Alkohol und Wechselbeziehungen
Alkohol ist eine der wenigen bewusstseinsverändernden Drogen, die definierte Auswirkungen auf das Verhalten hat. Die Wechselwirkung mit der Borderline-Störung ist besonders bedeutsam.
Was ist Alkohol?
Abschnitt betitelt „Was ist Alkohol?“- Chemische Formel: C₂H₅OH (Ethanol)
- Entsteht durch Gärung von Zucker (Umwandlung durch Hefe in Ethanol und Kohlendioxid)
- Zellgift, das jede einzelne Zelle im Körper angreift
- Überwindet ohne Schwierigkeiten die Blut-Hirn-Schranke
- Löst sich nur im Wasser (wasserhaltigen Körperteilen)
Wirkung auf das Gehirn
Abschnitt betitelt „Wirkung auf das Gehirn“Alkohol greift direkt in den biochemischen Hirnstoffwechsel ein:
- Zuerst wird der Neokortex (Grosshirn) gelähmt – die kognitiven Sperren werden ausgehebelt
- Das limbische System wird aktiviert – dort liegen Gefühle und Belohnungssysteme
- Ergebnis: Enthemmung, nicht zu zulassende Gefühle, Ängste und Unterdrücktes treten zutage
Alkohol lässt das tiefste Innerste zutage treten und macht wie keine andere Droge unberechenbar.
Alkohol und Borderline
Abschnitt betitelt „Alkohol und Borderline“Achtung bei der Diagnose: Alkoholmissbrauch kann Symptome erzeugen, die einer Borderline-Störung ähneln. Hier liegt auch der Fehler vieler Ärzte, die Borderline diagnostizieren, obwohl “nur” ein Alkoholmissbrauch vorliegt.
Verstärkende Wirkung
Abschnitt betitelt „Verstärkende Wirkung“- Alkohol verstärkt die bestehende Gemütsverfassung
- Lässt unterschwellige Gefühle und Emotionen zutage treten
- Zwei-Phasen-Gift bei Depression: Erst hebt er die Stimmung, dann wird der ursprüngliche Zustand umso schlimmer
Promille-Werte und Wirkung
Abschnitt betitelt „Promille-Werte und Wirkung“Angabe bezieht sich auf einen Mann, 67 kg, ohne Alkoholgewöhnung:
| Promille | Wirkung |
|---|---|
| bis 0,3 | Gewöhnlich keine Wirkung |
| bis 0,6 | Wärme, Entspannung, Hochgefühl, leichte motorische Beeinträchtigung |
| bis 0,9 | Enthemmte Verhaltensweise, übertriebene Emotionalität, Beginn Rauschzustand, verzerrte Wahrnehmung |
| bis 1,2 | Erratisches Verhalten, Taumeln, undeutliches Sprechen |
| bis 2,5 | Schwere Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen, Bewusstseinsverlust möglich |
| ab 2,5 | Verschlimmerung aller Zustände |
| 4-5,0 | Totaler Stupor oder Tod |
Berechnungsformel
Abschnitt betitelt „Berechnungsformel“(Getrunkene Menge in Gramm Alkohol) ÷ (Körpergewicht × 0,7) = PromilleFaustregel:
- Pro Stunde langsamer trinken: minus 0,1 ‰
- Pro Stunde schneller trinken: plus 0,1 ‰
- Pro 10 kg mehr Körpergewicht: minus 0,1 ‰
- Pro 10 kg weniger Körpergewicht: plus 0,1 ‰
Abbau: Männer bauen pro Stunde 0,1 ‰ ab, Frauen 0,08 ‰.
Alkoholgehalt typischer Getränke
Abschnitt betitelt „Alkoholgehalt typischer Getränke“| Getränk | Vol% | Menge | Alkohol (g) |
|---|---|---|---|
| Bier | 5% | 0,5 l | 20g |
| Wein | 10% | 0,125 l | 10-13g |
| Sekt | 12% | 0,1 l | 10g |
| Likör | 30% | 4 cl | 9g |
| Korn | 32% | 4 cl | 10g |
| Wodka, Gin | 40% | 4 cl | 13g |
Faktoren, die die Wirkung beeinflussen
Abschnitt betitelt „Faktoren, die die Wirkung beeinflussen“- Geschlecht (Mann/Frau)
- Essgewohnheiten (Bulimie, Anorexie)
- Was wann gegessen wurde
- Trinkgeschwindigkeit und -gewohnheit
- Psychischer Zustand (Stress)
- Allgemeinbefinden (Krankheit, Periode)
- Einnahme von Medikamenten
Alkohol und Medikamente
Abschnitt betitelt „Alkohol und Medikamente“Der Weg in den Missbrauch
Abschnitt betitelt „Der Weg in den Missbrauch“Untersuchungen zufolge benutzen diejenigen, die später im Missbrauch oder in der Abhängigkeit landen, Alkohol erst einmal als Medizin – um innere Leere, Wut, Zorn, Hilflosigkeit, Angst, Depression, Melancholie zu bekämpfen, oder um schnell Emotionen zu dämpfen.
Körperliche vs. psychische Abhängigkeit
Abschnitt betitelt „Körperliche vs. psychische Abhängigkeit“- Körperliche Abhängigkeit: Behandlung nicht schwierig, meist wenige Wochen
- Psychische Abhängigkeit: Äusserst schwierig, erfordert mindestens 2 Jahre und das Herausfinden der Ursachen (z.B. ADHS, Borderline-Störung)
Es nützt nichts, wenn jemand auf Alkoholsucht behandelt wird, aber das ursächliche Problem nicht gefunden und therapiert wird.
Macht Alkohol dick?
Abschnitt betitelt „Macht Alkohol dick?“Eindeutig ja.
- 1 Gramm Alkohol = 29 kJ Brennwert
- 1 Liter Bier = 2000 kJ (20% des Tagesbedarfs eines Mannes)
- Der Überschuss an Energie wird als Fett gespeichert
Ein Wort zum Schluss
Abschnitt betitelt „Ein Wort zum Schluss“Der Alkoholiker wird abgestempelt, weil es “nur etwas mit Willen” zu tun habe. Das ist falsch. Auch der Medikamentenmissbrauch wird gesellschaftlich anders gesehen – weil man ihn nicht sieht.
Wir sagen oft: “Da ist ein Alkoholiker, verwahrlost auf der Bank.” Doch das ist nur das bittere Ende, was wir zu sehen bekommen.
Keiner, der süchtig wurde oder Missbrauch betrieb, hat die Hand gehoben und geschrien: “Ich will das.” Dazu bedarf es der äusseren Umstände. Die Droge beschleunigt nur alles.
Die Kindheit, die Mutter, der Vater, das Leben, Ihre Situationen – und letztlich der nicht zu überwindende, nicht verarbeitete Schmerz in sich.
Menschen, die es schaffen, sich aus diesem Kreis zu befreien, besitzen meine höchste Achtung. Es sind wundervolle Menschen. Menschen, die das schaffen, schaffen alles.
Und eines sollten wir nie vergessen: Es kann jeden treffen. Zu viele sagten “mich trifft/betrifft es doch nicht!”