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ADHS-Tests

Die Diagnosestellung erfordert:

  • Ausführliche Anamnese (auch der Kindheit)
  • Befragung von Bezugspersonen
  • Standardisierte Fragebögen
  • Ausschluss anderer Störungen
  • Ggf. neuropsychologische Testung

Die WURS ist einer der bekanntesten Fragebögen zur retrospektiven Erfassung von ADHS-Symptomen in der Kindheit. Sie gibt bei Erwachsenen einen Hinweis auf das Vorliegen der Störung.

Bei der Diagnostik werden folgende Bereiche untersucht:

  • Kurze Aufmerksamkeitsspanne bei nicht motivierenden Tätigkeiten
  • Schnell wechselnder Interessenfokus
  • Flüchtigkeitsfehler
  • Verlust des Fadens beim Lesen
  • Probleme bei der Planung
  • Desorganisation, chaotisches Verhalten
  • Unfähigkeit, Aktivitäten selbstständig zu beginnen
  • Begonnene Aufgaben nicht abschliessen
  • Handeln ohne nachzudenken
  • Ungeduld
  • Unterschätzen von Gefahren
  • Schwierigkeiten, explosives Verhalten zu kontrollieren
  • Innere Unruhe
  • Unfähigkeit zur Entspannung
  • Ständiges Wechseln der Themen

In Anlehnung an Parents’ Rating Scale (Wender PH, 1995)

Beurteilen Sie, inwieweit Ihre Tochter/Ihr Sohn zwischen dem Alter von 6 und 10 Jahren folgende Verhaltensweisen aufwies.

PunktzahlBedeutung
0gar nicht
1etwas
2deutlich
3sehr viel

ADHS wahrscheinlich bei Gesamt-Score ab 12 Punkten

  1. Unruhig - überaktiv
  2. Erregbar - impulsiv
  3. Störte andere Kinder
  4. Fing etwas an und führte es nicht zu Ende (kurze Aufmerksamkeitsspanne)
  5. Zappelte dauernd
  6. Leicht abgelenkt
  7. Wünsche mussten sofort erfüllt werden (leicht zu frustrieren)
  8. Weinte häufig
  9. Stimmung wechselte rasch und extrem
  10. Neigte zu Wutausbrüchen und unvorhersagbarem Verhalten

Die meisten Diagnosekriterien setzen voraus, dass die Symptome bereits in der Kindheit vorhanden waren. Daher werden erfragt:

  • Typische Merkmale bereits im Grundschulalter
  • Schulzeugnisse
  • Berichte der Eltern
  • Frühere Verhaltensauffälligkeiten
BereichTypische Symptome
DesorganisationUnfähigkeit, Dinge zu Ende zu führen
MotorikUnruhe, unruhiger Schlaf
AufmerksamkeitUnfähigkeit, sich auf Geschriebenes zu konzentrieren
TemperamentAusraster, Kontrollverlust
SozialverhaltenProbleme mit Autoritätspersonen
ImpulsivitätSpricht ohne nachzudenken
StressbewältigungSich überwältigt fühlen
AlltagHäufiges Verlieren/Verlegen von Sachen

MerkmalADHSBorderline
StimmungsschwankungenWechsel von Tag zu TagLängere Phasen
ImpulsivitätKurzdauernd, gedankenlosGetriebener
WutKurzdauernd, episodischHäufig anhaltend
BeziehungenWeniger intensiv-konfliktreichKurz, intensiv, konfliktreich
SuizidalitätSeltenerHäufiger
SelbstverletzungSeltenTypisch
IdentitätsstörungenSeltenHäufig
MerkmalADHSBipolare Störung
StimmungsschwankungenWechsel von Tag zu TagDauern Wochen oder Monate
Depressive ZügeMeist leichter NaturSchwere depressive Episoden

Eine fachärztliche Abklärung ist empfehlenswert, wenn:

  • Mehrere der genannten Symptome seit der Kindheit bestehen
  • Die Symptome das tägliche Leben, den Beruf oder Beziehungen erheblich beeinträchtigen
  • Bisherige Erklärungsversuche nicht ausreichten
  • Familienangehörige betroffen sind (genetische Komponente)
  • Psychiater mit ADHS-Erfahrung
  • Neurologen mit ADHS-Schwerpunkt
  • ADHS-Ambulanzen an Universitätskliniken
  • Kinder- und Jugendpsychiater (für Kinder/Jugendliche)

Es kann hilfreich sein, wenn auch Partner oder enge Angehörige ihre Beobachtungen dokumentieren:

  • Wie verhält sich die Person im Alltag?
  • Gibt es typische Situationen, in denen Probleme auftreten?
  • Wie war das Verhalten in der Vergangenheit?

Diese Fremdanamnese ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik.


Wird ADHS diagnostiziert, folgen:

  1. Aufklärung über die Störung (Psychoedukation)
  2. Behandlungsplanung (individuell)
  3. Ggf. medikamentöse Einstellung
  4. Ggf. psychotherapeutische Begleitung
  5. Regelmässige Verlaufskontrollen