Was ist ADS / ADHS?
“Ich weiss nicht, wer ich bin. Ich komme nirgendwo zurecht. Ich ecke überall an. Immer bin ‘ich’ schuld, weiss aber gar nicht warum.”
Definition
Abschnitt betitelt „Definition“Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine bereits im Kindesalter beginnende Störung, die primär durch starke Ablenkbarkeit und geringes Durchhaltevermögen gekennzeichnet ist. Das “H” steht für Hyperaktivität - ein schwer kontrollierbares, überaktives Verhalten, das sich in motorischer Unruhe und gesteigertem Tatendrang manifestiert.
ADS (ohne das H) bezeichnet die Variante ohne ausgeprägte Hyperaktivität.
Häufigkeit und Geschlechterverteilung
Abschnitt betitelt „Häufigkeit und Geschlechterverteilung“- Ca. 4% aller Kinder erfüllen die Diagnosekriterien
- Jungen werden dreimal häufiger diagnostiziert als Mädchen (aufgrund der auffälligeren Hyperaktivität)
- ADS tritt häufiger bei Frauen auf
- ADHS tritt häufiger bei Männern auf (vermutlich testosteronbedingt)
Ursachen
Abschnitt betitelt „Ursachen“Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen von einer hauptsächlich genetischen Störung aus:
- Biochemische Störung des Hirnstoffwechsels
- Striatofrontale Dysfunktion auf neurobiochemischer Ebene
- Psychosoziale Faktoren beeinflussen Verlauf und Ausprägung
Das Spektrum der Ausprägung ist sehr unterschiedlich - nicht alle Symptome sind bei jedem Betroffenen gleich stark vorhanden.
Geschichte der Diagnose
Abschnitt betitelt „Geschichte der Diagnose“Der Struwwelpeter (1844)
Abschnitt betitelt „Der Struwwelpeter (1844)“Der Frankfurter Psychiater Dr. Heinrich Hoffmann (1809-1894) beschrieb in seinem berühmten Kinderbuch erstmals verschiedene Störungsbilder:
- Zappelphilipp - ADHS
- Hans Guck in die Luft - ADS
- Suppenkasper - Anorexie
- Struwwelpeter - Dissoziales Verhalten
Wissenschaftliche Entwicklung
Abschnitt betitelt „Wissenschaftliche Entwicklung“| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1902 | Erste fachliche Beschreibung durch G. F. Still |
| 1940er/50er | Begriff “Minimale cerebrale Dysfunktion” (MCD) |
| 1972 | Beschreibung des “Hyperkinetischen Syndroms” |
| 1980 | Aufnahme als “Attention-Deficit Disorder” (ADD) in DSM-III |
| 1987 | Erweiterung zu ADHD/ADHS in DSM-III-R |
| 2002 | Offizielle Anerkennung in Deutschland (27.12.2002) |
Abgrenzung zur Borderline-Störung
Abschnitt betitelt „Abgrenzung zur Borderline-Störung“Die Symptome können sich bis zu 20% überschneiden, was häufig zu Fehldiagnosen führt.
Hauptunterschiede
Abschnitt betitelt „Hauptunterschiede“| Merkmal | ADS/ADHS | Borderline |
|---|---|---|
| ICH-Fragmentierung | Nein | Ja |
| Spaltung | Nein | Ja |
| Niedere Abwehrmechanismen | Nein | Ja |
| Liebesfähigkeit | Ja | Eingeschränkt |
| Schneller Wechsel Idealisierung/Abwertung | Nein | Ja |
| Frei flottierende Angst | Nein | Ja |
| Innere Leere | Nein | Ja |
| Bewusstes selbstverletzendes Verhalten | Nein | Ja |
| Verlassenheitsängste | Selten | Ja |
Wichtige Unterscheidungsmerkmale
Abschnitt betitelt „Wichtige Unterscheidungsmerkmale“- Stimmungswechsel: Bei ADHS von Tag zu Tag, bei Bipolaren Störungen Wochen/Monate
- Impulsivität: Bei ADHS kurzdauernd und gedankenlos, bei Borderline getriebener
- Wut: Bei ADHS episodisch und kurz, bei Borderline oft anhaltend
- Beziehungen: ADHS-Betroffene haben weniger die typischen intensiven, kurzen, konfliktreichen Beziehungen
Komorbidität
Abschnitt betitelt „Komorbidität“ADHS tritt sehr häufig mit komorbiden Störungen auf:
- Depression
- Angststörungen
- Substanzmissbrauch
- Persönlichkeitsstörungen (als Folge)
Aktuelle Versorgungssituation
Abschnitt betitelt „Aktuelle Versorgungssituation“Die Situation für erwachsene ADHS-Betroffene in Deutschland ist schwierig:
- Nur wenige spezialisierte Kliniken für Erwachsene
- Kostenübernahme für Medikamente oft problematisch
- Spezielle Therapieverfahren werden oft nicht bezahlt
- Rentenversicherungsträger erkennen ADHS bei Erwachsenen teilweise nicht an