sich herzuschieben). Keine Erklärung hilft. Es folgen:

  1. Vorwürfe: “Mein Selbstbewusstsein ist jetzt noch weiter runter. Alle behandeln mich wie ein Baby.”
  2. Abwertung: Jeglicher in der Beziehung noch gestern gut gewesenen Dinge, jeglicher Hilfe. “Ich habe dich nie um Hilfe gebeten.”
  3. Provokation: “Du hast mich nie geliebt. Du wolltest nie wirklich ein Kind mit mir.”
  4. Selbstabwertung: “Ich bin eine Hure, ich wollte es doch so.”
  5. Der erste Dolch: “Ich werde die Anzeige zurückziehen, denn ich wollte es ja. Ich werde es immer wieder tun.”

Nun kommt die Suizidankündigung. Bei einem Borderliner wissen Sie nie, ob diese wahrgemacht wird. In der Regel nicht, da es ein Hilfeschrei ist.

SMS-Beispiele:

  • “Zettel liegt auf dem Tisch, alles steht drauf, mach’s gut”
  • “Ich wünsche dir ein schönes Leben”
  • “Such dir eine, die zu dir passt”
  • “Nehme kein Handy mit, brauchst gar nicht versuchen, mich zu erreichen”
  • “Mich wird keiner finden”

Sie, völlig am Boden zerstört, können keinen klaren Gedanken fassen. Stecken im Zwiespalt:

  • Legen Sie auf = Sie sind Täter: “Ich wusste es doch, du bist wie alle anderen”
  • Legen Sie nicht auf = Sie gehen an Ihre psychischen Grenzen

  1. Option 1 - Druck: “Entweder du fährst jetzt nach Hause und wir reden, oder es ist endgültig vorbei.”

    • Risiko: Borderliner schaltet auf stur
  2. Option 2 - Provokation: “Ok, fahr doch vor die Mauer, ist mir egal.”

    • Risiko: “Ha, ich wusste, dass ich dir egal bin. Danke, dass du es mir so einfach machst.” - und tut es
  3. Option 3 - Schweigen: Auf nichts mehr reagieren, egal welche Anrufe oder SMS.

    • Risiko: “Keiner liebt mich, was soll ich noch hier?” - und tut es

Nach der Einsicht folgt oft die Omnipotenzphase (Omnipotenz = Allmacht). Der Borderliner behandelt Sie wie ein Gebrauchsstück. Er weiss genau, wie man damit Menschen manipulieren kann.

Das Prinzip: “Ich will / Ich will nicht.” Alles oder nichts. Schwarz oder weiss.

Wenn der Borderliner nicht will, können Sie nicht mit ihm reden. Er unterbindet jede Möglichkeit der Kommunikation. Sein Motto:

  • “Jetzt will ich reden” - und gibt keine Ruhe
  • Oder es wird gleich auf Trennung gegangen

Nach solchen Eskalationen ist Ihr Spannungs- und Erregungsniveau am Rande des Kollapses. Ihre Nerven sind aufs Äusserste gereizt. Sie befinden sich nicht mehr in der Mitte.

Just in diesem Moment kommt der Borderliner und verlangt:

  • Mit Ihnen zu reden, ODER
  • Die sofortige Versöhnung (in Form der Symbiose)

Bitten Sie jetzt um Zeit, haben Sie die nächste Katastrophe. Sie haben kaum eine Wahl:

  • Geben Sie in der Versöhnung nach = Er bekommt mehr Macht, Sie konnten nicht verarbeiten
  • Lassen Sie sich auf Kommunikation ein = Diese ist zum Scheitern verurteilt

Sicher haben Sie schon bemerkt, dass Sie sich innerhalb der Beziehung ständig rechtfertigen müssen - für alles. Und den überzogenen, massiven Forderungen nachgeben müssen.

Das befriedigt sein Macht- und Kontrollbedürfnis, da Sie es natürlich tun.


In einer normalen Beziehung pegeln sich Verhaltens- und Kommunikationsmuster aufeinander ein. Durch das nicht vorhersehbare, instabile Verhalten eines Borderliners ist dies unmöglich.

Grundlage einer tragfähigen Beziehung ist die funktionierende Kommunikation. Diese existiert in einer Borderline-Beziehung nur kurzzeitig und fragmentiert.

Der Borderliner sendet immer zwei sich widersprechende Botschaften (Ambivalenz) - das Paradoxon der Kommunikation.


Quellenhinweis: Diese Inhalte basieren auf den Materialien der Borderlinezone (2002-2007) und wurden für dieses Informationsportal aufbereitet.