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Behandlung von ADHS

Die Therapie des ADHS im Erwachsenenalter besteht aus mehreren Bausteinen:

  1. Medikamentöse Behandlung
  2. Aufklärung über das Krankheitsbild (Psychoedukation)
  3. Psychotherapeutische Massnahmen

Aus der Diagnose ADHS leitet sich nicht automatisch eine Behandlungsnotwendigkeit ab.

Eine Behandlung wird empfohlen, wenn nach vollständiger Untersuchung:

  • Eindeutig durch ADHS verursachte krankheitswertige Symptome bestehen
  • Ausgeprägte Störungen in mindestens einem Lebensbereich vorliegen
  • Oder weniger ausgeprägte Störungen in mehreren Lebensbereichen

Allgemein wird ein multimodales Behandlungskonzept empfohlen:

  • Medikamentöse Behandlung
  • Psychotherapeutische Behandlung
  • Psychoedukative Massnahmen (besonders für Eltern bei Kindern)

Studien des National Institute of Mental Health belegen:

  • Medikamente sind deutlich besser wirksam als verhaltenstherapeutische Interventionen alleine
  • Nach Absetzen der Medikation geht ein Teil des Effektes wieder verloren
  • Bei Verhaltenstherapie ist dieser Verlust geringer
  • Dennoch bleibt wegen des grösseren initialen Effekts mehr Wirksamkeit erhalten
  • Regelmässige (monatliche) ärztliche Kontrollen sind ausschliesslicher medikamentöser Behandlung mit seltenen Kontrollen überlegen

Die wichtigsten Medikamente bei ADHS:

WirkstoffHandelsnameHalbwertszeitDosierung/TagEinzelgaben
MethylphenidatRitalin (10mg)2,5 Std.10-40 mg1-3
D-L-AmphetaminAmphetaminsaft5-8 Std.5-20 mg1-3
FenetyllinCaptagon (50mg)5-8 Std.12,5-100 mg1-2

Methylphenidat und Amphetamin erhöhen das verfügbare extrazelluläre Dopamin im Striatum und in Hirnrindengebieten:

  • Methylphenidat: Blockiert die Dopamintransporter
  • Amphetamin: Fördert die Freisetzung von Dopamin aus Nervenendigungen

Nach vorliegenden Untersuchungen ist die Gabe von retardiertem Methylphenidat beim Autofahren sicher und fördert bei ADHS-Betroffenen die Konzentration, was Fehler durch Unaufmerksamkeit verringert.

  • Psychosen können ausgelöst werden (besonders bei familiärer Vorbelastung)
  • Bluthochdruck
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Geringfügig vermindertes Wachstum bei Kindern

Eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Behandlung, da bei ADHS die verbesserte Selbstorganisation ein wesentliches Therapieziel darstellt.

Wenn ein Patient die medikamentöse Therapie ablehnt:

  1. Zunächst psychotherapeutische Massnahmen wahrnehmen lassen
  2. Wegen der gravierenden Selbstwertproblematik kann dies sinnvoll sein
  3. Falls sich die Symptome nicht zufriedenstellend zurückbilden (was wahrscheinlich ist):
  4. Angebot zur probatorischen medikamentösen Behandlung


Komorbide Störungen, die bei ADHS im Erwachsenenalter eine grosse Relevanz haben, sollten bei der Behandlungsplanung berücksichtigt werden:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Substanzmissbrauch
  • Persönlichkeitsstörungen

  • Methylphenidat fällt unter das Betäubungsmittelgesetz
  • In den USA gestaltet sich die Behandlung bei Kindern wie Erwachsenen wesentlich einfacher
  • Dort sind auch die Ängste vor diesen Medikamenten geringer

Die Behandlung mit Stimulantien bei Kindern wurde bereits 1937 beschrieben, erste Berichte über diese Therapie bei Erwachsenen datieren 10 Jahre später - mit guter und rascher Besserung unter langjähriger Therapie.


  • Die Wirksamkeit nondirektiver oder tiefenpsychologischer Therapie zur alleinigen Behandlung der hyperkinetischen Kernsymptomatik ist nicht belegt
  • Die Wirksamkeit von Mototherapie, Krankengymnastik, Psychomotorik und Ergotherapie zur alleinigen Behandlung ist nicht belegt
  • Die Wirksamkeit von Entspannungsverfahren (inkl. autogenem Training) ist nicht hinreichend belegt

  • In Familien von Betroffenen finden sich 17-41% Betroffene
  • In Kontrollfamilien: 0-8%
  • ADHS bei Vätern von Betroffenen: 15-44%
  • ADHS bei Müttern von Betroffenen: 4-38%
  • Eineiige Zwillinge: Konkordanz 51-79%
  • Zweieiige Zwillinge: Konkordanz 33%
  • Erblichkeit wird auf 64-88% geschätzt
  • Bei gleichzeitiger Dyslexie: Erblichkeit bis zu 98%

Das Risiko hängt davon ab, ob die biologischen Eltern von der Störung betroffen waren - nicht die Adoptiveltern.

Es handelt sich um eine multifaktoriell bedingte Erkrankung, für die nicht ein einzelnes Gen verantwortlich ist. Einige Studien deuten auf einen inkomplett penetranten autosomal dominanten Erbgang hin.


Strukturelle Hirnstudien zeigten:

  • Geringe Verminderung der gesamten Hirnsubstanz
  • Vermindertes Volumen im rechten Frontallappen und im Nucleus caudatus
  • Veränderungen in der dorsalen präfrontalen Rinde beidseits
  • Verminderte graue Substanz in der vorderen Temporalrinde

Diese Bereiche sind Teil einer Assoziationsrinde, die der Aufmerksamkeit, Verhaltenssteuerung und Impulskontrolle dient.

Bei ADHS kommt es zu einer abnormen Verarbeitung von Wahrnehmungen in den Aufmerksamkeitsnetzwerken des Gehirns mit einer spezifischen Dysfunktion in striatalen Regelkreisen.