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Angst und Angststörungen

Sie können Angst nur besiegen, indem Sie sich ihr stellen. Angst ist ein Zustand, in dem Sie glauben, er könne Sie umbringen. Wenn Sie sich nicht der Angst stellen, breitet sie sich räumlich und zeitlich proportional aus.

Zunächst ist Angst ein natürlicher Schutzmechanismus jedes Lebewesens. Ohne Angst könnten wir nicht überleben. Dennoch ist sie beim Menschen ein Zustand, der aus einem Gemisch von Gefühlen resultiert, die nicht mehr einzuordnen sind.

  • Das Wissen um die Unwissenheit und deren Folgen
  • Ein Nicht-berechnen-Können der Situation (da der Mensch linear denkt)
  • Psychische Orientierungslosigkeit

Die Symptome können vielseitig sein und treten nicht bei jedem auf:

  • Herzrasen
  • Herzstolpern
  • Augenliderflattern beim Hinlegen
  • Schwindelgefühle
  • Frieren
  • Zittern
  • Schweissausbrüche
  • Das Gefühl, den Boden unter den Füssen zu verlieren
  • Atemnot
  • Würgegefühle
  • Erbrechen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Periodenverschiebung
  • Unterleibsschmerzen
  • Brustschmerzen
  • Herzschmerzen
  • Albträume, Schlafstörungen
  • Hautirritationen (Ameisenlaufen, Hautbrennen, Juckreiz)
  • Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten

Eine Borderline-Persönlichkeit kennt in der Regel nur eine Möglichkeit der Angstbewältigung: Weglaufen.

Wird der Borderliner allerdings in einem Zustand der Aggression angegriffen, handelt er nicht mit der natürlichen Schutzfunktion Angst. Stattdessen setzt er alles daran, den “Gegner” zu vernichten. Die Angst wächst dabei massiv in ihm. Um dieser gegenzusteuern, wird er immer brutaler und greift zu Mitteln, die durch nichts mehr zu rechtfertigen sind.

Die freiflottierende (nicht objektgerichtete) Angst ist Teil der Borderline-Störung. Borderliner haben keine oder kaum Abwehrmechanismen, was für Partner ihre Reaktionen oft völlig unverständlich macht.

Bei vielen Borderlinern spielt auch die soziale Angst eine enorme Rolle. Daher haben sehr viele Borderliner die Zusatzdiagnose (Komorbidität) Angststörung:

  • F40.9 - Phobische Störung, nicht näher bezeichnet
  • F41.x - Andere Angststörungen
  • F45.2 - Hypochondrische Störung
  • Anhaltende Angst, die nicht auf bestimmte Situationen beschränkt ist
  • “Frei flottierende” Angst
  • Ständige Befürchtungen und Sorgen
  • Körperliche Anspannung
  • Wiederkehrende schwere Angstattacken (Panikattacken)
  • Nicht auf spezifische Situationen beschränkt
  • Plötzlicher Beginn
  • Herzrasen, Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel
  • Angst zu sterben, verrückt zu werden oder die Kontrolle zu verlieren
  • Angst vor öffentlichen Plätzen
  • Angst vor Menschenmengen
  • Angst, allein zu reisen
  • Angst, das Haus zu verlassen
  • Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere
  • Vermeidung sozialer Situationen
  • Angst vor Kritik oder Ablehnung
  • Häufig verbunden mit niedrigem Selbstwertgefühl
  • Angst beschränkt auf bestimmte Situationen oder Objekte
  • Beispiele: Höhenangst, Flugangst, Spinnenangst, Blutphobie
  • Übermässige Beschäftigung mit der Angst, eine ernsthafte Krankheit zu haben
  • Missdeutung körperlicher Symptome
  • Trotz ärztlicher Beruhigung anhaltende Sorgen
Normale AngstAngststörung
Angemessene Reaktion auf reale GefahrÜbermässige Reaktion ohne reale Gefahr
Zeitlich begrenztAnhaltend oder wiederkehrend
Beeinträchtigt das Leben nicht wesentlichFührt zu erheblichen Einschränkungen
Kann kontrolliert werdenGefühl des Kontrollverlusts
Hilft beim ÜberlebenBeeinträchtigt die Lebensqualität
  1. Auslösende Situation - externe oder interne Reize
  2. Körperliche Symptome - Herzrasen, Schwitzen, Zittern
  3. Wahrnehmung - “Mit mir stimmt etwas nicht”
  4. Katastrophisierende Gedanken - “Ich sterbe, werde verrückt”
  5. Verstärkung der Angst - Panik steigt
  6. Vermeidungsverhalten - Situation wird künftig gemieden
  7. Kurzfristige Erleichterung - aber langfristige Verschlimmerung
  • Kognitive Verhaltenstherapie - Identifikation und Veränderung angstauslösender Gedanken
  • Expositionstherapie - schrittweise Konfrontation mit angstauslösenden Situationen
  • Entspannungsverfahren - Progressive Muskelentspannung, Atemübungen
  • Antidepressiva (SSRI, SNRI)
  • Bei Bedarf kurzfristig Benzodiazepine (mit Vorsicht wegen Abhängigkeitspotential)
  • Regelmässige Bewegung
  • Vermeidung von Koffein und Alkohol
  • Ausreichend Schlaf
  • Entspannungstechniken erlernen
  • Selbsthilfegruppen