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Was ist Alkoholismus?

Über den Umfang von Alkoholismus - also Alkoholmissbrauch, Alkoholabhängigkeit und alkoholbedingte Folgeschäden - gibt es unterschiedliche Zahlen und Statistiken. Unbestritten ist die Tatsache, dass Alkohol die Volksdroge Nummer eins ist.

In Deutschland hat die Abhängigkeit von legalen und illegalen Drogen mittlerweile epidemische Ausmasse angenommen und ist neben den Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen das drittgrösste Gesundheitsproblem.

  • Geschätzte Zahl behandlungsbedürftiger Alkoholabhängiger: 2,5 Millionen
  • Jährlich sterben rund 40.000 Menschen an den Folgen des Alkoholmissbrauchs
  • Bei rund 20% der Verkehrsunfälle ist Alkohol im Spiel

Der Alkohol ist seit Menschengedenken in seinen positiven wie auch negativen Eigenschaften bekannt. Menschen, die durch exzessives Trinkverhalten auffielen, wurden und werden bis heute als “Säufer”, charakterschwach oder willenlos stigmatisiert.

  • 1849: Huss sprach als erster vom Alkoholismus als Krankheit
  • 1915: Trunksucht wurde per Reichsversicherungsordnung als Krankheit anerkannt
  • Drittes Reich: Alkoholismus war ein Grund zur Zwangssterilisation
  • 1968: Alkoholismus wurde in der BRD wieder als Krankheit anerkannt

Das Diagnostisch-statistische Manual (DSM III) unterscheidet:

  • Alkoholmissbrauch
  • Alkoholabhängigkeit
  • Alkoholbedingte Folgeschäden

Bei Jellinek hat ein Alkoholiker folgende Merkmale:

  • Entzugserscheinungen
  • Toleranz (immer mehr Alkohol nötig für gleiche Wirkung)
  • Kontrollverlust
  • Unfähigkeit zur Abstinenz

Nach ICD 9 ist Alkoholmissbrauch definiert als ein “psychischer, manchmal auch körperlicher Zustand, der durch Alkoholgenuss entsteht und durch Verhaltensweisen charakterisiert ist, die immer den Drang einschliessen, ständig oder periodisch Alkohol zu sich zu nehmen, um dessen psychischen Effekt zu erleben.”

  • Exzessiver Alkoholgenuss
  • Alkoholrausch und akute Alkoholintoxikationen
  • Wobei keine Abhängigkeitserscheinungen auftreten

Folgende Kriterien müssen für die Diagnose Alkoholmissbrauch erfüllt sein:

  1. Vorliegen von Merkmalen eines pathologischen Alkoholkonsums
  2. Kontinuierlicher Alkoholkonsum trotz Gewahrseins von alkoholbedingten sozialen oder beruflichen Leistungseinbussen
  3. Dauer des Konsums bzw. der Beeinträchtigung von mindestens einem Monat
  • Bedürfnis nach täglichem Alkoholkonsum
  • Kontrollverlust
  • Versuche, durch zeitweilige Abstinenz den Konsum zu reduzieren
  • Trinktouren (mindestens zwei Tage)
  • Blackouts nach akuten Alkoholintoxikationen
  • Fortsetzung des Alkoholkonsums trotz verschlimmertem körperlichen Leiden
  • Konsum von denaturiertem Alkohol

Alkoholabhängigkeit bezeichnet das Vorliegen von Alkoholmissbrauch und zusätzlich entweder Toleranz oder Entzugserscheinungen.

Um eine psychische oder körperliche Wirkung zu erreichen, muss immer mehr Alkohol getrunken werden.

Nach Absetzen oder Reduktion des Alkohols treten auf:

  • Grobschlägiges Zittern
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwächegefühl
  • Vegetative Hyperaktivität
  • Angst und Depression

Mindestens drei der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein (wiederholt über längeren Zeitraum oder mindestens vier Wochen):

  1. Alkoholkonsum in grösseren Mengen oder über längere Zeitdauer als beabsichtigt
  2. Persistierender Drang oder erfolglose Versuche, den Konsum zu reduzieren
  3. Viel Zeitaufwand für Aktivitäten, um Alkohol zu beschaffen oder sich von den Folgen zu erholen
  4. Häufige Intoxikationen oder Entzugssymptome bei erwarteten Leistungen
  5. Wichtige Aktivitäten werden wegen Alkohol aufgegeben oder reduziert
  6. Fortwährendes Trinken trotz Wissen um alkoholbedingte Probleme
  7. Ausgeprägte Toleranzbildung gegenüber Alkohol
  8. Charakteristische Alkoholentzugssymptome
  9. Häufiger Alkoholkonsum zur Linderung oder Vermeidung von Entzugssymptomen

Das Wort “Sucht” stammt von “siech” (krank) ab. Zur Krankheitsbeschreibung wurde es vermutlich erstmals in der Bedeutung von “Seuche” benutzt.

  • 1968: Der Suchtbegriff wurde aus der offiziellen Terminologie der WHO gestrichen
  • Ersetzt durch die Begriffe Missbrauch und Abhängigkeit
  • Psychische Abhängigkeit: Unbezwingbares Verlangen, Alkohol zu konsumieren
  • Physische Abhängigkeit: Toleranzerhöhung und Entzugserscheinungen
TypBezeichnungMerkmale
AlphaErleichterungstrinkerPsychisch abhängig, trinkt zur Konfliktlösung, keine Toleranzerhöhung
BetaGelegenheitstrinkerKeine Abhängigkeit, aber organische Schäden durch häufigen Konsum
GammaRauschtrinkerPsychisch und physisch abhängig, Kontrollverlust, phasenweises Trinken
DeltaSpiegeltrinkerPhysisch abhängig, kann nicht abstinent sein, muss “Pegel” halten
EpsilonQuartalstrinkerEpisodisches Trinken mit Kontrollverlust, dazwischen abstinent
  • Alkohol zur Entspannung
  • Toleranzerhöhung
  • Dauer: Monate bis Jahre
  • Heimliches Trinken
  • Gedanken kreisen um Alkohol
  • Erste Gedächtnislücken (Blackouts)
  • Vermeidung von Gesprächen über Alkohol
  • Schuldgefühle
  • Kontrollverlust tritt auf
  • Erklärungsversuche und Selbstvorwürfe
  • Aggressive Verhaltensweisen
  • Trinken am Morgen
  • Erste körperliche Ausfälle
  • Interessenverlust
  • Soziale Probleme (Ehe, Beruf)
  • Mehrtägige Räusche
  • Körperlicher und geistiger Abbau
  • Alkoholpsychosen möglich
  • Zusammenbruch des Alibisystems
  • Lebenskrisen

Quellen: DSM III-R, ICD 9, Jellinek, WHO, Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren